Monika Fuhl, Mühringens langjährige Ortsvorsteherin, lässt sich von ihrer schweren Krankheit nicht entmutigen – im Gegenteil.
Mühringens langjährige Ortsvorsteherin, die für ihren Ort mehr als nur eine Durchfahrtsstraße erreicht hat, wurde in den letzten Jahren vom Schicksal sehr herausgefordert.
Zuerst kam die Diagnose Brustkrebs. Die erhielt 2022 – vier Monate, bevor sie mit 66 Jahren in Rente ging. „Einfach so, ohne Vorwarnung und mit so einer Diagnose stehst du wie vor einer Wand, einem riesigen Berg, und du hast keine Ahnung, wie du das alles bewältigen sollst“, sagt die dreifache Mutter und zweifache Oma im persönlichen Gespräch.
Was kam, war eine Odyssee durch die Instanzen der Krankenhauswelt. Die Brust wurde amputiert, die Lymphdrüsen wurden entfernt, dazu kamen Chemo und Bestrahlung. „Am Schluss bin ich mir im Uni-Klinikum Tübingen nur noch wie eine Nummer vorgekommen. Dort war ich nicht mehr die Monika Fuhl, sondern die Nummer 123, an der überarbeitete Ärzte, die teils schon 16 Stunden auf dem Buckel hatten, herumdokterten.“
Zeit der Unsicherheit
Jedoch mit Erfolg. Es schien, als hätte sie den Krebs besiegt. Doch er kam zurück und befiel die Lunge. „BRCA2“, sagt Fuhl. „Der Aggressive.“ Sie wechselte das Krankenhaus, ist aktuell in einer kleinen Klink bei Freiburg, dem St.-Josefs-Krankenhaus in Behandlung. Drei Chemo-Zyklen waren angesetzt und zeigten wiederum Erfolg.
„Aktuell geht es mir gesundheitlich recht gut“, sagt die Mühringerin, die in diesem Jahr 70 Jahre jung wird und sich selbst recht gut zu helfen weiß.
Ihr Wissen samt ihrer Erfahrung, die sie durch die Krankheit, aber auch durch ihr langes Berufsleben und ihr kommunalpolitisches Engagement sammeln konnte, gibt sie weiter.
Beim VdK-Kreisverband Freudenstadt ist sie seit einiger Zeit als ehrenamtliche Wohnberaterin aktiv. „In meinem Berufsleben habe ich alte, zum Teil denkmalgeschützte Gebäude modernisiert, Scheunen zu Wohnungen umgebaut und dabei alle Techniken, von der Schreinerei über den Treppenbau bis zum Errichten von Mauern, schon mal eigenhändig ausgeführt.“ Ein hölzernes Kästchen, das sie vor vielen Jahren selbst geschreinert hat, zeugt von ihrem handwerklichen Geschick.
Fuhl, die Praktikerin
Als Bauleiterin beim Architekturbüro Häfele in Tübingen hat sie diese Fähigkeiten erfolgreich eingesetzt. Nun biete sie ihr Wissen kostenlos den Leuten an, die sie nach Lösungen fragen. „Wie bekomme ich ein behindertengerechtes Bad in eine Altbauwohnung?“ – ein Problem, mit dem sie oft konfrontiert wird. „Hier muss man praxisorientierte Lösungen finden, nicht nach Schema F vorgehen. Oft reichen eine wasserdichte Tür und ein Duschstuhl, und gut ist’s“, macht sie deutlich. „Wenn man hier nach DIN vorgehen würde, das wäre irre. Da sind schnell mal 40 000 Euro verbaut, und oft ist das technisch gar nicht machbar – da muss man halt von hinten über die Schulter ums Eck denken und Alternativen finden“, so ihre pragmatische Herangehensweise.
Schonungslos ehrlich
Monika Fuhl möchte anderen mit ihrer Lebenserfahrung, manchmal auch mit schonungsloser Ehrlichkeit, helfen, sich nicht ins Schneckenhaus der Hoffnungslosigkeit zurückzuziehen. Sie möchte ihnen zeigen, was sie selbst tun können.
Um möglichst viele Menschen zu erreichen, plant sie größere Veranstaltungen. „Kürzlich habe ich das in Grömbach gemacht – die Halle war voll, denn die Sozialdienste sind oft überfordert und können die Leute nicht mehr richtig beraten“, sagt sie aus Erfahrung. Doch ihr soziales Engagement muss nicht immer nur im Großen sein. „Ich habe in letzter Zeit wieder deutlich mitbekommen, wie schlecht es älteren Menschen geht, insbesondre dann, wenn sie einsam sind. Aus diesem Grund möchte ich mit ein paar Mitstreiterinnen hier in Mühringen über die Wintermonate – von Oktober bis Ende März – einmal die Woche ein warmes Mittagessen anbieten“, verrät sie einen ihrer Zukunftspläne, an dessen Realisierung sie schon aktiv arbeitet.
„Es geht mir gut“
Für Monika Fuhl, die Kämpferin, ist es jeder noch so kleine Schritt eine Art Sieg. So sieht sie auch die Ergebnisse ihres neuesten Hobbys. „Durch die viele Chemos sind mir die Nerven in den Händen zurückgegangen – jetzt töpfere ich dagegen an“, sagt sie und zeigt einige der von ihr selbst getöpferten Kunstwerke. „Und auch dabei geht es mir gut.“
Hilfe zur Selbsthilfe
Welche Hilfe kann man erwarten?
Was kann ich im Krankheitsfall beantragen? Wo bekomme ich einen Behindertenausweis her? Wie kann ich meinen Behinderungsgrad feststellen? Wie viel Zuschuss kann ich bei welchem Behinderungsgrad bekommen? Wie kann ich mein Haus, meine Wohnung, behindertengerecht gestalten? Dies alles sind Fragen, mit denen die Betroffenen oft schon überfordert sind.
Selbstbestimmt leben
„Gerade ältere Menschen und Kinder können sich kaum wehren – also streicht man dort zuerst die Leistungen“, regt sich Monika Fuhl auf, die betont, dass man, speziell bei der Wohnberatung, kein VdK-Mitglied sein muss. Sie hat im Laufe der Zeit festgestellt, je selbstbestimmter sich die Menschen nach einer schweren Erkrankung egal welcher Art, wieder in den eigene vier Wänden bewegen können, je besser geht es ihn physisch und mental und das Selbstwertgefühl steigt. „Das bekomme ich oft nach der Wohnberatung mit. Die Leute sind dankbar, dass sie durch ein paar kleine Umbauten oder auch nur Tipps wieder vieles selbst machen können“, lautet eine ihrer Erfahrungen.
Behindertengerechter Städtebau
: Auch dafür setzt sich Monika Fuhl ein und nennt das Beispiel Freudenstadt. „Dort gibt es vor fast allen Geschäften rund um den Marktplatz Treppen. Die Eingänge wurden früher, wegen der großen Schneemassen im Schwarzwald, höher gesetzt. Doch für einen Rollstuhlfahrer oder gehbehinderten Menschen stellen sie jetzt ein nahezu unüberwindbares Hindernis dar“. Hier möchte sie Abhilfe schaffen. „Wenn sich einige Ladenbesitzer zusammentun und eine Hub-Plattform anschaffen, wäre dieses Problem gelöst“, lautet ihr Ansatz, den sie vielleicht mit den Handelsverbänden der Städte besprechen will.
Anlaufstelle für mehr Informationen:
„Wer sich umfassend über alle Hilfsmittel, die ein selbstbestimmtes Leben möglich machen informieren möchte, der kann dies im LebensPhasenHaus, einem Projekt der Uni-Tübingen, in der Tübinger Rosenau tun und bei rechtzeitiger Anmeldung ist auch eine Führung möglich“, so ihr abschließender Tipp.