Gut gemeint, aber das Gegenteil von gut: Enten füttern am Bahnhof. Das gilt auch für Enten und andere Wasservögel an Neckar und Mühlkanal. Foto: Hopp

Aufreger: Frau erhebt Vorwurf der Tierquälerei und will Zeugenaufruf starten. Polizei ist informiert.

Horb - Die Enten am Horber Bahnhofsplatz gehören inzwischen zum Stadtbild. Sie sind zu einem echten Hingucker geworden. Doch nun wurde eine der Enten überfahren – und das wohl mit Absicht, wie unserer Zeitung mitgeteilt wurde.

Der schwere Vorwurf der Tierquälerei macht derzeit seine Runde in Horb. Ein Autofahrer habe eine der Enten am Bahnhof absichtlich angefahren, die Ente sei gestorben. Beobachtet worden sei der Vorfall von mehreren Menschen am Bahnhof, teilt uns eine Frau mit. "Mein Bekannter ist Zeuge und hat den Fall gesehen, er meinte, dass zig junge Leute mit Handys in der Nähe des Bahnhofes die Sache gesehen hätten", schreibt sie und bittet um einen Zeugenaufruf.

Zig junge Leute mit Handys in der Nähe des Bahnhofes haben die Sache gesehen

Der Vorfall ereignete sich am Freitag. Beschuldigt wird ein Taxifahrer. Die Polizei bestätigt auf Anfrage, dass ihr die Geschehnisse gemeldet wurden. Die Beamten hätten am Freitag auch veranlasst, dass der tote Vogel entfernt wurde.

Wie die Frau mitteilt, handelte es sich bei dem gestorbenen Tier um eine der Stockenten, die immer im Paar unterwegs waren. Oft schwammen sie im Brunnen vor dem Bahnhof oder bettelten um Futter vor dem Kaufland. Zu Beginn des Frühjahrs konnte man beobachten, wie sie zwischen Neckar und Bahnhof hin und her pendelten. Seit einiger Zeit hat man das Paar jedoch nur noch vor dem Kaufland beobachtet.

Da die Tiere ständig in Kontakt zum Menschen stehen, war dies bislang nicht der einzige Angriff auf das Enten-Paar.

Eine Zeugin berichtete zudem davon, dass die Enten förmlich von Personen am Bahnhof ›gejagt‹ wurden. In einem Fall versuchte eine junge Frau, die gemeinsam mit anderen vor dem Kaufland saß, eines der Tiere durch die elektronischen Schiebetüren in das Kaufland zu treiben. Quakend versuchte die Ente sich in Sicherheit zu bringen. Erst das beherzte Eingreifen einer älteren Frau brachte die Jüngere dazu, die ›Jagd‹ auf die Ente zu beenden.

Das Nabu-Vogelschutzzentrum Mössingen teilt mit, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass Enten sich so nah zum Mensch aufhalten und ihrem natürlichen Lebensraum – im Horber Fall: dem Neckar – fast vollständig den Rücken zukehren. "Wenn Enten fremd gefüttert werden, dann werden sie einfach zu faul, um selbst Fressen zu finden." Nabu-Vorsitzender Lambert Straub sieht in der Fütterung ebenso das Hauptproblem. "Die Leute sollten wissen, dass man den Enten damit nichts Gutes tut." Gerade jetzt würden die Tiere genügend Futter finden. Auch die Stadt Horb teilt auf Anfrage mit, dass der Fall bislang noch nicht bekannt sei. "Bezüglich dem Füttern von Enten verhält es sich so, dass die polizeilichen Umweltschutz-Verordnung der Stadt Horb ein Tauben- und Entenfütterungsverbot vorsieht. Das Fütterungsverbot für Enten bezieht sich jedoch nur auf den Bereich des Mühlkanals. An der ›Wilhelmbrücke‹ in der Wilhelmstraße und der Brücke vom Flößerwasen zur Neckarstraße finden sich auch entsprechende Hinweisschilder", erklärt Stadtsprecher Christian Volk.

Vielleicht wäre ein solches Schild und eine Erweiterung der Fütterungsverbots-Zone inzwischen auch am Bahnhof sinnvoll. Zwar ist nach dem Vorfall am Freitag nun von der verbleibenden Ente nichts mehr zu sehen, allerdings wird es für die Tiere weiterhin verlockend sein, dort auf Futter zu warten. Vom Vogelschutzzentrum heißt es, dass eine Umsiedlung der Vögel in Frage käme, wenn die Tiere Probleme bereiten. In diesem Fall wäre es dann eher, um die Enten in Sicherheit vor den Tierquälern zu bringen.

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