Die neunte Klasse des Martin-Gerbert-Gymnasiums, natürlich mit Maske, in der Plakatausstellung "Man wird ja wohl noch sagen dürfen" Foto: MGG

Gibt es so etwas wie "vergiftete" Wörter? Dieser Frage gingen verschiedene Klassen des Martin-Gerbert-Gymnasiums vor den Pfingstferien nach.

Horb - Auf Initiative von Barbara Staudacher und Heinz Högerle vom Synagogenverein Rexingen zeigte die Fachschaft Geschichte in der Aula der Schule die Plakatausstellung "Man wird ja wohl noch sagen dürfen", die vom "KZ-Gedenkstätte Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg e.V." in Ulm herausgegeben wurde. Der oben genannte Spruch bildet den Titel der Ausstellung, und jeder kennt ihn ja aus dem Alltag: Was folgt, ist sehr häufig etwas, das man tatsächlich nicht sagen sollte.

Nach dieser Einleitung machten sich die Schüler der Mittelstufe, ausgestattet mit Arbeitsblättern, daran, einzelne solcher Begriffe zu erkunden. Es sind Wörter wie "Lügenpresse", "völkisch", "Volksgemeinschaft", "Schuldkult" oder seit neustem auch die aus jedem sinnvollen Zusammenhang gerissenen Verwendung des Begriffs "Widerstand". Was bedeuten diese Wörter eigentlich? Wie wurden sie früher verwendet? Wie werden sie heute verwendet? Wo ist das Problem mit diesen Ausdrücken? Wie lässt sich die "Vergiftung" der Sprache mit solchen Wörtern vermeiden?

Zurück ins Klassenzimmer zur Auswertung

Mit ihren schriftlich festgehaltenen Erkenntnissen aus der Ausstellung ging es zurück ins Klassenzimmer zur Auswertung. Schon von alleine kamen die Schülerinnen und Schüler darauf, dass die genannten Ausdrücke während der Hitler-Diktatur auf abwertende, ausgrenzende oder verleumderische Art verwendet wurden. Als Folge davon schwingt diese negative Bedeutung auch heute immer noch mit, sei es unbewusst oder sogar durchaus bewusst, wenn jemand "Lügenpresse" oder einen anderen dieser Begriffe verwendet.

Das Wort "Widerstand" stellt, um ein Beispiel herauszugreifen, ein zu Corona-Zeiten häufig missbrauchtes Wort dar. Die Klasse erinnerte sich an den mutigen und meist mit dem Tode endenden Widerstand während der Hitlerzeit, der im Unterricht behandelt worden war, und stellte fest, dass diejenigen, die heute in unserer Demokratie von Widerstand beispielsweise gegen die angebliche "Merkel-Diktatur" reden, eine gänzlich unpassende, irreführende und damit unzulässige Parallele zum damalige Unterdrückungsstaat ziehen. Am Schluss dieser Themenstunde stand die Erkenntnis, dass man die besprochenen Ausdrücke – in der Ausstellung "vergiftete" Wörter genannt – am Besten in der eigenen Sprache vermeidet, und skeptisch wird, wenn man sie aus anderem Munde hört.

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