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Horb - Rollt die Gäubahn aufs Abstellgleis?

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Horb - Nicht nur beim Grünprojekt-Start im Mai 2011 müssen Besucher wegen Vollsperrung der Gäubahn auf einen Schienenersatzverkehr umsteigen. Für 54 Stunden gesperrt wird die Strecke bereits an Pfingsten – für Horb kein gutes Vorzeichen.

Denn ausgerechnet an Pfingsten, 23. und 24. Mai, laden die Grünprojekt-Macher die Bürger zum Feiern ein. Auf dem Alten Freibadgelände soll der "Countdown" zur Gartenschau eingeläutet werden; das "1-Jahr-vorher-Fest" bietet Musik, Unterhaltung, Vorträge und vielleicht auch Stocherkahnfahrten.

Der Stocherkahn als Transportmittel – eine ungewollte Ironie. Denn auf die Bahn ist auch an diesem Tag mal wieder kein Verlass. Für Pfingsten ist eine 54-stündige Vollsperrung der Gäubahn angekündigt. Wer also den Grünprojekt-Countdown mit anzählen will, muss ebenso auf Bus oder Auto umsteigen wie nächstes Jahr beim Start des Grünprojekts selbst. Das Landesverkehrsministerium hat eine komplette Sperrung der Gäubahn von 25. April bis 20. Juni 2011 angekündigt.

15 Kilometer Gleise zwischen Horb und Rottweil sollen erneuert werden

Der Anlass für die Sperrung ist eigentlich erfreulich, denn immerhin wird in die Bahnstrecke investiert: 15 Kilometer der Gleise zwischen Horb und Rottweil sollen erneuert werden. Weiterer Grund für die Sperrung ist der Bau einer Brücke zwischen den Bahnhöfen Eutingen und Horb.

Das alles bestätigte Verkehrsministerin Tanja Gönner in der Antwort zu einer kleinen Anfrage des Landtagsabgeordneten Andreas Hoffmann (CDU). Gönner sagt lediglich zu, dass für die Bauphase ein Fahrplankonzept ausgearbeitet wird (wir berichteten).

Zunehmend unzufriedener mit der Entwicklung auf der Gäubahn – nicht zuletzt wegen der Einstellung der ICEs – zeigten sich bereits Ende März Mandatsträger aus dem Bodenseeraum. Die Stadt Konstanz protestierte bereits gegen den Qualitätsverlust auf der Gäubahn, nun kommt vom Bodensee eine weitere Hiobsbotschaft:

Prestigeprojekt Stuttgart 21 verschlingt die Millionen

"Gäubahn wird abgekoppelt wie ein ausrangierter Waggon", überschreibt der Radolfzeller Grünen-Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann eine Pressemitteilung, in er den Verdacht äußert, dass der zweigleisige Ausbau der Gäubahn dem Rotstift zum Opfer fällt. Lehmann beruft sich dabei auf eine Streichliste des Deutschen Bahnchefs Grube.

Der Abgeordnete sieht darin die Ankündigung eines Staatsvertragsbruchs mit der Schweiz. "Der Vertrag von Lugano aus dem Jahr 1996 sieht vor, dass sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, die Zweigleisigkeit der Strecke Stuttgart-Zürich auf deutschem Gebiet herzustellen." Im Gegenzug dazu sichert die Schweizer Regierung Ausbaumaßnahmen in der Schweiz zu, die zum Teil bereits verwirklicht sind.

Die Gründe des Sparkurses sind für Lehmann klar: Das Prestigeprojekt Stuttgart 21 verschlinge die Millionen, die für andere Strecken nötig wären. Lehmann fordert die Landesregierug dazu auf, sich auf Bundesebene vehement für den Ausbau der Gäubahn (entsprechend des Staatsvertrages) einzusetzen.

Lehmann, der wie Abgeordnete anderer Parteien aus der Bodenseeregion befürchtet, dass der Raum Konstanz vom Bahnverkehr abgeschnitten wird, wirft Umweltministerin Tanja Gönner in einem Gespräch mit "see online" vor, dass die Landesregierung die Gäubahn links liegen lasse. "Die Landesregierung vertritt weiterhin die Interessen der Bahn statt die er Bürger." Von Christof Schülke

Kommentar: Horrorszenario

Konstanz, Singen, Tuttlingen, Villingen, Rottweil, Horb – Namen sind anscheinend Schall und Rauch, wenn’s ums Sparen geht. All diese Städte mitsamt ihren Umland-Regionen könnten von einem zeitgemäßen Schienenverkehrsnetz abgeschnitten werden, wenn die angebliche Streichliste des Bahnchefs Grube umgesetzt würde.

Dann wäre der lange erwartete zweigleisige Ausbau der Gäubahn, für den sich so viele Mandatsträger entlang der Strecke seit Jahren einsetzen, ganz einfach gestrichen.

Dabei hat gerade in Horb der Zugverkehr Perspektiven: Die Eisenbahnerlebniswelt kommt, Historik-Fahrten mit Dampfloks sind beliebt und die Fahrgastzahlen sind zweitweise so stark gestiegen, dass es zu Überfüllungen kam.

Der parteiübergreifende politische Druck aus mehreren Regionen wird offenbar in Stuttgart und Berlin nicht ernst genommen – und das gibt zu denken!

Von Christof Schülke

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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