Wie sich Horb in den kommenden Jahren entwickeln soll, erzählt OB Keßler im Interview mit unserer Redaktion. Foto: Daniel Begemann

So will das Stadtoberhaupt von Horb die wichtigsten Zukunftsthemen angehen: Kernstadt, Fruchtkasten, Bosch-Rexroth, Ritterspiele und die Gesundheitsversorgung.

Das ist ein Traum der Großen Kreisstadt: Wenn die Hochbrücke fertig ist, soll der Kernstadtumbau schon begonnen haben. Oberbürgermeister Michael Keßler und Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP) sagen, wie es dieses Jahr mit den wichtigsten Projekten weiter geht.

 

Wann soll die Entscheidung fallen?

Keßler: Ich möchte die Entscheidung zum Start des Stadtumbaus noch im ersten Quartal hinbekommen. Derzeit ermitteln wir die Kosten für das, was unter der Straße liegt. Oberhalb ist das relativ einfach. Zusätzlich gehen beide Brücken durch die Abstufung der Bundesstraße ins Eigentum der Stadt über. Wir bekommen dafür Geld. Diese Zahlen fehlen uns gerade noch, um dem Gemeinderat fundierte Zahlen für die Entscheidung vorlegen zu können.

Wird zur Entscheidung auch das Umbaukonzept Fruchtkasten stehen?

Keßler: Wir werden den Innenstadtumbau nicht abhängig machen vom Fortschritt beim Fruchtkasten. Das Konzept ist so angelegt, dass der Fruchtkasten isoliert vom Kernstadtumbau funktioniert. Ich freue mich schon auf die von Peter Rosenberger versprochene Bürgerbegehung – derzeit ist es dafür aber schlicht zu kalt.

Die Weststadt. Die Sporthalle soll kommen. Was ist mit Bosch-Rexroth?

Keßler: Beim Rahmenplan Weststadt konnten wir das Stadion ein Stück weit auf Eis legen. Bosch-Rexroth sagte: Wie nehmen Geschwindigkeit raus. Wir sind aber so synchron, dass wir immer mitspringen können.

Was ist mit dem Sportstättenkonzept?

Keßler: Prioritär ist die Halle. Bezüglich der Sportstätten haben wir momentan keinen Zeitdruck. Der FC Horb kann seinen Sportbetrieb im Stadion darstellen.

Kommunale Infrastruktur. Die Straßen kosten 4 Mio. Euro jährlich, so die Berechnung. Wird daran gespart?

Keßler: Ziel ist, so viel wie möglich Unterhaltungsmittel in die Straßen zu stecken. Es gibt einen großen Konsens, die Zentralisierung der Sanierungen anzugehen – der geht bis in die Ortschaftsräte.

Zimmermann: Durch die Straßen- und Tiefbau GmbH haben wir im letzten Jahr Sanierungen im Wert zwischen 1,8 und 2 Millionen Euro durchführen können. Dabei haben wir 19 Prozent Mehrwertsteuer gespart. Durch die Koordination mit Maßnahmen der Stadtwerke haben wir das optimiert.

Keßler: Wir haben mehr als 4 Millionen Euro in die Unterhaltung von Straßen gesteckt. Nimmt man die Stadtwerke-Maßnahmen dazu, sind es sogar noch mehr.

Zimmermann: Wir haben das Unternehmen vom leitungsgebundenen Tiefbau zu einem Straßenbauunternehmen schon ordentlich entwickelt. Inzwischen können wir größere Straßen über 200 Meter am Stück von der Straßen- und Tiefbau GmbH machen lassen. Das haben wir im letzten Jahr bewiesen.

Asprion schlug vor, die Parkhäuser über den Haushalt zu finanzieren und nicht über die Wassergebühr…

Keßler: Der Gemeinderat beschloss dazu, dass die Verwaltung einen Finanzierungsvorschlag machen soll. Allerdings, wenn das käme, müsste der Abmangel in Höhe von 100.000 Euro im Haushalt irgendwo abgebildet werden. Im Zweifelsfall müsste das Geld dann an anderer Stelle im Haushalt eingespart werden.

Feste und Ritterspiele – kann da noch gespart werden?

Keßler: Wir werden die Zahlen im Gemeinderat zu den Ritterspielen präsentieren. Die Tendenz ist hier: Die Ritterspiele sind ein ganz wertvolles Marketing für Horb – und der Vorschlag ist, sie positiv zu entwickeln. Das ist unser Wunsch.

Wie hoch ist der städtische Zuschuss? Zu Zeiten von mps waren es zuletzt 40.000 Euro…

Keßler: Wenn wir Inflation und Kostensteigerung anschauen – da reichen 40.000 Euro nicht. Aber: Gastronomie und Hotellerie in Horb macht in diesem Zeitraum einen ordentlichen Umsatz.

Zimmermann: Damit tragen die Ritterspiele dazu bei, dass unsere Bürger die Gastro unter dem Jahr auch genießen können.

Wie geht es mit den Festen weiter?

Keßler: Bei den Stadtfesten sind wir weiter dran, zu optimieren. Das Stadtmarketing ist da echt kreativ. Beim Horber Advent hat man nichts vermisst, finde ich.

Zimmermann: Beim Horber Advent konnte man sehen, wie gut es ist, die Ehrenamtlichen und Ortsteile mit einzubeziehen. Das tut unserer Stadt brutal gut. Und das stärkt das von Michael Keßler so favorisierte Zusammengehörigkeitsgefühl.

Wie sehen Sie die Zukunft der Geriatrischen Reha und die Arztversorgung in Horb?

Keßler: Die geriatrische Reha in Horb ist zunächst einmal aus der Diskussion raus. Beim Thema Ärzteversorgung begleiten wir immer, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Wie beim Ärztehaus in Dettingen. Wir versuchen, das Umfeld so zu gestalten, dass ein Arzt in Horb gerne praktizieren und bleiben will. Wir tun uns aber schwer mit der Akquise – bei der Kampagne Xundmacher für neue Kinderärzte hat sich kein Arzt gemeldet.

Gründet die Stadt ein kommunales MVZ, um über den Kauf von Arztsitzen die Versorgung zu verbessern?

Keßler: Ich glaube, das ist nicht unsere Kernkompetenz. Seien wir ehrlich: dazu ist Horb ein Stück weit zu klein. Wir sehen unsere Expertise derzeit darin nicht. Momentan sehen wir uns nicht als Betreiber von einem MVZ. Was in fünf Jahren ist – wenn viele Ärzte offiziell im Ruhestand-Alter sind – das wissen wir alle nicht.