Der Mühlkanal hat derzeit ein Algenproblem. Foto: Schülke

Viele Gewässer leiden derzeit unter der Trockenheit. Beim Mühlkanal kommt noch ein anderes Problem dazu: Das Algenwachstum.

Horb - Das Schlimmste hat der Kanal wohl hinter sich. Denn das Wetter wird langsam kühler und die letzten Regenfälle haben, so spärlich sie auch waren, dem Gewässer etwas Erfrischung spendiert. Vor zwei Wochen allerdings sah der Kanal eher aus wie das Becken einer Kläranlage: Dicke Algenpolster, teils mit schimmligem Belag, und braune Schlieren schwammen im Wasser, das sich kaum bewegte.

 

Nicht mal die allgegenwärtigen Enten und Blesshühner schwammen mehr im Kanal. Vor dem oberen der kleinen Mühlkraftwerke am Flößerwasen bildete sich auf der Wasseroberfläche eine dichte hellgrüne Schicht von Bewuchs.

Problem ist nicht neu

Bereits in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Sommer, in denen der Algenbewuchs im Mühlkanal zunahm. Das hatte nicht nur klimabedingte Gründe: Seit der Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks auf der Inselspitze im Jahr 2011 wird weniger Neckarwasser in den Mühlkanal geleitet, denn die Turbine befindet sich in etwa auf Höhe des Klappwehres, während die alten Mühlkraftwerke weiter unten am Kanal liegen.

Doch seit etwa zwei Jahren kommt noch weniger Wasser durch, denn die Klappen des Wehrs am Neckar mussten zur Reparatur ausgebaut werden. Eine von ihnen wurde im vergangenen Juli wieder eingesetzt, die zweite soll in den nächsten Tagen folgen.

Im Rathaus ist der Zustand des Mühlkanals bekannt. Konkrete Gegenmaßnahmen sind nicht geplant. "Der Mühlkanal weist baustellenbedingt wegen der Sanierung der Wehrklappen am Neckarwehr derzeit einen niedrigen Wasserstand auf", teilt die Presseabteilung mit. "Hinzu kommt noch die Verdunstung durch die sehr hohen Temperaturen in diesem Sommer und den fast nicht vorhandenen Regen."

Kein "Durchspülen" möglich

Manchmal wurde der Kanal in den vergangenen Jahren abgelassen, zum Beispiel, wenn Bauarbeiten in Ufernähe notwendig waren. Könnte das Gewässer also abgelassen und mal richtig "durchgespült" werden? Die Stadt sagt dazu: "Ein ›Durchspülen‹ ist aufgrund des ebenfalls im Neckar vorherrschenden Niedrigwassers nicht sinnvoll möglich."

Die Hoffnung der Stadtverwaltung und sicher auch einiger Anlieger des Mühlkanals, dass ein paar Regenfälle zur Entspannung der Lage beitragen, hat sich in den vergangenen Tagen zumindest teilweise erfüllt. Denn einige der Algenkissen und braunen Schlieren sind tatsächlich verschwunden.

Allerdings hält sich der hartnäckige grüne Teppich vor und hinter dem kleinen Kraftwerk bei der Rettenmeierschen Mühle.

Im Herbst sollen nach der Einsetzung der zweiten Wehrklappe die Arbeiten an der Anlage weitergehen. Die Stadt rechnet damit, dass sie Ende des Jahres fertig sind. Dann könnte vielleicht auch das dritte der kleinen Kraftwerke am Mühlkanal in Betrieb gehen: Die bereits 2020 fertiggestellte Lamellenturbine beim Marmorwerk.

Warum könne Algen gefährlich werden?

Algen sind niedere, meist im Wasser lebende pflanzliche Organismen, die als Einzeller oder als Mehrzeller organisiert sind. Der Name "Alge" ist eine umgangssprachliche, nicht biologische Bezeichnung.

Algen benötigen nicht viel zum Leben. Nährstoffe aus dem Wasser wie Phosphat und Nitrat, vor allem aber genügend Sonnenlicht reichen ihnen. Ein Typ von Algen sind die Fadenalgen, welche sich im Teich bei Nährstoffüberangebot und seichtem Wasser gerne ausbreiten und zur Plage werden. Andere Algen ähneln richtigen Pflanzen, da sie einen Stiel und Blätter zu haben scheinen und im Boden verwurzelt sind.

Die filamentösen Formen (Fadenalgen) und das Plankton haben eine gigantische Vermehrungsrate, und ihr plötzliches Absterben kann einen Sauerstoffmangel verursachen. Der für die Fische in Teichen und Seen benötigte Sauerstoff kann durch andere Wasserpflanzen im Wasserbecken bereitgestellt werden, die ohne die Konkurrenz mit den Algen gedeihen würden. Algenprobleme werden gewöhnlich durch ein Überangebot an Nährstoffen (Nitrate und Phosphate) im Wasser verursacht. Das abgeleitete Wasser von fruchtbaren Feldern, Wiesen und Weiden, Futtergründen, Desinfizierungstanks und Bewässerungsfeldern beschleunigt die Anreicherung und das Wachstum von Algen.

Exzessives Algenwachstum wird andere Formen von Wasserpflanzen verkümmern lassen oder unterdrücken. Zudem wird das für ein normales Wachstum notwendige Sonnenlicht abgeblockt. Filamentöse und makrophytische Algen bilden oftmals dichte Gewächse, die das Fischen, Schwimmen und andere Freizeitaktivitäten fast unmöglich machen.