Volkmar Rieber weiß seit Jahrzehnten um die Besonderheiten des Waldgebiets Großer Hau. Foto: Maria Hopp

Horbs prominentester Naturschützer Volkmar Rieber reagiert mit Empörung auf die Äußerung des Horber Ex-OBs Peter Rosenberger.

Volkmar Rieber, Ehrenvorsitzender des Nabu Horb und seit Jahrzehnten aktiver Naturschützer, ärgert sich über eine Aussage von Ex-OB Peter Rosenberger, der sich zu möglichen Windrädern im Großen Hau geäußert hatte.

 

In seiner Funktion als Regionalrat sagte Rosenberger im Vorfeld der Abstimmung vom 4. Februar im Regionalverband: „Der Landes-Nabu hat damals die Pläne für den Großen Hau begrüßt. Im aktuellen Verfahren hat er die Leitlinien für Natur- und Artenschutz für die Planung erarbeitet. Und jetzt kommt wieder – mit Verlaub gesagt – die Milan-Masche. Dabei sind das nur Transitvögel.“

Das Nein von 2012

Rieber entgegnet: „Wenn schon Milan-Masche, dann auch die Rosenberger-Masche.“ Der Naturschützer erinnert an den früheren Konflikt um die Windkraft im Großen Hau: „2012 beim Kampf das erste Nabu-Nein zum Windradeinbau. Banges Warten. Von allen Naturschutzbehörden inklusive der Regierung von Baden-Württemberg ein Nein! Die solide Begründung im Nabu-Gutachten auf wissenschaftlicher Basis hatte sich durch ihre klare Verifizierbarkeit stark von dem Gutachten der Stadt unterschieden. Jubel weit hinaus über die Große-Hau-Kenner und -Kämpfer. Dann große Ernüchterung: Der Regionalverband hatte es fertiggebracht, den Großen Hau trotz der Absage durch die Regierung im Gebietsplan für Windkraft zu lassen. Warum dies geschehen konnte, blieb absolut im Dunkeln.“

Der Große Hau ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, das von Waldwegen durchzogen ist. Foto: Maria Hopp

Dies aber sei, so Rieber, „sicher nicht zum Leidwesen unseres ehemaligen OB“ geschen, der damals wie heute im Regionalverband aktiv ist. Mit „unverminderter Gehässigkeit“ werbe Rosenberger für Windkraft im Großen Hau. Rieber wird deutlich: „Derselbe – noch OB –, der beim Jahresempfang 2025 in seiner Ansprache speziell den Horber Nabu nach Strich und Faden in den Dreck gezogen hat. Er wollte wohl bewusst außer Acht lassen, dass er damit den BUND und fast ganz Rexingen und mit ihnen einen großen Teil der Horber vor den Kopf stieß. Ein OB, der sich allerdings im Geiste schon nach Esslingen verabschiedet hatte.“ (Rosenberger wollte Landrat in Esslingen werden, wurde aber nicht gewählt, Anm.d.Red.).

„Dichtezentrum“ für Milan

Zum Vorwurf der „Milan-Masche“ meint Rieber, dass eigentlich jeder, der sich mit dem Schutzstatus dieses Vogels auseinandergesetzt habe, wissen müsse: Die Bundesrepublik ist international für seinen Schutz zuständig. Der Milan besitze höchsten Schutzstatus, weil die BRD das Zentrum seines gar nicht so großen Verbreitungsgebiets sei und hier wohl wieder Baden-Württemberg.

Der Horber Raum rund um den Großen Hau, so Rieber weiter, sei durch das wissenschaftliche Gutachten als eines der Dichtezentren für den Milan ausgewiesen worden.

Rieber argumentiert: „Die Milandichte ist erst durch die Untersuchung eines renommierten, wissenschaftlichen Gutachters bestätigt worden. Neben Lambert Straub haben dann auch noch andere reihenweise für Fotos mit vielen Milanen gesorgt. Die Zahl konnte 2025 nochmals getoppt werden. Das passt so gar nicht zur Rosenbergerschen Milan-Masche.“

Geologische Aspekte

Gegen ein Windkraft-Projektgebiet im Großen Hau sei anfangs gekämpft worden, weil es wohl das artenreichste Waldgebiet im ganzen Kreis Freudenstadt sei. Rieber, studierter Geologe, erklärt: „Hier haben vor Jahrmillionen geologische Vorgänge dafür gesorgt, dass heute auf ganz engem Raum (im Großen Hau) und teilweise in derselben Höhe und im gleichen Niederschlagsgebiet, sich völlig unterschiedliche Waldtypen entwickeln konnten, weil sie auf gänzlich unterschiedlichen Gesteinsschichten und deren Verwitterungsböden stehen. Diese völlig unterschiedlichen Waldbilder direkt nebeneinander haben schon viele Forstleute begeistert. Mit dieser Begeisterung für den Großen Hau hat vor 60 Jahren der Oberförster Erich Keppeler bei einer privaten Führung auch mich geimpft. Mit meinem geologischen Wissen habe ich versucht, ihm diese Vielfalt zu begründen.“

Der Große Hau, so Rieber, sei nicht nur für alle Forstleute in diesen vielen Jahren mit seiner Pflanzen- und Tiervielfalt das unstrittige Top-Waldgebiet gewesen. Er habe noch viele andere Vorzüge. „Es wäre verheerend, wenn Herr Rosenberger mit seiner Großer-Hau-Masche Erfolg hätte und damit seinem Nachfolger die Freiheit zur Entscheidung wegnähme. Ziemlich mies!“, so Rieber.