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Horber Hochbrücke Tanzen Baufirmen RP auf der Nase rum?

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Der Erdwall soll die Anwohner vor dem Lärm schützen. Foto: Lück

Anwohner beklagen sich über Lärm-Terror der Hochbrücken-Baustelle in Horb-Nordstetten. Jetzt kommt raus: Offenbar tanzen die Baufirmen dem Regierungspräsidium auf der Nase herum. Lesen Sie mehr in unserem (SB+)Artikel.

Horb-Nordstetten - Dieses Bild sagt mehr als 1000 Worte: Genau 24 Stunden nach dem Ortstermin von OB Peter Rosenberger in Nordstetten läuft die Brecheranlage wieder. Deutlich zu sehen: Der Lärm prallt ungeschützt auf die Häuser in der Alemannenstraße. Und die Baufirmen vor Ort machen, was sie wollen.

Tanzen die Baufirmen oder deren Subunternehmer vor Ort der Bauaufsicht auf der Nase herum? Diesen Verdacht bestätigt jetzt das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe. Und die Anwohner leiden.

Am Volkstrauertag hatten die Baufirmen den Gedenktag für die Toten zum "Baggertag" gemacht, so Nordstettens Ex-Ortsvorsteherin Edith Barth. RP-Sprecherin Clara Reuß bestätigt: "Richtig ist, dass am Volkstrauertag ein Baustelleneinsatz (Rodungsarbeiten) stattgefunden hat. Weder die beauftragte Baufirma noch das Regierungspräsidium Karlsruhe hatten Kenntnis davon. Eine Genehmigung lag nicht vor."

Keine Genehmigung für Nachtarbeiten?

Und was war Dienstag, als bis nachts um halb zwei Uhr gearbeitet wurde? Laut Informationen des Schwarzwälder Boten soll die Baufirma nach dem "Schleifen" der Mittelinsel vor der Weinhandlung Dörr den Asphalt gleich nach Nordstetten gebracht haben. Dort wurde er unverzüglich zerkleinert. Auch davon habe die Bauleitung des RP nichts gewusst. Es heißt: Es gibt keine Genehmigung für Nachtarbeiten.

Die RP-Sprecherin bestätigt: "In Nordstetten ist keine Nachtbaustelle vorgesehen. In der Nacht zum Dienstag wurden entsorgte Materialien, wie Schotter und Betonaufbruch, die aus der Baustelle B 32/L 370 vom Umbau des Knotens an der Weinhandlung Dörr stammen, zwischengelagert. Diese Arbeiten waren in der Presse und durch Flyer vorab angekündigt." Vom Ablagern in Nordstetten stand nichts in der Presse-Information. Noch schlimmer: Das RP geht davon aus, dass die Brecheranlage so steht, dass die Anwohner nicht durch den Lärm gestört werden.

RP-Sprecherin Reuß: "Die beauftragte Baufirma muss das vor Ort vorgefundene felsige Bodenmaterial für eine Weiterverwendung mit einer Brecheranlage aufbereiten. Aus Platzgründen erfolgt die Aufbereitung außerhalb des derzeitigen Baufeldes – Bau der Stützwände – im oberen Bereich der Baustelle. Zur Minimierung des Baulärms wurde zwischen den Bewohnerbereich und der Brecheranlage ein großer Erdwall aufgeschüttet."

Doch das gestern um 11.08 Uhr gemachte Foto der Brecheranlage – 24 Stunden nach dem Ortstermin von OB Peter Rosenberger mit den genervten Anwohnern – zeigt: Der große Erdwall bringt nichts.

Man sieht rechts den Radlager, links den Bagger, der das Material in die Brecheranlage schüttet. Dahinter: Freie Sicht auf die Häuser von Nordstetten in der Alemannenstraße. Da kann sich der Schall schön ungehindert ausbreiten.

Anwohnerin Edith Barths Haus steht hinter dem Erdwall. Sie sagt: "Der Wall sorgt dafür, dass sich der Schall über den Berg hin zu unseren höher stehenden Häusern verbreiten kann. Das wirkt wie ein Trichter!" Barth hatte beim Ortstermin mit OB Rosenberger am Dienstag gesagt: "Wenn der Schredder innerhalb von vier Wochen nicht weg ist, klagen wir!"

Doch was tut das RP, um die Anwohner vor dem Schredder-Lärm – also die Brecheranlage – zu schützen? RP-Sprecherin Reuß: "Die im Auftrag des RP Karlsruhe tätige Baufirma will die Schredderarbeiten sobald wie möglich abschließen. Dies ist jedoch auch von der Witterung abhängig, sodass ein genaues Ende der Arbeiten nicht benannt werden kann."

Anwohner schöpfen kurz Hoffnung

Am Mittwoch hatten die Anwohner kurzfristig Hoffnung geschöpft. Bernd Barth: "Heute Morgen haben wir eine ganze Delegation an der Brecheranlage gesehen. Hoffentlich tut sich was."

Auch Rathaussprecherin Inge Weber, die beim Vor-Ort-Termin mit OB Peter Rosenberger dabei war, hatte aufgrund dieser Meldung der Anwohner Hoffnung, dass sich schon vor dem offiziellen Termin zwischen Rathaus und RP was tut. Weber: "Von einer ›Delegation‹ wissen wir nichts. Sollte das Regierungspräsidium hier bereits tätig geworden sein, ist das doch sehr positiv." Doch die RP-Sprecherin zerstört die Hoffnung mit diesem Statement. "Über eine Delegation an der Brecheranlage ist uns nichts bekannt."

Wird die Schredderanlage die Nordstetter Anwohner noch gefühlt bis zum Sankt Nimmerleinstag – also auch während der Hangsicherung am Rauschbart (die ist geplant von Juli 2022 bis 2023) nerven? Die RP-Sprecherin: "Es ist nicht vorgesehen beim Bau der Rauschbartseite in Nordstetten Bodenmaterial aufzuarbeiten, sodass der Einsatz eines Brechers nicht erforderlich wird." Das ist wohl die einzige gute Nachricht bisher.

Auch bei der Schadensregulierung durch die Baustelle zeigt sich der Regierungspräsidium bisher unnachgiebig. Anwohner hatten sich beschwert, dass die Gutachter im Auftrag des Regierungspräsidiums reklamierte Schäden wie Risse an den Häusern einfach "abtun." Horbs Stadtplaner Peter Klein hatte geschrieben, dass sich das RP nicht in die Schadensregulierung einmischen wolle: "Das Regierungspräsidium dementiert, dass es Kostenübernahmen für Gebäudereinigungen oder ähnliches geben würde. Erstattungen seien hier nur von den Baufirmen vorgenommen worden. Insofern kann das Regierungspräsidium auch keine Aussagen über künftige Kostenübernahmen zu PKW- und Gebäudereinigungen treffen."

Konzepte werden überprüft

Die RP-Sprecherin: "Die derzeitigen Konzepte werden zwecks Optimierung dahingehend überprüft. Gespräche mit der Stadt Horb sollen dazu in den nächsten Tagen geführt werden."

Eine Möglichkeit wäre ein Ombudsmann, der in vielen Bereichen bei Streitigkeiten eingesetzt wird. Doch das RP lehnt diese Lösung ab. Sprecherin Reuß: "Die Schaffung einer Stelle eines Ombudsmannes ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vorgesehen."

Da hat das Rathaus noch eine Menge aufzuarbeiten, damit es auf der Nerv-Baustelle in Nordstetten endlich ruhiger wird.

Rathaussprecherin Inge Weber: "Wir stellen die von den Anliegern vorgebrachten Punkte zusammen, um im gemeinsamen Gespräch mit dem Regierungspräsidium Lösungen zu erarbeiten. Dieser Termin wird aktuell koordiniert, wir haben dem Regierungspräsidium gestern schon eine erste Information zukommen lassen."

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