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Horb Proteste gegen S 21-Aushub

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Der Talheimer Steinbruch: Die geplante Auffüllung hat zu heftigen Bürgerprotesten geführt. Foto: Hopp

Horb/Deißlingen/Oberndorf - In Stuttgart hat vor Kurzem offiziell der Aushub den neuen Tiefbahnhofs begonnen. Das dadurch anfallende Material wird in Entsorgungsanlagen abtransportiert. Vor Ort regt sich nun Protest.

Wer einen Bahnhof unter die Erde verlegen will, der muss graben, tief graben. In Stuttgart entsteht dazu ein Loch, das fast schon ein Tal im Talkessel ist: 900 Meter lang, 80 Meter breit, 16 Meter tief. Dadurch fallen enorme, mit Gips versetzte Gesteinsmengen an. Ganz nach dem Motto: Wo gehobelt wird, fallen Späne.

"Mein Haus hat immer noch Risse vom Steinbruchbetrieb"

Inzwischen zeichnet sich ab, wohin der Aushub transportiert werden wird. Nach Angaben des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm sind im Rahmen der zentralen Baulogistik insgesamt 40 Entsorgungsanlagen rahmenvertraglich gebunden, die je nach Bedarf angefahren werden.

Eine der Auserwählten ist offenbar die Stadt Horb. Im Stadtteil Talheim mit gut 2600 Einwohnern hat die geplante Auffüllung des Steinbruchs zu heftigen Bürgerprotesten geführt. Unternehmer Armin Kaltenbach will 1,8 Millionen Tonnen Abraum aus der Stuttgart 21-Baustelle im stillgelegten Steinbruch ablagern.

In Talheim führte das zu einem Aufschrei gegen "Talheim 21". Denn ein Lastwagen alle vier bis sechs Minuten, wie Steinbruchunternehmer Kaltenbach pro Arbeitstag ankündigte, ist für viele Bewohner zu viel des Guten. Der Talheimer Paul Müller formuliert es so: "50 Jahre habe ich den Steinbruch mitgemacht. Ich bin entsetzt, dass es wieder losgehen soll."

Die geplante Zufahrt: Auf einer engen, kurvigen Straße mit Spitzkehre. Teilweise müssen die Bau-Brummis zentimetergenau an den eng stehenden Häusern der Bewohner vorbei rangieren. Hermann Walz Haus steht an solch einer Engstelle. Er sagt: "Mein Haus hat immer noch Risse vom Steinbruchbetrieb."

Auf einer Informationsveranstaltung der Horber Stadtverwaltung übergab Dietmar Meintel, Sprecher der Bürgerinitiative gegen das Projekt, 1690 Unterschriften. Die Bürger befürchten, dass der "Strukturbeitrag in höherer sechsstelliger Summe", den Kiesgrubenbesitzer Kaltenbach der Kommune verspricht, den Ortschaftsrat dazu verführen könnte, für das ungeliebte "Talheim 21" zu stimmen.

Oberbürgermeister Peter Rosenberger verstärkte diese Befürchtungen, als er dem SWR-Fernsehen ins Mikro sprach: "Ich bin immer dafür, dass wir Frieden in der Kommune haben. Ich habe aber auch das städtische Finanzsäckel im Blick." Der Ortschaftsrat soll nun Ende des Jahres die Entscheidung über die Steinbruchauffüllung treffen.

Auch Gemeinden im Kreis Rottweil sind betroffen

Etwa 1,5 Millionen Tonnen Erdaushub sollen derweil ab dem 6. Oktober bis etwa Anfang März 2018 von der S 21-Großbaustelle zur Verfüllung des ausgebeuteten Gipsabbau-Geländes in Deißlingen-Lauffen (Kreis Rottweil) gekarrt werden – vornehmlich per Bahn. Die Container werden mittels Reachstacker (Großstapler) vom Zug genommen und auf Lastwagen gesetzt. Der Lkw fährt in die Grube und kippt schließlich ab. Das hat für größere logistische Herausforderungen gesorgt, da der Schienenstrang verlängert werden muss. Angeliefert werden sollen vier Halbzüge pro Tag, an sechs Tagen pro Woche mit jeweils 500 Tonnen, was einem Tagesvolumen von 2000 Tonnen entspricht.

Nach Angaben des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm fallen bei Stuttgart 21 insgesamt Massen im Umfang von rund 20 Millionen Tonnen an. Dabei unterscheide man zwischen dem zentralen Logistikbereich Mitte, in dem rund acht Millionen Tonnen Abraum anfallen und über die zentrale Baulogistik entsorgt werden, sowie die dezentralen Logistikbereichen Filder und Neckar, bei denen zusammen rund zwölf Millionen Tonnen Abraum direkt durch die beauftragten Bauunternehmen entsorgt werden. Der Massenanfall auf der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm betrage nach Angaben des Bahnprojekts auch rund 20 Millionen und erfolge ebenfalls durch die Bauunternehmen.

Die Bauarbeiten für den Bau des Fildertunnels begannen bereits im Juli. 1,8 Millionen Tonnen Aushubmaterial vom Fildertunnel sollen in den nächsten fünf Jahren in die Steinbrüche in Epfendorf-Trichtingen und Böhringen (Kreis Rottweil) geliefert werden. Eine Million Tonnen transportiere eine Firma aus Empfingen, erläutert Wolfgang Dietrich vom Bahnprojekt Stuttgart-Ulm bei einem Vor-Ort-Termin in Trichtingen. Im Durchschnitt bedeute dies 62 Laster pro Tag.

Da sich die Anwohner in dem 950-Seelen-Dorf Trichtingen bereits im Februar vom Schwerlastverkehr überrollt fühlten, wurde Peter Boch, Bürgermeister von Epfendorf, aktiv. Damals donnerten bis zu 200 Laster täglich durch den Ort. Seit Wochen bemüht er sich um eine eigene Auf- und Abfahrt zur Autobahn für den Ortsteil. Die Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium in Freiburg dauern an.

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