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Horb Rehpinscher in Obdachlosenheim tabu?

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Foto: Lück

Horb-Dettingen - Karin Dreher zeigt auf ihre Habe auf den Betonplatten: "Da muss ich schlafen. Eigentlich darf ich das auch nicht, denn der Hausmeister hat mir schon ein Platzverbot erteilt!"

Dreher – 57 Jahre alt. Der Lippenstift ist perfekt gezogen, die Augen sorgfältig geschminkt. Wer sie so auf den ersten Blick sieht, denkt nicht, dass diese Frau obdachlos ist. "Am 12. Dezember 2017 wurde ich in Rottenburg zwangsgeräumt. Meine Wohnung wurde verkauft, der neue Besitzer hat die Kaltmiete um 300 Euro erhöht. Dann hat er wegen Eigenbedarf geklagt. Obwohl ich einen Anwalt hatte, habe ich vor dem Landgericht Tübingen verloren."

Seitdem schlägt sich die Wohnungslose von ihrem Hartz IV durch, lebte zunächst in "Hotels und Pensionen". Doch die knappen Hartz-IV-Sätze reichten dafür nicht lange. Am 1. Mai, so Dreher, landete sie dann in der Obdachlosenunterkunft in Dettingen. "Ich habe gleich eins der beiden freien Zimmer bekommen.

Hund ist in Unterkunft nicht erlaubt

Doch am Sonntag vor einer Woche wurde ich vom Hausmeister und Ordnungsamts-Vertreter aufgefordert, das Zimmer zu verlassen. Seine Ansage: Um acht Uhr müssen sie hier raus. Sie können hier nur wohnen bleiben, wenn Sie das Hundle hergeben. Ich habe Angst, dass das Ordnungsamt jeden Tag kommt und mich hier rausschmeißt!"

Max gähnt inzwischen auf dem karierten Schlafsack auf den kalten Betonsteinen, den Dreher vom ParaDios der Caritas bekommen hat. Sie sagt: "Meinen Max gebe ich nicht her! Er ist alles, was mir nach meiner schweren Krebserkrankung geblieben ist. Er begleitet mich seit sechs Jahren und ist mein Herzblut, Diese Rasse wird gute 14 Jahre alt. Ich hoffe, dass ich auch noch so lange lebe, um für ihn dazu sein."

Die Geschichte, die die Frau erzählt, klingt tragisch: Die Tochter wolle nichts mehr von der Mutter wissen. Der beste Freund vom Bodensee sei vor knapp einem Jahr gestorben. Die Frau - alleine. Und verzweifelt. Sie sagt: "Hier wohnt auch Karsten R.. Er ist ständig betrunken und bedrängt mich. Er hat schon nachts an meiner Tür gerüttelt und gerufen: Gibst Du mir Sex? Die Polizei musste kommen." Karsten R. (Name geändert) ist in Horb kein Unbekannter. Er ist der "Saufkumpan" des Bahnhofs-Pöblers Sascha J. (Name geändert). Dreher erzählt: "Ich dusche oben im Bad und gehe dort auf die Toilette. Das habe ich erst mal auf Vordermann gebracht und geputzt. Auch die Treppe. Es ist hier alles versifft. Mein Essen habe ich in den Kühlschrank getan, doch R. frisst mir alles weg!"

Krebsdiagnose machte Wohnungssuche schwer

Ihr Smartphone hat Dreher noch. Sie sagt: "Ich mache dauernd Inserate, dass ich eine Wohnung und Arbeit suche. Vor gut einer Woche hatte ich die Zusage für eine Wohnung für 450 Euro kalt. Das hätte ich mit Hartz-IV noch bezahlen können. Doch kaum habe ich erwähnt, dass ich Krebs hatte, wurde es still am Telefon des Vermieters. Eine Minute später kam der Rückruf. Sein Bruder hätte die Wohnung einen Tag vorher schon vermietet." Der Krebs. Die schlimmen Folgen trafen die schlanke Frau im Jahr 2007. Bis dahin habe sie jede Menge gearbeitet – als Juwelierfachverkäuferin, Filialleiterin in einem Outlet-Shop in Metzingen, als Automobilverkäuferin, in der Gastronomie.

Doch die Diagnose Brustkrebs traf sie wie ein Hammer. "Mamakarzinom G3. Eine Brust wurde mir um 6.30 Uhr in Tübingen abgenommen. Weil ich immer Sport getrieben habe, hat man mir die stärkste Chemo verschrieben. Ein Jahr lang ging gar nichts. Seit neun Jahren lebe ich deshalb von Hartz IV." Gibt es keinen Ausweg? "Ich habe keine Lust, zur Erlacher Höhe zu gehen und mich von denen bevormunden zu lassen. Ich bin extrovertiert, das gebe ich zu. Doch es gibt so viele, die schlucken alles und sterben daran."

Die angesprochene soziale Einrichtung kennt den Fall – und stellt das Ganze allerdings ein bisschen anders da. "Wir sind seit Längerem mit ihr in Kontakt und haben ihr auch verschiedene Lösungen angeboten – Schlafplätze in Unterkünften, in denen Hunde sogar erlaubt sind, so wie beispielsweise in Rottweil oder Calw. Aber sie hat es abgelehnt, was ihr gutes Recht ist", berichtet Sabine Laabs-Buschbacher, die im Bereich Wohnungslosenhilfe für die Erlacher Höhe arbeitet. Sie habe bereits ausnahmweise einige Tage in der Unterkunft bleiben dürfen, um Zeit zu bekommen, andere Möglichkeiten prüfen zu können.

Bahnhofspöbler wohnte auch in Unterkunft

Die Stadt schreibt: "Der Stadtverwaltung Horb ist bekannt, dass Frau Dreher obdachlos ist. Um jedoch in die Obdachlosenunterkunft eingewiesen zu werden, bedarf es einer Anmeldung in der Kommune. Zudem sind in den meisten Obdachlosenunterkünften grundsätzlich Tiere verboten. Dies ist nicht nur in Horb am Neckar so, sondern auch in den umliegenden Städten und Gemeinden." Man habe die Frau kulanterweise für ein paar Tage im Durchreisezimmer der Unterkunft wohnen lassen mit der Maßgabe, dass sie sich anmelde und ihren Hund anderweitig unterbringe. Dann wäre auch die Einweisung in die Obdachlosenunterkunft ohne weiteres möglich.

Karin Dreher – es gibt auch die andere Seite. Eine Frau, die in der Stadt aktuell aneckt, wie man hört. Die sich selbst nicht einsichtig zeige und alles ablehne, was man ihr vorschlage. Die ziemlich laut werden kann, wenn es ihr nicht passt. Dennoch: Der Bahnhofspöbler Sascha J., den Staatsanwalt Frank Grundke vor dem Landgericht Rottweil als "gefährlich für die Allgemeinheit" bezeichnete, durfte jedenfalls in der Obdachlosenunterkunft Horb-Dettingen wohnen. Er hatte Angestellte eines Restaurants mit dem Messer bedroht, immer wieder für Ärger gesorgt und das ganze Areal rund um den Bahnhof terrorisiert. Diese Vorfälle haben die Stadt offenbar nicht davon abgehalten, dass der Bahnhofs-Pöbler sein Zimmer in der Obdachlosenunterkunft hatte.

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