Die Stadt-Apotheke in der Wilhelmstraße wird Ende Juni geschlossen. Foto: Hopp

Ende Juni letztes Mal geöffnet. Team wechselt in Schiller-Apotheke.

Horb - 2017 feierte die Stadt-Apotheke 200-jähriges Bestehen. Doch am 29. Juni wird sie das letzte Mal geöffnet haben. Susanne Theurer-Brendle erzählt, warum sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat.

Es ist eine Kuriosität von Horb: zwei Apotheken in direkter Nachbarschaft. Zunächst Konkurrenten, in den vergangenen Jahren "unter einem Dach".

2007 entschloss sich Susanne Theurer-Brendle, Inhaberin der Schiller-Apotheke, die benachbarte Stadt-Apotheke zu kaufen. Denn die Pächter, das Apotheker-Ehepaar Josef und Michaela Breier, wollten sich damals nicht in die Selbstständigkeit begeben. Als die vorherige Eigentümerin verkaufen wollte, kam es zur entscheidenden Frage: selbst kaufen oder riskieren, dass ein externer Konkurrent zuschlägt?

Theurer-Brendle entschied sich für den Kauf. "Natürlich war das aufgrund der doppelten Strukturen betriebswirtschaftlich nicht ganz optimal", gibt sie offen zu. Doch sie wusste, dass sie sich in der Stadt-Apotheke auf ein eingespieltes Team verlassen konnte, denn die Breiers und weitere Mitarbeiter blieben ihr erhalten. Außerdem hatte das neue Filial-System auch Vorteile – beispielsweise mit einem flexiblem Warenlager-System.

Doch nun hat sich die Apothekerin für einen Schlussstrich entschieden. "Die Breiers möchten ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Und für mich macht es keinen Sinn, einen neuen Filialleiter zu suchen."

Die Gelegenheit war aktuell günstig, denn zwei Angestellte der Schiller-Apotheke sind weggezogen. "Mir ist es sehr wichtig, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt. Das übrige Team der Stadt-Apotheke wird in die Schiller-Apotheke wechseln." Noch ein Grund: Weitere Sanierungen im und am Gebäude wären in nächster Zeit notwendig gewesen.

Auch das Ende des Reformhauses (wir berichteten) passt in dieser Situation. Denn somit ist eine räumliche Erweiterung der Schiller-Apotheke möglich. Dort soll ein zusätzlicher Aufenthaltsraum und ein Beratungszimmer für Kundengespräche entstehen. "Es wird zwei Bauphasen geben. Die erste beginnt Mitte April. Ende Mai soll – so ist der Plan – der Umbau abgeschlossen sein." Der Betrieb werde in dieser Zeit weiterlaufen. "Wir haben unsere Stammkunden angeschrieben und schon einmal um Verständnis gebeten, dass es bei uns Lärm und Staub geben wird", berichtetet Theurer-Brendle.

Kauft die Stadt das Gebäude mit Grundstück?

Doch wie geht es mit dem Gebäude der Stadt-Apotheke in der Wilhelmstraße weiter? "In den vergangenen Jahren kamen von der Stadt immer mal wieder Kauf-Anfragen, aber eine längere Zeit kam dann nichts mehr."

Im Sommer seien nun Gespräche geplant. Oberbürgermeister Peter Rosenberger sagt auf Anfrage unserer Zeitung: "Natürlich hat die Stadt ein sehr großes Kaufinteresse. Dieses Grundstück liegt genau im Sanierungsgebiet. Uns geht es natürlich nicht ums Gebäude, sondern um das Grundstück." Die Stadt möchte das Fruchtkasten-Areal entwickeln. Die Fläche der Stadt-Apotheke wurde beim städtebaulichen Wettbewerb stets als zentraler Baustein genannt. "Dieses Grundstück hat eine zentrale Bedeutung in den Planungen. Denn dort kann der Mühlkanal eingebunden werden", so Rosenberger. Die Planungen sieht hier eine Ufertreppe zum Verweilen vor.

In den kommenden Wochen wird das Team der Stadt-Apotheke aber mit vollem Elan in den Endspurt gehen. "Wir haben sogar einige Aktionen geplant. Beispielsweise am 3. April der Vortrag ›Zeckenalarm‹ ab 19 Uhr in der Stadt-Apotheke." Anmeldungen sind unter Telefon 07451/2215 oder 07451/2678 möglich.

Auch am Horber Frühling werden sich die beiden Apotheken beteiligen, wie üblich direkt vor der Schiller-Apotheke. "Wir bieten wieder eine Kinderaktion, Glücksrad und eine Getränke-Verkostung an", so Theurer-Brendle.

Anfang des 19. Jahrhunderts existierte in Horb nur die Untere Apotheke in der Wintergasse, die im Besitz von Peter Schertlin, geboren in Horb 1784, war. Nach dem Übergang von Horb an Württemberg war er der erste nach den Landesvorschriften in Tübingen geprüfte Apotheker.

Die zweite Apotheke in Horb, die spätere Stadt-Apotheke, wurde als Obere Apotheke 1816 vom Rottenburger Apotheker Heinrich Foichtig gegründet und blieb bis 1838 in seinem Besitz. Sie befand sich am Marktplatz 23, rechts neben dem Gasthaus Schiff. Foichtig verkaufte an Apotheker Carl Friedrich Ott aus Ulm, und dessen Sohn Robert Ott übernahm nach dem Tod des Vaters die Apotheke 1855.

Weitere Apothekenbesitzer am Marktplatz waren Hans Lohss und ab 1903 Otto Sauter. Dieser verkaufte im Jahr 1907 an Apotheker Karl Thomann. Seine Tochter, Apothekerin Lotte Beigel, übernahm nach seinem Tod 1948 die Apotheke und verlegte diese 1959 in die Wilhelmstraße 3 (ehemaliges Muttererhaus). Dabei erfolgte die Umbenennung in Stadt-Apotheke. Apothekerin Ursula Beigel, die Tochter von Lotte Beigel, führte ab 1978, bis zur Verpachtung an Apotheker Josef Breier im Jahre 1998, die Apotheke.

2008 wurde die Apotheke an Apothekerin Susanne Theurer-Brendle verkauft, die sie als Filial-Apotheke der Schiller-Apotheke weiterführte.

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