Freundliches Lächeln und kurzes Hemd mit Krawatte - so kennt man Georg Neumann in allen Lebenslagen. Foto: Morlok

Mit Georg Neumann verlässt ein Kapitän das MGG-Schiff, auf dem er nach dem Motto "Miteinander geht’s gut" 33 Jahre lang alle Klippen des Schulalltages umsegelt hat.

Horb - Neumann hat es auf seine ganz besondere Art geschafft, das ihm anvertraute Boot nicht einmal hart gegen eine Hafenmauer krachen zu lassen. Auch dann nicht, wenn die Stürme, gegen die es anzukämpfen galt, solch sperrige Namen wie "Schulfördermittelstreichung", "Personaleinsparung" oder zuletzt "Corona" trugen.

Humor und Gottvertrauen

Mit dem ihm eigenen Humor und viel Gottvertrauen hat er sein seelisches Gleichgewicht immer auf dem richtigen Level gehalten, und wenn’s mal ganz schlimm kam, ist er zum Bäcker Saur gefahren und hat sich eine Rosinen-Schneckennudel gekauft – und die Welt war wieder in Ordnung.

Geboren wurde er 1957 in der Handballstadt Gummersbach als ältester Sohn eines Schuhmachers und späteren Musterwebers und einer Näherin und Hausfrau.

"Ich wusste schon als Kind, dass ich später etwas mit Zahlen machen wollte", erinnerte sich der Diplom-Mathematiker im persönlichen Gespräch mit unserer Zeitung. "Vielleicht kam das daher, dass mein Vater immer zu mir sagte, wenn du den Kreis berechnen willst, dann musst du den mit dreieinviertel Hundertstel teilen. So hat er mir unbewusst die Kreiszahl Pi beigebracht."

Vermesser bei der Bundeswehr

Also war der Weg des jungen Georg Neumann, der noch einen jüngeren Bruder hat, vorgezeichnet. Die Schule und das Abi machte er noch in Gummersbach, dann zog ihn die Bundeswehr zum Wehrdienst ein, den er als Vermesser (auch was mit Zahlen) ableistete, bevor er ins rund 60 Kilometer entfernte Köln zog, wo er an der dortigen Uni Mathematik und Physik auf Lehramt studierte. "Mathe-Lehrer werden immer gebraucht", hieß es damals, doch das war, auf Neudeutsch, eine Fake-News, weshalb der schlaue Studius Neumann zweigleisig fuhr und parallel ein Diplom-Studium, das er dann 1983 bis 1984 abschloss, dranhängte.

Bereits 1980 lernte er seinen Frau Margrit, eine Lehrerin, die beim Schulamt Balingen angestellt war, bei einer christlichen Freizeit kennen und lieben. Beide wohnten seinerzeit in Gummersbach, wo der angehende Mathe-Lehrer auch sein Referendariat machte. Mitten in dieser Zeit wurde Georg Neumann von einem seiner früheren Professoren angesprochen, ob er nicht vielleicht eine Stelle bei einer Kölner Rückversicherung annehmen wolle, die einen Mathematiker suche, der unter anderem Modellberechnung erstellen könne, wie sich der neue Aids-Virus auf eventuelle Schadensfälle, die auf die Versicherung zukommen, auswirken könne.

Umzug nach Baden-Württemberg

Der inzwischen zweifache Papa Georg musste nicht lange überlegen, zumal die Stelle gut bezahlt war und kleine Kinder bekanntlich eine Stange Geld kosten und nahm die Stelle, die er von 1986 bis 1989 innehatte, an.

Doch die tägliche Pendelei zwischen Gummersbach und Köln, die beengten Wohnverhältnissen und das Heimweh seiner Frau nach dem Ländle gaben dann den Ausschlag, dass sich die rheinische Frohnatur in die rauen Gefilde von Baden-Württemberg traute. Margrit Neumann konnte wieder zurück in den Schuldienst im Raum Balingen und für Georg bot sich die Stelle am Horber MGG an.

Was er daraus machte, das wurde von Freunden, Weggefährten und Mitarbeitern bei seiner Abschlussfeier am Montag, 18. Juli mehr als ausführlich gelobt.

Man lobte ihn als guten Menschen, der an zwei unterschiedlichen Orten gleichzeitig vier Aufgaben erledigt, ohne dabei zu schwitzen.

Und manchmal hatte man den Eindruck, dass der Netzwerker und immer freundlichen Schulrektor dies wirklich konnte. Nichts war ihm zu banal um sich nicht selbst darum zu kümmern.

Glaube gibt Kraft

Doch Schule allein reichte dem Mann nicht, der 13 Jahre lang "nur" Mathe-Lehrer in Horb war, dann zehn Jahre der zweite Mann hinter seinen Vorgängern Wolfgang Schmid und Gerd Igney und die letzten zehn Jahre das Ruder selbst in der Hand hielt.

"Mein christlicher Glaube war mir immer wichtig – von der Jugendarbeit im CVJM bis heute in der evangelischen Kirchengemeinde an meinem neuen Heimatort Empfingen", fasste er zusammen und begründete damit, warum er seit 2002 als stellvertretender Kirchengemeinderatsvorsitzender und im Kirchensprengel, zu dem drei weitere Bezirke gehören, in der gleichen Funktion ehrenamtlich aktiv ist.

Dank vom Lions Club

Auch im Lions Club Horb-Sulz fand er eine ehrenamtliche Heimat, in der er sein Organisationstalent einbringen kann. Hier ist er für 99 Clubs in der Region Stuttgart Tübingen Ansprechpartner für Lions-Quest, ein effektives Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm für junge Menschen, das er natürlich auch an sein MGG gebracht hatte. Für dieses herausragende Engagement bekam er dieser Tage von Gabi Hailer, der bisherigen District Governor Mitte Süd, den "Melvin Jones Fellowship Award", die höchste Auszeichnung, die ein District Governor vergeben kann.

Und da ist noch die Familie, die dem Familienmensch Georg Neumann, der inzwischen dreifacher Opa ist und selbst drei erwachsene Töchter hat, super wichtig ist. Im Keller steht auch sein Treckingrad, mit dem er im Jahr mindestens 2000 Kilometer unterwegs ist – 1000 hat er dieses Jahr schon – und das er gerne mit seiner Frau auf ausgedehnten Radtouren nutzt und, und, und.

Langweilig wird es dem Neu-Pensionär auf gar keinen Fall, das hat er schon bei seiner Abschiedsrede angekündigt.

Er bügelt die Hemden selbst

Und zum Abschluss des Gespräches verriet er auch das Geheimnis seines Markenzeichens, dem Hemd mit den kurzen Ärmeln, dass er Sommer wie Winter trägt. "Ich bügle meine Hemden selbst, und da ist es praktisch, wenn ich nicht so viel Stoff bügeln muss. Und außerdem mag ich keine Hemden mit langen Ärmeln."

So ist er, der Mann, der sich nach nur 33 Jahren an das herzliche und gemütliche Leben in Baden-Württemberg gewöhnt hat und hier nicht mehr wegwill.

Übrigens, seine Stelle im MGG wird im kommenden Schuljahr unbesetzt bleiben. Es habe sich niemand darauf gemeldet, war zu hören, und sein bisheriger Stellvertreter Volker Offenhäuser übernimmt kommissarisch das Ruder von Kapitän Neumann.