Zum ersten Mal seit 180 Jahren soll wieder ein Wolf in Baden-Württemberg abgeschossen werden. Entsprechend umstritten ist die Entscheidung – auch in den sozialen Medien.
Gefährliche Situationen zwischen Mensch und Wolf könnten nicht mehr ausgeschlossen werden, urteilte das Landesumweltministerium. Die Konsequenz: Wolfsrüde GW2672m, bekannt als Hornisgrinden-Wolf, soll entnommen – also gezielt getötet – werden.
Kaum machte diese Nachricht am Dienstag die Runde, folgten erste Reaktionen. Nabu-Landesvorsitzender Johannes Enssle nannte die Entscheidung „traurig, aber nachvollziehbar“.
Die Landtagsabgeordneten für den Wahlkreis Freudenstadt – Katrin Schindele (CDU), Timm Kern (FDP) und Uwe Hellstern – zeigten sich auf Anfrage unserer Redaktion als Befürworter eines Abschusses, während Christopher Schmidt von der Stiftung für Bären keine Legitimation für einen Abschuss sah.
Gegenwind im Netz
Gegenwind gibt es auch im Netz: Eine Petition auf der Plattform change.org haben bis Mittwochabend rund 12 000 Nutzer unterschrieben, während ein Aufruf auf openpetition.de bislang rund Tausend Mal unterzeichnet wurde. Beide fordern einen Stopp des Abschusses und den Einsatz nichttödlicher Alternativen.
Noch drastischer fallen die Reaktionen wenig überraschend in den sozialen Medien aus. Beiträge unserer Redaktion zum geplanten Wolfsabschuss auf Facebook und Instagram wurden insgesamt gut 200 Mal kommentiert. Die vorherrschende Reaktion: Unverständnis und Empörung. Von einer „völligen Überreaktion“, einem „Armutszeugnis“ oder einer „Sauerei“ ist die Rede.
„Was hat dieser Wolf denn getan?“
Andere Nutzer fragen: „Was hat dieser Wolf denn getan?“ „Er hat sich genähert. Sonst noch was? Unfassbar.“ Tatsächlich gab es keinen konkreten Vorfall, der zur Abschussfreigabe führte. Der Wolf verhalte sich nicht augenscheinlich bedrohlich, erklärte das Ministerium. „Allerdings stellen wir fest, dass ein Wolfstourismus beginnt.“
Entsprechend richtet sich die Kritik in den sozialen Medien auch an die Mitmenschen: „Es war zu lesen, dass Hundebesitzer ihren Hund absichtlich frei laufen ließen und diese Begegnungen provoziert haben.“ Der Mensch sei noch gefährlicher als es der Wolf jemals sein könnte, meint eine andere Nutzerin.
Unter den Kommentaren finden sich daher auch Aufforderungen, keine Videos von Wölfen in den sozialen Medien zu teilen, um den Wolfstourismus nicht noch zu befeuern. „Anstatt dass man diesen ‚Wolfstourismus‘ unterbindet, erschießt man einfach den Wolf – ganz mein Humor“, heißt es in einem weiteren Kommentar.
„Nationalpark, aber bitte ohne Tiere“
Einige halten den Wolfsabschuss auch mit dem Konzept des Nationalparks für nicht vereinbar: „Nachdem jahrelang daran gearbeitet wurde, einen Nationalpark zu kreieren, schreitet der Mensch nun wieder ein“, meint eine Nutzerin. Eine andere schreibt:„Nationalpark, aber bitte ohne Tiere, völlig bekloppt.“ „Einen ganzen Wald sperren am Ruhestein, dass die Tiere nicht gestört werden und dann den Wolf abschießen.“
Auch in den sozialen Medien werden alternative Lösungen vorgeschlagen: „Warum vergrämt man den Wolf nicht?“ Laut Ministerium waren Mittel wie Fangen oder Vergrämen erfolglos geblieben. Entsprechend urteilt ein Nutzer: „Versuche ihn einzufangen sind gescheitert. Dann machen die Leute ihren Job falsch, ganz einfach.“ Mit „Besser spät als nie“ oder „Gut so“ finden sich auch noch einige Kommentare, in denen ein Wolfsabschuss befürwortet wird.
Online-Petitionen werden Abschuss nicht verhindern
Die Mehrheit der Kommentatoren im Netz hofft allerdings, dass der Wolf am Leben bleibt – weshalb einige auch dazu aufrufen, die Petitionen zu unterschreiben. Dass diese den Wolfsabschuss verhindern, ist allerdings unwahrscheinlich: „Online-Petitionen haben keine aufschiebende Wirkung“, erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums gegenüber unserer Redaktion.