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Horb/Starzach Kälte: Nachfrage nach Öl, Holz und Kohle steigt

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Monika Golla und Frank Fierke müssen sich in ihrem Kunstdomizil derzeit gut einmummeln. Foto: Lück

Horb/Starzach-Börstingen - Sibirischer Frost in Horb. Das Thermometer fällt nachts auf unter minus 14 Grad. Da kann man im Neckartal gar nicht so schnell zittern, wie man friert.

Alles, was schnell die Wohnung warm macht, wird knapp. Beim Sonderpostenmarkt Thomas Philipps ist der Platz für die Holzbriketts komplett leer. Auf den Paletten mit den Braunkohlebriketts geht der Vorrat auch deutlich zur Neige.

Ein Kunde packt sich den Einkaufswagen voll mit Anmachholz und den Holzscheiten. Er sagt: "Ich habe schon rumtelefoniert. Diese Woche bekomme ich keinen Holznachschub. Ich bin froh, dass es hier noch was gibt." Benjamin Beck, Vize-Marktleiter des Hela-Baumarkts auf dem Hohenberg: "Bei den Holzbriketts ist tatsächlich Notstand eingetreten. Die Lieferanten haben sich dort schon auf das Ende der Heizperiode eingestellt und kommen jetzt kaum noch nach. Gott sei Dank haben wir rechtzeitig bestellt. Wir haben noch alles da."

Heizöl Sitzler in Nordstetten hat auch alle Hände voll zu tun. Ein Angestellter: "Damit hat wohl keiner gerechnet, dass noch einmal die Kälte kommt. Die Nachfrage ist extrem gestiegen. Du kannst gleich einen Tankwagen auf dem Hof stehen lassen –­ weil immer jemand anruft, dessen Tank leer ist."

Die Bitter-Kälte. Doch die Nachfrage nach Öl, Holz und Kohle zeigt – es gibt offenbar genug Glückliche im Neckartal, die ihre Bude richtig warm haben.

Kindergarten macht Winterpause

Ganz anders ist es in der Alten Schule in Starzach-Börstingen. Monika Golla und Frank Fierke zeigen auf die Wetterstation im Flur: Das Thermometer zeigt gerade mal fünf Grad. Golla: "Der Kindergarten hier im Gebäude macht deshalb auch Winterpause –­ weil es zu kalt ist."

Golla und Fierke haben hier seit über zwei Jahren ihren Kunstort Eleven. Allerdings: Die Künstler, die hier gastieren, kommen erst ab Mai – die Saison endet im Oktober. Weil es dann zu kalt ist.

Golla: "Im ersten Winter 2015/16 haben wir es mit den eingebauten Nachtspeicheröfen probiert, die Räume warmzubekommen. Das hat nicht richtig funktioniert –­ und auch die Nebenkosten-Abrechnung war nicht ohne!"

Jetzt haben sich die beiden Künstler abgeschottet. Eine Schiebetür aus OSB-Platten führt in den obersten Trakt. Dahinter rechts ein Vorhang in Purpur zum Flur. Auf dem Flur ist es bibberkalt. Rechts geht es zum Raum, in dem sonst das rote Sofa steht. Golla: "Als wir dort noch im Winter Veranstaltungen gemacht haben, haben wir den Raum drei Tage lang aufgeheizt. Mit Nachtspeicheröfen, mit Gasöfen und Elektroradiatoren. Doch die Dämmung ist dort leider nicht mehr so gut –­ überall hat es gezogen. Die Gäste haben gefroren und sich nicht wohlgefühlt."

"Bewegen, damit du warm bleibst"

Deshalb ist der Rote-Sofa-Raum im Moment das Atelier von Fierke. Ein großes Luftobjekt steht hier für sein nächstes Projekt. Fierke: "Ein bisschen wird hier schon geheizt, doch das hilft nicht viel. Du musst immer arbeiten und dich bewegen, damit du warm bleibst."

Auf der anderen Seite ist der Wohntrakt der beiden. Erst wieder eine Schiebetürkonstruktion – diesmal in Weiß. Dahinter links das Wohn- und Schlafzimmer der beiden, rechts Klo und Dusche. In der Mitte ein Tisch für den Herd, davor ein Gasofen.

Hinten vor dem Fenster die nächsten Vorhänge –­ hier ist der Esstisch für drei. Und die Nachtspeicherheizung läuft.

Fierke: "Durch ein System von Schleusen versuchen wir, die Kälte so weit wie möglich rauszuhalten."

Golla: "Du musst einfach Wolle anziehen. Am besten in mehreren Schichten. Anders geht es nicht." In der Tat: Richtig warm ist im Esszimmer nur der Kaffee. Wie lebt man so in der Kälte? Golla: "Man muss sich halt auf die Umstände einstellen. Als ich in Nordindien war, war es dort richtig kalt. Die Menschen dort hatten nur eine zwei Quadratmeter kleine Hütte, die nach vorne offen war, um dort etwas zu verkaufen. Die haben sich dort eingemummelt und etwas verbrannt, um sich beim Schlafen warmzuhalten. Da merkt man dann, welcher Luxus die alte Schule hier ist!"

Und die beiden Künstler machen dann so eine Art "Winterschlaf". Golla: "Wir reduzieren uns, machen uns im Winter hier klein. Dadurch ist uns warm genug. Allerdings: Die Kälte kostet sehr viel Kraft. Das zehrt an der Konzentration –­ man ist abends viel eher kaputt."

Die Kälte. Wie bibberkalt ist es gefühlt in der alten Schule in Börstingen? Golla: "Das hängt davon ab, ob die Sonne scheint. Sobald sie rauskommt, machen wir die Vorhänge auf. Die Sonne wärmt dann sogar bis in den Bad-Trakt! Dann ist es trotz Minusgraden draußen hier drinnen wärmer als im Herbst, wenn es regnet!"

Frank Fierke: "Beim Duschen oder auf dem Klo muss du dich dann natürlich beeilen!"

Die Saison im Kunstort Eleven in der Alten Schule endete im Oktober letzten Jahres. Doch –­ Hand aufs Herz – hält man es fünf Monate lang ohne richtige Wärme aus?

Golla und Fierke lachen: "Nein. Wir waren über Silvester schon in Portugal und auf den Azoren. Da waren frühlingshafte Temperaturen –­ und wir haben neue Inspirationen und Kontakte geknüpft, um unser Künstlerhaus hier weiter zu entwickeln! Das inspiriert uns dann für die weitere Zeit, in der wir die Ruhe haben, selbst künstlerisch zu arbeiten."

Übrigens: Ein Thermometer gibt es nicht im Wohntrakt der beiden. Monika Golla: "Das ist vielleicht besser so. Die Temperatur fühlst du sowieso nur."

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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