Mit Gerüchten über Wärmepumpen räumt Marc Faßnacht aus Horb auf. Der Fachmann erklärt, worauf Interessenten alles achten sollten.
Kaum ein Thema wird derzeit in Deutschland so intensiv diskutiert wie das Gebäudeenergiegesetz, umgangssprachlich auch Heizungsgesetz, genannt. Seit Russlands Präsident Putin den Gashahn zugedreht hat, sucht die Bundesregierung händeringend nach Einsparmöglichkeiten auf dem weiten Feld der Energie. Die Idee, natürliche Energiequellen, wie beispielsweise die Sonne, zum Heizen zu nutzen, ist dabei nicht ganz neu.
Doch auch die Kommunen machen sich so ihre Gedanken, und dass gut gemeint nicht immer gleichzusetzen mit gut gemacht ist, das rauscht dieser Tage durch den Blätterwald. Die Stadt Horb beispielsweise muss nach und nach zugeben, dass ihre Idee von der Nahwärmeversorgung der einzelnen Stadtteile aktuell nicht finanzierbar ist.
Was tun bei alten Häusern?
Nur, was sollen die Besitzer von alten Häusern machen, deren Heizung so ganz langsam erneuert werden sollte? Ölheizungen dürfen sie keine mehr einbauen, Nah- oder gar Fernwärme kostet richtig Geld und Strom als Energiequelle zu kaufen scheidet eigentlich auch aus. Also, was bleibt? Die Wärmepumpe. Wir sprachen mit Marc Faßnacht, dem Inhaber der Horber Firma Faßnacht Wärmetechnik über dieses Thema, um das sich viele Gerüchte ranken.
Wärmepumpe erklärt
Was versteht man eigentlich unter dem Begriff Wärmepumpe? Im Grunde genommen besteht so eine Anlage aus drei Teilen. Der Energiegewinnung, meist einer Solaranlage auf dem Dach, dem Außengerät, das die so gewonnene Energie in Strom umwandelt und damit im Pufferspeicher Heizenergie zur Verfügung stellt. Ein Kilowatt Solarenergie kann übers Jahr verteilt bis zu 4,5 Kilowatt Heizenergie ergeben.
Es gibt aber auch Wärmepumpen, die aus Luft, Erdwärme, Wasser oder Brauchwasser Energie erzeugen. Faßnacht gibt zu, dass selbst in Expertenkreisen große Verunsicherung herrscht, was man wo und wie machen soll. „Wer sich aus der Branche in den letzten Jahren nicht intensiv mit diesem Thema beschäftigt hat, der hat heute weder das wichtige Know-how noch die richtigen Produkte, denn nicht alle Hersteller können heute die Qualität und den technischen Standard liefern, um eine Heizung zukunftsfähig aufzurüsten“, lautet seine Einschätzung.
Die Kosten
Was kostet so eine Anlage und was bekommt man für sein Geld? Das sind weitere Fragen, mit denen sich die Hausbesitzer beschäftigen. Bei einer Komplettsanierung der Heizung eines Hauses aus den 1970er-Jahren muss man mit Gesamtkosten von bis zu 50 000 Euro rechnen. Darin enthalten ist die Solaranlage, das Außengerät und alle Zusatzelemente im Heizraum. Auch muss sich der Hausbesitzer weder um den Abbau seiner alten Heizung, noch der Öltanks und dergleichen kümmern. Er bekommt eine voll funktionierende Anlage innerhalb einer Woche geliefert, montiert und fertig übergeben. Seine Stromgewinnung kann er digital über ein Steuermodul per App überwachen und hat so immer einen genauen Überblick über seinen Wirkungsgrad, der im Sommer hoch, im Winter etwas niedriger sein wird.
„Mit dem Geld, das man im Sommer durch die Energieeinspeisung ins Netz verdient, kann man die Zusatzstromkosten im Winter ausgleichen“, so der Tipp des Experten.
Noch günstiger
Natürlich geht es auch etwas preiswerter. Ohne Installation und Entsorgung sollte man trotzdem mit rund 20.000 bis 30.000 Euro rechnen, doch Faßnacht verrät kein Geheimnis, wenn er sagt, dass man mit guten Markengeräten und grundsolider Handwerksleistung anfangs zwar mehr bezahlt, doch am Ende spart.
Die Förderung
Gefördert werden die Wärmepumpenanlagen derzeit mit 40 Prozent der Gesamtkosten, maximal jedoch mit 24.000 Euro. Obwohl sie nicht ganz unumstritten sind, wäre es ratsam, einen Energieberater mit der Antragstellung der Fördermittel zu beauftragen, rät der Fachmann, der weiß, dass es ungefähr drei bis vier Monate dauert, bis die Förderzusage im Haus ist und das Geld erst vier Monate nach Abschluss der Maßnahme und nach Vorlage eines Zahlungsnachweises erfolgt.
Der Wärmepumpenmarkt
Auch mit dem Gerücht, dass der Wärmepumpenmarkt leer gefegt sei, konnte Faßnacht aufräumen. „Klar, auf die Produkte aus Fernost oder sonst woher kann man unter Umständen lange warten. Produkte aus Deutschland und aus Österreich, so wie wir sie einsetzen, sind meistens ab Lager lieferbar“, sein Erfahrungswert.
Ein Nutzer berichtet
Wer kann zu dem Thema „Wärmepumpe“ noch besser Auskunft geben als der Lieferant? Klar, der Nutzer. Werner Gunkel aus Nordstetten ist so ein Nutzer, der im vergangenen Jahr seine alte Öl-Heizung gegen eine Wärmepumpe austauschen ließ. Nun steht das Außengerät wie eine moderne Skulptur im Garten seines Hauses und verwandelt Solarenergie in nutzbare Heizenergie.
„Das hat diesen Winter so gut funktioniert, dass es uns manchmal zu warm wurde. Ich habe zweimal beim Faßnacht angerufen, damit er mir die Temperatur runter dreht“, zeigte sich der stolze Besitzer einer Wärmepumpe begeistert. Dieser Tage war er mit den Senioren des Ortes auf einem Ausflug und hatte keine Ruhe, denn alle wollten ihn über seine Errungenschaft und seine Erfahrungen ausfragen, erzählte er. Auch der zusätzliche Platz, den er jetzt in seinem ehemaligen Heizungsraum hat, freut ihn sehr. Gerade mal zwei Speicherkessel stehen dort, wo früher alles voll war mit Öltanks, Brenner und Anlagentechnik.
Infoabend war gut besucht
Dass Werner Gunkel in puncto Interesse keineswegs übertrieb, das zeigte auch die Nachfrage, als die Firma Faßnacht dieser Tage zu einem Informationsabend zum Thema „Wärmepumpe und Photovoltaik“ einlud. Innerhalb kurzer Zeit waren alle 50 Plätze in der Nordstetter Traditionsgaststätte „Schäpfle“ ausgebucht. Sein wichtigster Tipp an diesem Abend war sicher, dass man sich vor dem Kauf einer Wärmepumpe mit einem echten Fachmann zusammensetzen sollte, der den Kunden neutral und kompetent berät um später ein maßgeschneidertes Angebot machen zu können.