"Das Quad hat einen schmalen und kurzen Radstand, dazu einen hohen Schwerpunkt": ahg-Fahrlehrer Karl-Heinz Schmid. Foto: Hopp

Welche Risikofaktoren führten zum Unfall mit dem Quad? Fahrer, Fahrlehrer und Fachhändler wissen Hintergründe.

Horb - Wie sicher fährt man mit einem Quad? Gibt es besondere Risiken? Obwohl schwere Unfälle mit Quads - im Vergleich zum Motorrad - eher selten sind, wirft der Unfall in der Rauschbartkurve die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem beliebten Freizeitgerät auf.

 

Polizeisprecher Walter Kocheise: "Wir suchen immer noch Zeugen, die etwas beobachtet haben." Fakt ist: Mitten im Scheitelpunkt der Kurve sind auf der Fahrspurseite, auf der der Unfall geschah, Spurrillen mit dicken Wülsten zum Rand. Fahrlehrer Karl-Heinz Schmid von der ahg Fahrschule Horb: "Das Quad hat einen schmalen und kurzen Radstand, dazu einen hohen Schwerpunkt. In der Kurve darf man sich nicht zu weit reinlegen und muss gleichzeitig in die Kurve reinlenken, sonst wird das Gefährt wackelig."

Führten die Straßenschäden und die kipplige Lage bei dem Unfall am Rauschbart zum Sprungschanzen-Effekt mit seinen fatalen Folgen? Zweirad-Händler Johannes Zimmermann aus Empfingen kennt die Strecke: "An dieser Stelle ist es schon kritisch. Andererseits hätte er das Quad dort auch mit 50 km/h noch abbremsen können - oder er ist verschrocken."

Was das bedeuten kann, weiß Fahrlerer Schmid: "Im Gegensatz zu Auto und Motorrad wird beim Quad mit dem Daumen Gas gegeben. Wenn man im Winter mit dem Auto die Strecke gefahren ist, ist es schon denkbar, dass man bei der Quad-Fahrt in einer kritischen Situation die Bedienung im Kopf nicht so schnell umstellen kann." Es sei denkbar, dass der Fahrer gerade jetzt zu Beginn der Saison den Daumen in der kritischen Situation nach vorne schob und damit den Sprungschanzen-Effekt vom Rauschbart-Unfall erst provozierte.

Fachhändler Zimmermann verkauft in Empfingen die Fun-Mobile auf vier Rädern seit 13 Jahren: "Die Quads liegen immer noch im Trend. Sie werden zu 80 Prozent von Anfängern gekauft. Dabei reicht die Altersspanne von 20 bis 75 Jahre." Er rät seinen Kunden immer, sich vor dem Kauf ein Quad auszuleihen oder eine geführte Tour zu machen. Zimmermann: "Man muss sich schon in Ruhe mit dem Quad befassen. Um abseits der Straße auszuloten, ob man damit zurechtkommt."

Was sagt er zur Technik des Unfall-Quads? Zimmermann: "Das ist eine Kawasaki mit Straßenreifen. Vom Fahrwerk und der Bereifung her ist das absolut top und sicher - nicht so wie bei den Billig-Quads aus China, die provisorisch zusammengeschustert sind und die deshalb allein schon technisch unsicherer sind."

Ist der Unfall-Fahrer vom Rauschbart ins Kippen gekommen? Zimmermann: "Das ist eine Ecke, wo man nicht so richtig reinfräsen kann. Die meisten Quad-Fahrer kippen beim Driften um oder wenn sie gegen den Bordstein kommen. Leider lassen die Fahrschulen die Quad-Fahrer alleine."

Fahrlehrer Schmid: "Jeder, der einen Kfz- oder Motorrad-Führerschein hat, darf Quad fahren. Obwohl die Fahrphysik eine völlig andere ist. Da kann 1 km/h zu viel vielleicht zum Unfall führen. Doch solange es keinen Extra-Führerschein dafür gibt, kann man das Quad-Fahren in der normalen Fahrschule nicht lernen." Schmid und Zweiradhändler Zimmermann sind sich einig: Sicherheitstraining oder Fahrkurse sind das Beste, um sich zu schützen.

Fahrlehrer Georg Nübel mit seinem Quad-Park Freudenstadt ist da genau der Richtige: "Bis zum 18. Januar waren die kleinen Quads in einer eigenen Führerscheinklasse. Jetzt dürfen sie leider mit Führerschein B gefahren werden. Deshalb biete ich Quad-Fahrtrainings an." Er sagt: "Quad-Fahren ist nicht gefährlich, wenn man es richtig macht." Gerade Motorradfahrer seien in Gefahr, weil sie ihre Erfahrung auf das Quad anwenden wollen.

Aber ansonsten sei das Gefährt nicht unsicherer als Motorradfahren. Nübel ärgert sich, dass das Quad in der Öffentlichkeit einen schlechten Ruf hat. "Das ist falsch. Und das Quad kann sogar in der Landwirtschaft oder in der Rettung von Verletzten, zum Beispiel von Bergwachten, eingesetzt werden." Der Vorteil: Das Gefährt kommt auch da weiter, wo ein Auto nicht mehr weiterfahren kann.

Doch - wie überall im Verkehr - ist trotz allem Training Vorsicht der beste Schutz vor Unfällen. Bei Zweirad-Händler Johannes Zimmermann bringt ein junger Fußballspieler von FC Holzhausen gerade die Schilder für sein neues Quad von der Zulassung. Er sagt: "Wenn du übermütig bist, bist du Ruck-Zuck auf zwei Rädern. Und dann wird es kritisch."