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Horb/Schopfloch Defekte Bahnübergänge bleiben im Gespräch

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Horb-Dettlingen/Horb-Talheim/Schopfloch - Bisher hat sich Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in der Frage der kaputten Bahnübergänge im Raum Horb noch nicht gerührt. Das ist die Bilanz des FDP-Landtagsabgeordneten Timm Kern.

Kern hatte heute vor einer Woche einen Brief an Landesverkehrsminister Winfried Hermann und den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn geschrieben. Mit der Bitte, die Regelung per Hand am Bahnübergang Talheim schnellstmöglich abzuschaffen. Kern: "Bisher habe ich nur einen Eingangsstempel bekommen." Kern weiter: "Egal, ob es einen oder zwei Bahnübergänge betrifft – in Zeiten von hoch entwickelter Technik und Breitband sind solche Zustände im 21. Jahrhundert sehr verwunderlich."

Kern hält diesen Brief-Appell für die "schnellere Lösung". Heinrich Kuhn, Alterspräsident des baden-württembergischen Landtags (AfD), hatte auf Anfrage von Gemeinderat Hermann Walz den Bahnübergang Talheim besucht und versprochen, das Thema als "Kleine Anfrage" in den Landtag zu bringen.

Der Schwarzwälder Bote fragte am Montag bei Fraktion und Kuhn nach, wie weit es damit ist. Bis Redaktionsschluss kam keine Antwort.

Der Schwarzwälder Bote hatte gestern auch im Ministerium schriftlich nachgefragt: "Was macht das Landesverkehrsministerium, um den Konflikt zwischen dem Sicherheitsbedürfnis der Autofahrer und der Bahn zu entschärfen?"

Die Antwort: "Die beiden genannten Bahnübergänge liegen in der Verantwortung der DB Netz AG. Das Eisenbahnbundesamt (EBA) ist für die Bahnübergänge wiederum die zuständige Aufsichtsbehörde. Dem Landesverkehrsministerium ist die Sicherheit der Bahnübergänge natürlich ein Anliegen. In Gesprächen auf Arbeitsebene zwischen dem Verkehrsministerium, der Bahn und dem Eisenbahnbundesamt weisen wir darauf auch immer wieder hin. Das Landesverkehrsministerium hat aber für die Bahnübergänge nicht die Aufsicht und damit auch kein Verfügungsrecht."

Bei den Medien findet dagegen die Frage der Bahnübergänge offenbar mehr Interesse.

Am Montag war Peter Binder vom SWR-Radio vor Ort. Der Reporter des Landesstudios Tübingen: "Als wir von dem zweiten ausgefallenen Bahnübergang gelesen haben, wollten wir nachhaken. Dabei haben wir am Bahnübergang Talheim auch ein Team der Bild-Zeitung getroffen."

Und bei seiner Recherche in Horb hatte der SWR-Radiomann auch Michael Grüber, Konzertveranstalter und Orgelspieler, interviewt. Anlass: Grüber hat nach der Berichterstattung des Schwarzwälder Boten ein Märchen geschrieben: "Der Bahnsinn aus dem Schwabenland". Den Text schickte er an den SWR und die Bild-Zeitung.

Grüber: "Es regt mich wahnsinnig auf, dass man diese Zustände so hinnimmt und niemand was tut."

Der Radio-Beitrag des SWR soll heute Nachmittag gesendet werden, so Binder.

Grund für die Aufregung: Seit am 10. September ein Zug einen LKW auf dem Bahnübergang Talheim rammte, wird hier der Bahnübergang durch Menschen gesichert. Zuerst durch Flatterband, jetzt betätigen die Mitarbeiter eines Wachdienst per Hand die roten Warnblinker. Schon mehrmals war niemand vor Ort. Seit dem 7. Juni ist auch der Bahnübergang zwischen Schopfloch und Dettlingen kaputt – Blitzeinschlag. Erst nach zehn Tagen wurde auch hier ein Wachdienst eingesetzt, der diesen Übergang mit Halbschranken absichert. In der Zwischenzeit wurden – genauso wie zeitweise in Talheim – die Lokführer angewiesen, langsam an den Übergang heranzufahren, per Hupen auf sich aufmerksam zu machen und langsam rüber zu fahren (wir berichteten).

Für die Deutsche Bahn ein "Vorgehen, welches den Regularien entspricht."

Seit Jahren kämpft die Stadt Horb darum, dass der Bahnübergang Talheim wenigstens eine Halbschrankenanlage bekommt. Doch das lehnt die Bahn ab: Unwirtschaftlich, weil im Jahr 2018 ohnehin eine Brücke diese Gefahrenstelle beseitigen soll.

Darauf verweist auch das Landesverkehrsministerium. Eine Sprecherin: "Die Brücke ist im Bauprogramm, das Landesverkehrsministerium hat den Bau genehmigt. Jetzt ist das Regierungspräsidium Karlsruhe dran, den Bau zu planen. Der Finanzierungsstart ist für 2018 angesetzt."

Der Horber Michael Grüber hat über die Bahnübergänge bei Talheim und Dettlingen ein Märchen geschrieben.

Hier ein Auszug:

"Und eines Tages, über die vielen Jahre hinweg, alt, mürbe und müde geworden, legte der Bahnübergang die Arbeit nieder und es geschah, was geschehen musste: ein Unfall geschah.

Nun denn, ›wir wollen Dich repariere‹ sagten die Herren, ›besser noch modernisieren‹, aber es fehlt uns das Geld und der Verstand. Wie soll das geschehen? Wir machen es besser, ein Mensch soll fortan die Wache übernehmen und später in einigen Jahren wird man sehen. Der Wachmann kommt aus fernem Lande, 24 Stunden Wache stehen, bei Wind und Wetter, rote Lampe, grüne Lampe, viel Arbeit, wenig Lohn, das ist nicht so leicht, macht wenig Freude. Und es geschah, was geschehen musste: Der Wachmann schläft, legt die Arbeit nieder und weitere Unfälle geschehen. Nun denn sagen sich die Herren, ›machen wir es noch besser‹: der Lenker vom Zug soll halten und langsam passieren, dann wird’s schon klappen und später wird man sehen.

Inzwischen ist denn auch des Bahnüberganges bester und alter Freund von nebenan mürbe und müde geworden. Die Herren der Bahn und die Herren der Stadt wissen keine Lösung, haben weder Verstand noch Geld, denn schließlich hat man viel zu tun mit dem neuen Bahnhof in der Hauptstadt nebenan und dem neuen Einkaufshaus in der Stadt."

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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