Peter Rosenberger beim Jahresempfang in Horb. Er hofft, als Landrat in Esslingen vom dortigen Kreistag im Juli gewählt zu werden. Foto: Juergen Lueck /Juergen Lueck

Nach der Kommunalwahl am 9. Juni wird es spannend in Horb und Esslingen: Schafft es Peter Rosenberger (CDU), als Landrat in Esslingen gewählt zu werden? Freie Wähler-Fraktionschef: Wir stellen eigenen Kandidaten auf.

Wer die B 10 zwischen Deizisau und Stuttgart entlangfährt, sieht den Neubau des Landratsamts Esslingen am Neckarufer. Zieht hier bald Peter Rosenberger (CDU) – noch OB von Horb – in die Chefetage ein?

 

Auf dem Jahresempfang der Stadt Horb in der Hohenberghalle sprach Rosenberger schon von seinem letzten Arbeitstag. Und kündigte eine Abschiedsparty an, falls er zum Landrat in Esslingen gewählt wird.

Fakt ist: Die CDU-Fraktion im Kreistag Esslingen (derzeit 19 von 98 Sitzen) hat Peter Rosenberger einstimmig als Landrats-Kandidat nominiert. Fraktionschef Sieghart Friz (auch Bürgermeister in Unterensingen): „Uns war wichtig, jemanden zu präsentieren, der von außerhalb mit unverstelltem Blick unvoreingenommen die Probleme des Landkreises angeht, um diese zu lösen. Uns war auch wichtig, jemanden zu finden, der die Kommunalpolitik von der Pike auf in sich trägt. Rosenberger hat ein Alter (52, d. Red.), in dem er zwei Amtsperioden absolvieren könnte. Obwohl er CDU-Mann ist, zeigt seine Vita in Horb, dass er es auch versteht, Entscheidungen über Fraktionsgrenzen hin zu erreichen.“

Die frühe Bekanntmachung der Kandidatur von Peter Rosenberger sei sehr wichtig gewesen, so Friz – „auch für den Kandidaten.“

Grüne: „Rosenberger ist veritabler Kandidat“

Bei der Grünen-Fraktion hatte sich Rosenberger auch schon vorgestellt. Vize-Fraktionschefin Stefanie Reinhold: „Rosenberger ist ein veritabler Kandidat. Er bringt vieles mit, um die Nachfolge von Landrat Eininger antreten zu können. Nicht nur die Leitung einer großen Verwaltung, sondern auch seine Erfahrungen mit Kreissparkasse und Klinikum, was auch große Themen im Landkreis Esslingen sind. Das er ein CDU-Parteibuch hat, ist kein Fehler – wir leben in einer Parteiendemokratie und ich bewerte es positiv, wenn sich jemand zu einer Partei bekennt. Uns war ein Kandidat von außen wichtig. Wenn nach 24 Jahren Amtszeit von Landrat Einiger eine Perspektive von außen kommt, kann das dem im Landkreis gut tun.“

Esslingens Kreis-CDU hat ein „gutes Gefühl“ mit Rosenberger

CDU-Fraktionschef Friz: „Derzeit haben CDU und Grüne keine Mehrheit im Kreistag Esslingen. Ich habe aber ein gutes Gefühl, dass es Rosenberger schaffen könnte, aufgrund seiner Vita und seiner Ausstrahlung andere Fraktionen zu überzeugen.“

Doch wo soll eine Mehrheit für Peter Rosenberger herkommen? Friz: „Natürlich kennen wir das Kommunalwahlergebnis vom 9. Juni und die neue Sitzungsverteilung im Kreistag noch nicht. Ich gehe aber davon aus, dass es keine Fraktion alleine schafft, eigene Kandidaten durchzuboxen.“

Freie Wähler: „Wir stellen eigenen Kandidaten auf“

Die Freien Wähler sind mit derzeit 28 Sitzen die stärkste Fraktion im Kreistag Esslingen. Und die will es richtig spannend machen. Horbs OB Rosenberger: „Als ich bei den Freien Wählern angefragt hatte, hieß es: Wir haben noch keinen Kandidaten. Wir wollen erst mit Ihnen sprechen, wenn wir einen eigenen Kandidaten haben. Das finde ich skurril.“

FW-Fraktionschef Bernhard Richter sagt dieser Redaktion: „Wir sind derzeit die stärkste Gruppe im Kreistag. Deshalb ist es normal, dass wir einen eigenen Kandidaten für den Landrat aufstellen.“ Dabei stehen zwei Kandidaten auf der FW-Liste: Thomas Mathros (48, Bürgermeister Deizisau) oder Marcel Musolf (38, Bürgermeister Bissingen).

Freie Wähler: „Rosenberger nicht so überwältigend“

Richter: „Ich kenne Peter Rosenberger nicht. Er ist nicht so der überwältigende Kandidat, das wir ihm bedingungslos folgen.“

Rosenberger zu unterstützen, sei für die Freien Wähler derzeit noch keine Option. Nicht nur, weil sich CDU und Grüne schon frühzeitig auf Rosenberger festgelegt haben, wie Richter sagt.

Der FW-Fraktionschef: „Man muss wissen, dass CDU und Grüne gemeinsam mit dem Landrat Eininger (CDU) in den letzten Jahren immer für die Erhöhung der Kreisumlage gestimmt haben. Freie Wähler, SPD und FDP konnten die Kreisumlage immer mehrheitlich senken.“

Deshalb sei für Rosenberger laut Richter „unsere Fraktion die größte Hürde.“

Der Anspruch der Freien Wähler im Landkreis Esslingen, so der Fraktionschef: „Unsere Meinung ist: Wenn wir einen Wechsel an der Spitze haben, sollte es auch ein Generationswechsel sein. Der Landkreis Esslingen ist von der Transformation betroffen. Viele Metall- und Automobilindustrie, der Flughafen. Da braucht es einen Kandidaten, der diese schwierige Herausforderung – auch in der Verwaltung – annimmt. Und bereit ist, dort etwas neues aufzubauen.“

Rosenberger: „Bemerkenswert, was man über mich sagt“

Jetzt kontert Peter Rosenberger (CDU): „Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, was Bernhard Richter über mich gesagt hat, ohne mich zu kennen.“

Er betont, dass er als Horber Leiter der Rathausverwaltung Chef von 500 Mitarbeitern ist. In der Riege der möglichen bisherigen Bewerber sei das ein Argument. Horb als große Kreisstadt sei „nicht einfach. Ich bin hohen Seegang gewohnt.“

Freie-Wähler Fraktionschef Bernhard Richter hält dagegen: „Meine Kernstadt ist größer als die von Horb. Der Landkreis ist mit 1100 Einwohnern pro Quadratkilometer viel dichter besiedelt als Horb. Daraus ergeben sich ganz andere Grundvoraussetzungen.“

Rosenberger dagegen sagt, er habe auch schon bei SPD und FDP vorgefühlt. Rosenberger: „Die SPD möchte sich noch nicht festlegen, ebenso wie die FDP. Nach den Kreistagswahlen werde ich erneut Gespräche mit allen Fraktionen suchen.“

Welche Chancen sieht Rosenberger, Landrat in Esslingen zu werden?

Horbs OB: „Es wird natürlich spannend. Es gibt nie eine hundert Prozent Sicherheit. Dessen bin ich mir bewusst. Das wird eine riesige Herausforderung für mich. Aber ich bin in einem Alter, wo ich noch zwei Amtsperioden als Landrat machen möchte.“

Was passiert, wenn Peter Rosenberger am 26. Juli von der Mehrheit des Kreistags in Esslingen zum neuen Landrat gewählt wird?

Rosenberger: „Der Gemeinderat würde dann festlegen, wann es eine OB-Wahl in Horb durch die Bürger geben wird. Das dürfte noch in diesem Jahr sein.“