Die Biere der Brauerei Ketterer werden immer wieder ausgezeichnet: Philipp und Michael Ketterer konnten sich im Jahr 2020 über einige Medaillen bei den jährlichen "World Beer Awards" freuen. Foto: Ketterer

Der Hornberger Biersommelier Philipp Ketterer über den Trend zu Qualität und Regionalität.

Die Gastronomie hat seit Mitte November geschlossen. Das hat Auswirkungen auf die Brauereien. Haben sich die Vorlieben der Biertrinker geändert? Wird nun weniger Bier getrunken? Der Schwabo hat bei der Brauerei Ketterer nachgefragt.

Hornberg - "Wir sind überdurchschnittlich stark mit der Gastronomie verbunden, die unsere schöne Heimatregion entscheidend mit prägt und uns besonders am Herzen liegt", erklärt Philipp Ketterer. Etwa die Hälfte des Bierausstoßes der Hornberger Brauerei fließt in die Wirtshäuser der Region, während der Branchenschnitt in Deutschland bei rund 20 Prozent liegt. "Erstmals in der Geschichte unserer Familienbrauerei sind wir während des Lockdowns mit negativen Fassbierabsätzen konfrontiert", so Ketterer.

Verluste in der Gastronomie werden nicht kompensiert

Das Unternehmen habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kunden im Handel verstärkt nach regionalen, ehrlich produzierten Lebensmitteln hoher Qualität greifen, ganz nach dem Motto: "Wenn ich schon nicht ausgehen kann, dann gönne ich mir zu Hause was richtig Gutes."

Das helfe, wobei die Verluste in der Gastronomie und bei Veranstaltungen hierdurch nicht ansatzweise kompensiert werden. "Bier braucht Anlass. Biergenuss und Geselligkeit sind einfach sehr eng miteinander verbunden", ist sich der Bier-Sommelier sicher.

Die Situation schmerze natürlich, "aber wir haben ein tolles Team und sind brautechnologisch top ausgestattet, so dass wir die Krise gut meistern." Gut zehn Prozent der Mitarbeiter seien in teilweiser Kurzarbeit, wobei das Familienunternehmen das Kurzarbeiter-Geld freiwillig aufstockt. Einige geplante Investitionen konnten flexibel verschoben werden.

Aktuell werden verschiedene Projekte im Bereich der Qualitätssicherung und Digitalisierung verfolgt und weiterhin neue Kunden gewonnen. "Wir sind gut aufgestellt und verfallen nicht in Aktionismus", ist sich Philipp Ketterer sicher.

So werden auf dem beengten Grundstück der Brauerei die Kapazitäten durch den Neubau einer Lagerhalle, in der etwa 1000 Paletten mit Getränken Platz finden werden, erweitert. "Hier stand zuvor ein älteres Gebäude, das kleiner war und durch verschiedene Ebenen nicht so effizient nutzbar war", erklärt der Unternehmer. Der Halle wird ein Verwaltungsgebäude angegliedert, in dem der Versandleiter, der Braumeister und der Leiter Qualitätssicherung – diese Stelle wurde im vergangenen Jahr neu geschaffen – mit einem zusätzlichen Labor Platz finden werden.

Dazu kommt noch ein kleinerer Anbau für den technischen Kundendienst. Die Rohbauarbeiten wurden witterungsbedingt unterbrochen und laufen jetzt weiter. Für die Fertigstellung wird der kommende Juni avisiert.

Auf die Frage, ob das als optimistisches Zeichen für die Zukunft gesehen werden kann, antwortet Ketterer: "Wir blicken trotz der herausfordernden Situation zuversichtlich nach vorne. Klar, die Pandemie wird uns alle unterm Strich eine Menge Geld kosten. Wir meinen, dass die Werte, für die ein Betrieb und dessen Produkte stehen, bei den Einkaufsentscheidungen weiter an Bedeutung gewinnen."

Da passe die Brauerei Ketterer als klimaneutrales Unternehmen mit prämierten Naturprodukten gut in die Welt. "Auf dass wir die aktuelle Durststrecke bald beenden können – am liebsten natürlich mit Ketterer Bier und Hornberger Lebensquell", blickt Philipp Ketterer optimistisch in die Zukunft.

Die Brauerei Ketterer wird immer wieder für die Qualität ihrer Biere ausgezeichnet. So gab es zum Ende des vergangenen Jahres gleich acht Medaillen bei der "European Beer Challenge" und der "Brussels Beer Challenge".

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