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Hornberg "Standort nicht schlecht reden"

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Seit der Schließung der Hausarztpraxis in der Werderstraße praktizieren in Hornberg nur noch drei statt vormals fünf Hausärzte. Symbolfoto: Vennenbernd Foto: Schwarzwälder Bote

Der Ärztemangel ist Thema beim Diskussionsabend im Rathaus gewesen. Zur Veranstaltung kamen rund 30 Einwohner, die fragten, was sie als Bürger tun können, damit sich mehr Nachwuchsmediziner für eine Niederlassung als Landarzt entscheiden.

Hornberg. Bürgermeister Siegfried Scheffold informierte die Zuhörer, unter denen auch die Hausärzte Martin Wetzel und Carmen Ramm ("Ärzte am Bärenplatz") waren, zunächst über den aktuellen Stand bei der Suche nach potenziellen Haus- und Zahnärzten. Außerdem ging er auf geeignete Immobilien und Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und des Gesundheitsministeriums ein, welche die Neugründung beziehungsweise Übernahme von bestehenden Praxen unterstützen (wir berichteten).

Ist ein Ärztehaus in Hornberg möglich?

Desweiteren ging Scheffold auf das Thema "Ärztehaus" ein, mit dem sich die Stadt derzeit – in Absprache mit der Gemeinschaftspraxis "Ärzte am Bärenplatz" – befasst. Hintergrund ist, dass sich die "Lebenswelt der Mediziner in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt habe", so Scheffold. Ein überwiegender Teil der Medizinstudenten sind Frauen, die nach Möglichkeiten suchen, Familie, Beruf und Freizeit unter einen Hut zu bringen. Der Wunsch nach einem festen Angestelltenverhältnis oder einer Teilzeitbeschäftigung sei gestiegen. Viele Nachwuchsmediziner favorisieren diese Gegensatz zur Selbstständigkeit mit einer eigenen Praxis.

Für ein mögliches Ärztehaus hätte die Stadt geeignete Grundstücke in guter Lage, informierte Scheffold. Eine solche Einrichtung in Hornberg wäre sicherlich kleiner als beispielsweise das "Medzentrum" in Schramberg. "Letztlich ist ein Ärztehaus aber keine schnelle Lösung. Wir müssten mit bis zu drei Jahren bis zur tatsächlichen Eröffnung rechnen", führte Scheffold aus. Zudem seien nicht Bau und Investition der Immobilie die Schwierigkeit, sondern letztlich wieder das Finden von Personal.

Gerade im Fachärztebereich ist es noch schwieriger: Der Bedarf an Fachärzten wird bei der KV auf der Landkreis-Ebene berechnet. Durch die hohe Zahl von Fachärzten in Offenburg, Kehl oder Lahr gilt der Ortenaukreis als "überversorgt", ist laut Scheffold eine ernüchternde Erkenntnis der bisherigen Gespräche mit der KV. Generell möchte die Stadt Hornberg das Thema Ärztehaus aber "mit Nachdruck bearbeiten".

Was sagen die Ärzte?

Hausarzt Martin Wetzel machte deutlich, dass "das Land es im Gegensatz zur Stadt" immer schwieriger bei der Suche nach Ärzte haben wird. Als Reaktion auf die Schließung der Praxis Vorgrimler-Beck/Quack haben die "Ärzte am Bärenplatz" ihre Sprechstunden erweitert. "Das geht aber nicht auf die Dauer", sagte er. Auch seine Praxis gehe räumlich und personell an ihre Grenzen (wir berichteten).

"Wir bemühen uns seit fünf Jahren Nachfolger für unsere Praxis zu finden", sagte Wetzel. Bislang ohne Ergebnis. Kollegin Carmen Ramm ergänzte, dass nicht nur die Suche nach Ärzten, sondern nach medizinischen Personal allgemein, wie medizinischen Fachangestellten (MFA), immer schwieriger werden.

Wetzel bekräftigte, dass er nach wie vor versuche, junge Kollegen davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, eine Praxis in Hornberg zu führen. Von einem Ärztehaus halte er wenig. Als zukunftsfähiges Modell sehe er das Gesundheitsnetzwerk "Gesundes Kinzigtal", richtete der Arzt an die Hornberger und warb für die Unterstützung des Projekts.

Auch machte der Hausarzt deutlich, dass eine Schuldzuweisung an die Kommune nichts nütze. "Ärzte sind schließlich Freiberufler und keine Angestellten der Kommunen", sagte Wetzel.

Was sagen die Bürger?

Einig waren sich auch viele Zuhörer, dass die Zeit der Schuldzuweisungen vorbei sei. Brigitte Schondelmaier hakte nach, ob im Zentrum für Innovation und Gewerbe (ZIG) nicht auch entsprechende Räume für Arztpraxen zur Verfügung stehen würden. Scheffold bejahte dies und nahm die Anregung mit auf.

Maria Staiger beschrieb den Ärztemangel als "deutliche Schwächung für Hornberg". Sobald Hornberger ihre Arztbesuche in Nachbarorten erledigen, würden sie gleichzeitig auch dort die Apotheke aufsuchen oder Einkäufe erledigen. "Hornberg verliert dadurch als Standort an Qualität", befand sie. Sie schlug vor, dass die Forderungen und Reaktionen der Einwohner in einem offenen Bürgerbrief an die Landes- und Bundespolitik beziehungsweise an die KV gesammelt werden könnten. Der Vorschlag fand viel Zuspruch und wurde von Bürgermeister Scheffold aufgenommen.

Gudrun Wälde fragte nach, was die Bürger konkret für eine bessere medizinische Nahversorgung tun können. "Durch ihre Präsenz und ihre Nachfragen an den verantwortlichen Stellen", sagte Scheffold und wies in diesem Zusammenhang auf die geplante Podiumsdiskussion hin (siehe Info).

Gottfried Bühler befand, dass "wir Bürger unseren Standort und unser Leben auf dem Land nicht schlecht reden dürfen". Viele angehende Ärzte gehen nach dem Studium ins Ausland, wo der bürokratische Aufwand im Gegensatz zu Deutschland geringer sei. Es gelte, dass Leben und Arbeiten auf dem Land für die jüngere Generation attraktiv zu gestalten.

Die Anwesenden richteten ein Dankeschön an die "Ärzte am Bärenplatz", die derzeit mit viel Einsatz und Aufwand die Versorgung zusätzlicher Patienten sicherstellen. Bürgermeister Scheffold wies ausdrücklich daraufhin, dass sich Bürger bei ihm persönlich oder per E-Mail melden können, wenn sie Lösungen, Vorschläge und Ideen zur Verbesserung der Ärzteversorgung haben.

Im Rahmen des Diskussionsabend informierte Bürgermeister Siegfried Scheffold, dass derzeit die Planungen für eine überörtliche Podiumsdiskussion in der Hornberger Stadthalle laufen. Hierfür habe die Stadt Kontakt mit Sozialminister Manfred Lucha aufgenommen, jedoch steht noch kein Termin fest.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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