Fritz Stulz hat seinen großen Bus bereits im März 2020 abgemeldet.Foto: Kornfeld Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: Zwei von drei Bussen sind abgemeldet / Für Unternehmer Fritz Stulz ist Aufgeben keine Option

Die pandemiebedingte Durststrecke ist auch für die Busunternehmen sehr lang. Der Schwarzwälder Bote hat sich mit Fritz Stulz von der Firma Stulz-Touristik unterhalten.

Hornberg. "Es herrscht totale Flaute", beschreibt Fritz Stulz die Situation. Seit März 2020 sind sein großer Bus und ein Kleinbus abgemeldet. "Nur der kleine Bus, der eine Schülerlinie fährt, hält uns über Wasser", informiert der Unternehmer. Aber auch diese Einnahmen würden die Kosten nicht decken, die Umsätze seien in keiner Weise mit den früheren zu vergleichen.

25-jähriges Jubiläum steht unter keinem guten Stern

Im Juni hätte Stulz das 25 -jährige Firmenjubiläum gern gefeiert, aber er fragt sich, ob es unter einem guten Stern stehen wird. Er rechnet nicht damit, vor Ende des Jahres wieder den normalen Betrieb aufnehmen zu können. Selbst wenn es vorher entsprechende Lockerungen gibt, müssen einige andere Voraussetzungen erfüllt sein, um an das vorherige Niveau anknüpfen zu können.

Natürlich müssen die beiden abgemeldeten Busse zunächst durch den TÜV und wieder angemeldet werden. Und auch neues Personal ist nicht schnell zu finden. Stulz hatte zwei Aushilfskräfte, beide haben sich anders orientiert. Von heute auf morgen sind sie nicht zu ersetzen. Außerdem fehlen immer noch die klassischen touristischen Ziele, zu denen das Unternehmen die Gäste früher gebracht hat, wie beispielsweise Cannstatter Wasen, Oktoberfest oder Fußballspiele. Das waren beliebte Ziele auch für Vereine. Diese haben nach Stulz Ansicht jedoch zur Zeit sicher anderes zu tun als Touren zu planen, da bei ihnen viel ausgefallen ist in der vergangenen Zeit.

"Wir sind außerdem immer viel für die Industrie gefahren und haben internationale Gäste und Kunden von Firmen gefahren. Sie wurden vom Flughafen abgeholt, zum Hotel, zur Firma oder zu touristischen Zielen gebracht", informiert der Hornberger Busunternehmer. Daher sei er darauf angewiesen, "dass auch international oder zumindest in Europa alles wieder funktioniert".

Das Busunternehmen habe staatliche Hilfen bekommen, bestätigt Stulz, allerdings seien die Hilfen vom Bund teilweise ein "Wirrwarr". Die letzte November- und Dezemberhilfe sei Anfang April ausgezahlt worden. Das Land Baden-Württemberg habe jedoch schnell und umfangreich geholfen.

Irgendwie werde es weitergehen, sagt der Unternehmer: "Wir sind gezwungen, das auszusitzen". Ein Grund dafür ist auch der eingebrochene Markt für die Busse, es gibt ein Überangebot an Fahrzeugen. Produzierte Busse wurden den Herstellern nicht abgenommen und es werden viele Gebrauchte verkauft. Sein großer Bus habe einen Wert von 100 000 bis 150 000 Euro. "Wenn ich ihn verkaufen würde, hätte ich jedoch Glück, wenn ich 50 000 Euro bekäme" ist sich der Unternehmer sicher.

Trotzdem weiß er von keinem Kollegen in der Region, der seinen Betrieb aufgegeben hat.

Der Verband baden-württembergischer Omnibusunternehmer geht laut einem Schreiben an den Minister für Soziales und Integration, Manfred Lucha, vom 5. Mai davon aus, dass in Baden-Württemberg circa 280 mittelständische, familiengeführte Unternehmen betroffen sind. Der Verband hält laut dem Schreiben einen "baldigen Öffnungsschritt für Busreisen für notwendig".

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