Sie wollen verhindern, dass die Gäubahn in Stuttgart unterbrochen wird (von links): IG-Gäubahn Vize-Vorstand Peter Rosenberger, Jura-Professor Georg Hermes, Böblingens OB Stefan Belz und Singens Stadtoberhaupt Bernd Häusler. Foto: Lück

Vielleicht kommt es nicht dazu, dass Gäubahn-Nutzer in Vaihingen umsteigen müssen. Laut OB Rosenberger deutet sich bis 2035 eine andere Lösung an.

Horb/Böblingen/Stuttgart - "Eine Drohkulisse für die DB Netz AG aufzubauen, ist für die Gäubahn-Anrainer-Kommunen relativ einfach." Das sagt Georg Hermes, Juraprofessor aus Frankfurt. Mit der Erzwingung eines Stilllegungsverfahrens für die Panoramabahn könnte die Weiterfahrt der Gäubahn bis Stuttgart Hauptbahnshof durchgesetzt werden.

Das war ein mit Spannung erwarteter Termin: Sieben Oberbürgermeister der Gäubahn-Anlieger – Böblingen, Rottweil, Singen, Tuttlingen, Villingen-Schwenningen, Horb und Herrenberg – haben ein Rechtsgutachten erstellen lassen. Der Grund, so Singens OB Bernd Häusler: "Es droht eine jahrelange Kappung der Gäubahn. Ob sie 10, 12, 15 Jahre dauert, kann heute niemand sagen. Das wäre eine schreiende Ungerechtigkeit für unsere Bürger, die Wirtschaft."

Die Rolle der Panoramabahn

In dem 14-seitigen Gutachten kommt Georg Hermes zum Ergebnis: "Die Kommunen haben schon eine ›wehrhafte Rechtsposition‹. Allerdings nur, in dem sie ein Stilllegungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt (Eba) erzwingen würden." Hermes: "Im ersten Schritt würde es reichen, wenn die Kommunen einen Zweckverband bilden. Im zweiten Schritt müssten sie dann ein Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen finden, welches die Panormabahn betreibt." Klartext: Einen Dienstleister, der die Schienen der Panoramabahn weiter betreibt. Laut Hermes wären die Kosten nicht so hoch.

Böblingens OB Stefan Belz: "Wir haben schon zwei Zweckverbände im Landkreis. Die Schönbuchbahn und die Hermann-Hesse Bahn." Hermes: "Es wäre natürlich peinlich für die DB Netz AG, wenn ein kommunaler Betreiber diese Strecke übernehmen würde." Züge und Loks könnte das Land dann bestellen.

Das Ergebnis der Gutachtens – für die Kommunen ermutigend. Böblingens OB Stefan Belz: "Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. In der gesamten Gesetzgebung gibt es keinen Anspruch der Kommunen, für ihre Bürger und die Wirtschaft direkte Zugverbindungen durchzusetzen."

Kommunen setzen auf weitere Gespräche

Die Kommunen setzen jetzt auf weitere politische Gespräche. Gutachter Georg Hermes: "Der erste Ansprechpartner ist der Bund. Ihm gehört die Deutsche Bahn zu hundert Prozent."

Und damit kommt Michael Theurer, parlamentarischer Schienen-Staatssekretär, Ex-OB von Horb ins Spiel. Sein Nachfolger Peter Rosenberger, auch Vize-Vorstand des Interessenverbands Gäubahn: "Wir sind schon in Gesprächen. Er hatte angekündigt, eine Konferenz für die Gäubahn-Anrainer zu machen. In seiner alten Heimatstadt."

Gibt es einen Dissens innerhalb des Interessenverbands Gäubahn? Die Stadt Stuttgart, so bestätigt Böblingens OB Belz, hatte sich seit 2019 strikt geweigert, eine Fortführung der Gäubahn/Panormabahngleise bis zum Hauptbahnhof zu dulden. Grund: Auf dem Gleisvorfeld soll das Rosensteinviertel entstehen. Belz: "Inzwischen ist Bewegung in die Sache gekommen. Der dortige Gemeinderat entscheidet demnächst, wie es damit weitergeht."

Zeitvorteil durch den Bau-Ablauf?

IVG-Vize Rosenberger: "Da die Stadt Stuttgart inzwischen selbst gesagt hat, dass sie vor 2035 das Gleisvorfeld gar nicht abgeräumt hat, hoffen wir natürlich auf eine ideale Lösung: Dass der neue Pfaffensteigtunnel bis dahin fertig ist und so lange die Gäubahn bis zum Hauptbahnhof fährt. Insofern glaube ich, dass wir diesen Dissens innerhalb des Interessenverbandes nicht mehr haben. Oder bald nicht mehr haben werden."

Laut einem Gutachten der Deutschen Bahn würde eine eingleisige Fortführung der Gäubahn statt dem Umstieg in Vaihingen gut 1,5 Mio. Euro kosten. Böblingens OB Belz: "Im Juli trifft sich der Lenkungskreis zu Stuttgart 21 erneut. Wir hoffen, dass auch dort unserer Argumente von den Projektpartner wahrgenommen werden."