Kurz nach Mittag im Planungsausschuss der Region Nordschwarzwald: Jürgen Großmann (CDU) verkündet den Überraschungsvorschlag. Foto: Jürgen Lück

Der Planungsausschuss des Regionalverbands Nordschwarzwald beschließt: Sieben Windkraft-Flächen gehen in die dritte Beteiligung. Darunter: Igelsberg und Großer Hau.

Es geht um Vorrangflächen für Windkraft-Anlagen in der Region Nordschwarzwald. Die Vorentscheidung ist jetzt im Planungsausschuss getroffen: Für sieben Windkraft-Potenzialflächen geht es in die dritte Runde.

 

Zwei Orte im Landkreis Freudenstadt sind dabei im Visier: Freudenstadt-Igelsberg und der Große Hau in Horb-Rexingen. Letzterer ist seit Jahren umstritten. Der Nabu Horb hatte durch ein Gutachten erreicht, dass der Regionalverband Windkraft im „Waldjuwel“ Großer Hau im Beschlussvorschlag ablehnt.

Die Gemeinde Baiersbronn hatte Bedenken gegen die Fläche Igelsberg geäußert – unter anderem wegen der irreversiblen Zerstörung des Moorkomplexes. Dazu wegen „visueller Überlastung“.

Baiersbronn: Neues Gutachen gegen Windpark

Laut Regionalrat Günter Bächle hat Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf auch alle Gutachten vorgelegt.

Um 10 Uhr startet die hitzige Diskussion im Rathaus Calw. Kurz nach 12 Uhr ziehen sich die Fraktionen zur Beratung zurück.

Gegen 12.15 Uhr macht Jürgen Großmann (CDU, OB von Nagold), den überraschenden Vorschlag: Nicht nur die bisherigen vom Regionalverband genannten umstrittenen Windkraft-Potenzialflächen WE3 (Neulingen) und WF 14 (Großer Hau, Horb-Rexingen) in eine dritte Beteiligungsrunde zu schicken, sondern auch andere umstrittene Flächen: darunter das WF4 in Freudenstadt-Igelsberg.

Großmann betont, dass es ein überparteilicher Antrag ist: Von CDU, SPD und den Freien Wählern: „Wir sollten den Mut haben, einen klaren Empfehlungsbeschluss zu fassen.“

Der Moment der Abstimmung im Planungsausschuss: Die Mehrheit – mit Klaus Mack (CDU) als Vorsitzenden – stimmt für die dritte Beteiligung über sieben potenzielle Windkraft-Flächen. Foto: Jürgen Lück

Dann wird abgestimmt. Bei vier AfD-Gegenstimmen wird der Vorschlag angenommen.

Das heißt: Damit haben sowohl Horb als auch Baiersbronn die Möglichkeit, noch einmal neue Argumente und Einwände in der dritten Beteiligungsrunde einzubringen.

Was heißt das für Horb?

Regionalrat Peter Rosenberger (CDU, Ex-OB): „Ich bin neugierig, ob sich die Stadt Horb und der Gemeinderat bemühen, das zu entkräften, was im Gutachten des Nabu Horb steht. Oder ob sich alle zurücklehnen. Vielleicht findet sich jemand, der ein Gegengutachten erstellen lässt.“ Rosenberger hatte vor der Entscheidung gefordert, weiterhin Windkraft auf dem Großen Hau möglich zu machen.

Horbs Nabu-Vorstand Lambert Straub lauscht gepannt der Debatte um den Teilregionalplan Windenergie des Planungsausschuss der Region Nordschwarzwald. Foto: Jürgen Lück

Der Nabu Horb hatte im letzten Jahr wieder neue Beobachtungen auf dem Großen Hau gemacht – und gutachterlich auswerten lassen. Vorsitzender Lambert Straub sagt: „Ich hoffe, dass der Gemeinderat Horb die neuesten Stellungnahmen in der dritten Beteiligungsrunde berücksichtigt. Es wäre schön, wenn der Gemeinderat dem Votum des Bürgerentscheids folgen würde.“

Das sagt Baiersbronn Bürgermeister Michael Ruf

Der Nabu-Vorstand hofft auf den Neu-OB. Straub: „Mein Eindruck: Peter Rosenberger ist in dem Thema sehr verbissen. Sein Nachfolger Michael Keßler scheint da entspannter zu sein. Ich hoffe, der Gemeinderat lehnt Windkraft im Großen Hau ab. Die Stadt kann dennoch Windkraft realisieren und das wichtigste Waldgebiet schützen.“

Ruf begrüßt den Vorentscheid. Er sagt: „Ich freue mich sehr, dass die Verbandsversammlung unserer Anregung gefolgt ist. Die Ausweisung der Vorrangfläche WF4 wurde von Beginn an des Verfahrens aus der Sicht von Baiersbronn und Freudenstadt kritisch gesehen. Insbesondere die beiden Teilorte Igelsberg und Klosterreichenbach sehen in dieser Fläche große Probleme.“

Die Gebiete und der weitere Plan

Der Beschluss des Planungsausschuss
 Sieben Potenzialflächen gehen in die dritte Beteiligungsrunde. Das sind: WE 3 Neulingen, WF 14 (Großer Hau, Horb-Rexingen), WF4 (Freudenstadt, Baiersbronn), WE4 Remchingen. WE14 Egelsbrand und Pforzheim. WP1 Pforzheim.

Nächster Schritt
 Die Verbandsversammlung stimmt am Mittwoch, 11. Februar, ab 10 Uhr im Campus Schwarzwald in Freudenstadt ab. Danach können neue Stellungnahmen und Gutachten zu den sieben Flächen abgegeben werden.