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Hornberg Hornberger war Opfer der NS-Justiz

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"Manchmal muss man gar nicht so weit gehen, um auf einen Helden zu treffen", schreibt Matthias Breithaupt über Albert Fritz. Der Hornberger wurde 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet. In Stuttgart erinnert jetzt eine Ausstellung an die Opfer der NS-Justiz.

Hornberg. Albert Fritz ist der Großonkel der Hornbergerin Gisela Breithaupt, die sich mit ihrem Sohn Matthias mit dem Leben und Schicksal ihres Verwandten beschäftigte. Die eigene Familiengeschichte nahm Matthias Breithaupt als Anlass, ein Buch zu verfassen, das jedoch nicht veröffentlicht wurde. Sein Heimatort: Albert Fritz kam am 18. Januar 1899 in Hornberg als drittes von vier Kindern von Johann Albert Fritz (1872 bis 1904) und Amalie Wilhelmine Fritz, geborene Schondelmaier, (1868 bis 1938) auf die Welt. Seine Geschwister waren Luise (1885 bis 1972), Emma (1896 bis 1971) und Marie (1902 bis 1982). "Über seine Kindheit und Jugend ist nicht mehr viel bekannt", heißt es in dem Buch von Matthias Breithaupt. Im Alter von sechs Jahren verlor er seinen Vater und erlebte als 15-Jähriger den Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918). Mit 18 Jahren sei er wohl Teil der Streitkräfte gewesen, da er seiner Mutter "Mina" am 29. Juni 1917 einen Brief schickte, aus dem hervorging, dass er im Kraftfahrbataillons Mannheim gewesen sei. Albert Fritz, so heißt es, habe eine Lehre als Eisendreher in Hornberg gemacht und in diesem Beruf gearbeitet. Sein Wohnort: 1921 schloss er sich der jungen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an und beteiligte sich im selben Jahr am "Mitteldeutschen Aufstand". Im Anschluss tauchte Albert Fritz unter und entging somit einer Verhaftung. Ab 1926 lebte er in Heidelberg. Dort lernte er seine spätere Frau Babette kennen und wohnte im Steinäckerweg – der heute Albert-Fritz-Straße heißt.

Bis 1933 war Albert Fritz Mitglied des Heidelberger Stadtrats für die KPD und von 1931 bis 1933 Parteisekretär der KPD für den Bezirk Baden/Pfalz. In dieser Zeit arbeitete er als Eisendreher bei der Firma Lanz in Mannheim. Dort war er auch Betriebsrat, berichtet Matthias Breithaupt über Albert Fritz. Sein politisches Engagement: Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Albert Fritz im März 1933 als Arbeiterfunktionär in Lörrach verhaftet. Er verbrachte 13 Monate in den Konzentrationslagern Ankenbuck (Schwarzwald-Baar-Kreis) und Kislau ( Landkreis Karlsruhe).

Nach der Entlassung im Frühjahr 1934 nahm er seine politische Tätigkeit wieder auf, wurde 1936 erneut verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er illegale Schriften verteilt hatte. Spätestens 1939 schloss er sich einer Widerstandsgruppe um den Mannheimer Schriftsetzer Georg Lechleiter an, die sich aus Kommunisten und Sozialdemokraten zusammensetzte.

Die Widerstandsgruppe flog auf. Im März 1942 wurde Albert Fritz zusammen mit einigen Mitkämpfern inhaftiert. Vorab erschienen vier Ausgaben der Zeitung "Der Vorbote, welche die Gruppe illegal herstellte und vertrieb. Im Oktober 1942 wurde er zum Tode durch Enthaupten verurteilt. Das Urteil wurde am 24. Februar 1943 in Stuttgart vollstreckt.

Sein Gedenken: Albert Fritz’ Widerstand gegen den Nationalsozialismus findet sich unter anderem in der Benennung der "Albert-Fritz-Straße" in Heidelberg (1946), "Albert-Fritz-Weg" in Mannheim (1984) und der "Albert-Fritz-Straße" in Walldorf wieder. Ein Sandsteinfundament erinnert in Mannheim an den Widerstand der "Lechleiter-Gruppe", der Fritz angehörte. Seit 2012 gedenkt ein "Stolperstein" in Heidelberg dem gebürtigen Hornberger.

Eine Dauerausstellung im Landgericht Stuttgart informiert seit wenigen Monaten über die Opfer der NS-Justiz. Im alten Justizgebäude wurden mindestens 423 Todesurteile vollstreckt. Drei Stelen vor dem Landgericht Stuttgart erinnern an die 402 Männer und 21 Frauen, die von 1933 bis 1944 im nördlichen Lichthof durch das Fallbeil starben. 100 der zum Tode Verurteilten protestierten mit Flugschriften oder kritischen Äußerungen gegen die NS-Herrschaft.

Weitere Informationen: www.hdgbw.de/ausstellungen/ns-justiz

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat in Zusammenarbeit mit dem Oberlandesgericht und dem Landgericht Stuttgart die Dauerausstellung "NS-Justiz in Stuttgart" konzipiert und realisiert. Sie umfasst eine Dokumentation im ersten Obergeschoss des Landgerichts sowie Stelen auf dem Vorplatz des Gebäudes an der Urbanstraße 20 in Stuttgart.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Strafjustiz und die Radikalisierung der Urteils- und Hinrichtungspraxis zwischen 1933 bis 1945. Auf Grundlage der Recherchen der Familie Breithaupt berichtet der Schwabo in einem weiteren Artikel nicht nur über den Widerstandskämpfer Albert Fritz, sondern auch den Einsatz seiner Schwester, der Hornbergerin Emma Riehle (1896 bis 1971), für ihren Bruder.

Ihre Redaktion vor Ort Hornberg/Gutach

Lena Weimer

Fax: 07832 9752-15

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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