Wilde Kämpfe, spannende Show, wunderschöne Kostüme: In puncto Programm und Optik ließen sich die Veranstalter nicht lumpen. Foto: Hopp

Authentisches Mittelalter-Schauspiel nur auf dem Festplatz. Abends reiterliche Glanzlichter.

Horb - Wie viel Ritter steckt noch in den Ritterspielen? Fragen, die sich viele Horber stellen. Denn: Das Schauspiel auf der Turnierwiese hatte nicht viel mit dem Mittelalter zu tun. Und auch die klassische Turnier-Reiterei ging in der Fantasy-Handlung unter.

Was ist da los? Horst Bulheller, der böse Ritter und gemeinsam mit Heraldos-Chef Michael Bednar für die Inszenierung zuständig: "Wir versuchen uns ganz bewusst von dem klassischen Ringe-Stechen und Sau-Stechen abzusetzen. Das wichtigste ist, das Publikum auf seine Seite zu bekommen. Und die Erfahrung zeigt, dass geht nur mit einer guten Handlung, gespickt mit Stunts."

Bulheller - ein selbstbewusster Reitprofi: "Gemeinsamt mit den Heraldos gehören wir zur oberen Liga der Stunt- und Showreiter in Deutschland." Und die Bühnenerfahrung habe gezeigt, dass vor allen die dichte Inszenierung mit gutem Schauspiel und Texten dazu führt, dass das Publikum gefesselt ist. Bulheller: "Das heißt für die Reiterei: Weniger ist mehr." So drehte sich beim Spiel der Turnierwiese alles um den Bruderzwist zwischen Gideon und Azur. Letzter wurde auf die böse Seite der Macht gezogen. Die Inszenierung – kolossal. Denn: Der Riesen-Ritter Kolossos sollte auf Seiten der Bösen für den Sieg sorgen.

Wer das Publikum beobachtete, merkte, wie die Story fesselt. Wie die Kinder ängstlich guckten, als Kolossos die Arena betrat.

Bulheller: "Wenn du merkst, dass die sich nicht mal trauen, zu klatschen, merkst du, dass du richtig liegst."

Der Horber Vertrag kam übrigens nicht drin vor. Bulheller: "Man kann das Publikum nicht Jahr für Jahr damit langweilen. Es muss jedes Mal das Gefühl haben, eine neue Show zu sehen."

Doch Bulhellers Truppe kann auch anders. Abends bei der Feuershow dann faszinierende Bilder. Michael Bednar mit nacktem Oberkörper zeigt, wie ihm sein weißer Hengst Hilero auf den Fingerzeig gehorcht. Bulheller fasziniert mit der Beherrschung seines Hengstes El Maron – genau das Gegenteil der Show am Nachmittag. Bulheller: "Hier zeigen wir, was wir mit den Pferden können und wie eng die Partnerschaft zwischen Pferd und Reiter ist." Dazu noch rasantes Auf- und Absteigen bei vollem Galopp – das reiterische Können steht hier im Fackelschein im Mittelpunkt.

Die Turnierwiese: Fantasy-Spektakel tagsüber, abends dann reiterliche Glanzlichter.

Gut, dass der Bund oberschwäbischer Landsknechte auf dem Festplatz diesmal nicht nur die Kanonen krachen ließ, sondern auch ein Schauspiel aufführte. Und zwei ein authentisch mittelalterliches. Ein Landsknecht rebelliert, verlangt seinen Sold. Kurzer Händel, doch der Trupp von Obrist Gunter ist stärker. Für den Rebellen gibt es noch eine Chance – er muss mit einem Becher auf dem Kopf über die Klingen laufen. Schafft es und kommt frei.

Auch diese gespielten Szenen sind neu, so Obrist Gunter Herzberger: "Im letzten Jahr haben wir vor allem Drills und Waffenübungen gezeigt."

Das Fantasy-Spektakel auf der Turnierwiese – fesselnd für das zahlende Publikum. Die Landsknecht-Revolutionsszene auf dem Festplatz –­ Mittelalterfeeling für Jedermann.

Gegen diese Glanzlichter fiel die Aufführung des Horber Vertrags auf dem Festplatz ab. Nicht nur, dass König Maximilian mit Tonproblemen zu kämpfen hatte. Immer wieder setzte das Mikrofon aus. Eine Zuschauerin: "Der liest ja nur ab. Nach den Jahren, wo er es macht, könnte er den Text endlich mal auswendig können."

Wird wohl Zeit, dass der Horber Marktplatz König Maximilian im Jahr 2017 endlich wieder eine würdevolle Kulisse gibt, die ihm vielleicht mehr Respekt beim Volk verschafft...