Die Hornberger „Ärzte am Bärenplatz“ übergeben ihre Kassenarztsitze an die Genossenschaft RGV Kinzigtal.
Die Hornberger Gemeinschaftspraxis am Bärenplatz ist ab heute, 26. Juni, bis einschließlich Freitag, 4. Juli, geschlossen. Grund dafür ist aber nicht, dass die Mitarbeiter Urlaub machen. Die Praxis wird Teil der Genossenschaft RGV Kinzigtal und Betriebsstätte des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Kinzigtal. In dem genannten Zeitraum wechselt die Praxis-EDV und weitere vorbereitende Änderungsarbeiten werden vorgenommen. Das gibt RGV Kinzigtal in einer Mitteilung bekannt. Demnach übertragen die bisherigen Praxisinhaber Hans Herr, Carmen Ramm und Martin Wetzel ihre Kassenarztsitze an das MVZ.
Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt das RGV, dass bereits seit seiner Gründung 2021 das Ziel ist, die Ärzte am Bärenplatz AB in den nächsten Jahren in die Struktur zu übernehmen. Die langjährigen Praxisinhaber Herr, Ramm und Wetzel begrüßen diese Entwicklung laut der Mitteilung: „Wir haben uns diesen Schritt lange und gut überlegt und vorbereitet. Unser Anliegen ist es, eine tragfähige Lösung für den Erhalt der hausärztlichen Versorgung in Hornberg finden. Mit der Anbindung an das MVZ Kinzigtal schaffen wir Kontinuität für unsere Patienten – und eine Perspektive für kommende Generationen von Ärzten“, wird Martin Wetzel, der künftige Ärztliche Leiter des MVZ in Hornberg zitiert.
Für die Patienten soll sich nicht viel ändern
Bis auf den neuen Namen der Praxis MVZ Kinzigtal soll sich für die Patienten nicht viel verändern. Das gesamte Team bleibt wie bisher bestehen. Zudem wird Jasmin Apfel als Teilzeitangestellte mitarbeiten und damit einen kassenärztlichen Sitzanteil haben. Aktuell ist noch als sogenannte Sicherstellungsassistentin angestellt, das heißt, als Facharzt, die die Praxis aus unterschiedlichen Gründen unterstützt, ohne einen eigenen kassenärztlichen Sitz zu haben.
Im Zuge der Übernahme investiert das MVZ Kinzigtal außerdem in die technische Infrastruktur und den Standort am Bärenplatz mit Unterstützung von Fördermitteln, unter anderem von der Stadt Hornberg. Diese begrüßt laut der Mitteilung den Wechsel zum MVZ: „Die Aufrechterhaltung der hausärztlichen Versorgung ist eine der zentralen Zukunftsfragen für unsere Stadt“, erklärt Bürgermeister Marc Winzer. Die Einbindung der Praxis am Bärenplatz in das MVZ Kinzigtal sei ein starkes Zeichen für Bürger und für den medizinischen Standort Hornberg. Den Wechsel der Praxis zum MVZ bezeichnet er als „sehr wichtigen Schritt, um die Grundversorgung vor Ort aufrecht zu erhalten. Das neue Konzept verstärkt die Attraktivität als Arbeitsplatz, und kommt den heutigen Wünschen von Ärzten sowie medizinischem Fachpersonal einen großen Schritt entgegen.“ Mit dem Eintritt in das MVZ Kinzigtal sollen Ärzte dort nämlich künftig angestellt arbeiten, ohne den Schritt in die Selbstständigkeit gehen zu müssen. Dieses Modell biete insbesondere jungen Medizinern Planungssicherheit, geregelte Arbeitszeiten und ein unterstützendes Umfeld.
Teampraxis soll langfristig weiter entwickelt werden
Langfristig soll die Praxis als Teampraxis weiterentwickelt werden, um flexible Arbeitsmodelle, kollegialen Austausch und die Einbindung weiterer Professionen in die Versorgung – zur Entlastung der Ärzte und Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung zu ermöglichen. Eine Teampraxis im Unterschied zu einer Gemeinschaftspraxis sieht nicht nur Ärzte in der Versorgung, sondern will, dass auch neue und weitere Berufsbilder, die qualifiziert sind, teilnehmen können – wie zum Beispiel Nichtärztliche Praxisassistent (NÄPAs). Ab dem 1. Juli ist die Betriebsstätte Hornberg des MVZ Kinzigtal in Betrieb und vom Zulassungsausschuss genehmigt. Alle bisherigen medizinischen Leistungen der Praxis werden dann fortgeführt und die bekannten Kontaktdaten und Sprechzeiten bleiben, bis auf die Internetseite der Praxis, unverändert.
Ärzte gesucht
Das MVZ sucht für die Praxis weitere Kollegen, „um das Versorgungsteam zu erweitern und die Strukturen weiter auszubauen“, heißt es in der Mitteilung. Sie werden über Stellenanzeigen im Print und Online sowie über Social Media-Kampagnen gesucht – aber auch über Empfehlungen. „Man darf das Netzwerk nicht unterschätzen“, erklärt Tanja Fiesel vom RGV. „Unserer Erfahrung nach lassen sich in der ländlichen Region überwiegend Ärzte nieder, die hier aufgewachsen sind oder einen andere Bindung haben.“