Die "Naydana" von Glenda Kreidler kam bereits bei einer Gemeinschaftsausstellung von Künstlern des Landkreises gut an. Im Landratsamt lehnte man das Bild jedoch ab. Foto: Morlok

Die Werke der Künstlerin Glenda Kreidler sind in Horb willkommen - in Freudenstadt zeigte man sich prüde.

Horb - Am Mittwochnachmittag werden im städtischen Bürgerkulturhaus in Horb die Bilder zur Ausstellung "Unverfälschte Anblicke" der beliebten südafrikanischen Künstlerin Glenda Kreidler aufgehängt. In Freudenstädter Landratsamt waren die Bilder nicht willkommen.

In diesem Zyklus hat sich die Malerin, die Weitingen lebt, knapp zwei Jahre lang mit der Schönheit des menschlichen Körpers auseinandergesetzt. Zwar steht die Nacktheit von Mann und Frau im Fokus ihrer Betrachtungen, jedoch sind die Bilder der heute 75-jährigen Malerin mit keinem Pinselstrich obszön oder gar pornografisch. Es sind Bilder, mit dem man jedes Märchenbuch illustrieren könnte. Und doch hält man sie im Freudenstädter Landratsamt für so brisant, dass man eine Ausstellung in den dortigen Fluren kategorisch ablehnte.

"Wir hatten in einer der letzten Ausstellungen einige Aktzeichnungen hängen, die uns ordentlichen Ärger einbrachten, so Pressesprecherin Sabine Eisele. "Es kamen sowohl Beschwerden von externer Seite als auch von internen Stellen, die auch in der heutigen Zeit immer noch nicht mit so viel Freizügigkeit umgehen können." Eisele weiter: "Wir haben uns aus dieser Erfahrung heraus entschieden, diese Bilder von Frau Kreidler nicht auszustellen." Sie betonte, dass sich das Landratsamt immer noch das Recht vorbehält, Ausstellungen auszuwählen, und dass dabei Rücksicht auf die Empfindungen der Besucher genommen werden soll.

Wie unsere Zeitung von einem Landratsamt-Insider, der nicht genannt werden möchte, erfuhr, befürchtet man von höchster Stelle Probleme mit islamistischen Minderheiten. Probleme, denen man gleich im Vorfeld aus dem Weg gehen möchte.

Ein Verhalten, das nicht nur bei Glenda Kreidler Fragen aufwirft. Sie überlegt zum Beispiel, wie lange die Hypotheken-Venus, die seit Kriegsende splitterfasernackt und wohlproportioniert auf dem Oberen Marktplatz in die Zukunft schaut, im plötzlich so prüde gewordenen Freudenstadt noch ihre Ruhe hat. Wird sie vielleicht bald verhüllt oder ganz vom Sockel geholt? Oder was ist an anderen Orten der Welt, mit all den nackten Engeln in den Kirchen? Muss Botticellis "Geburt der Venus" übermalt werden oder bekommt Michelanglos "David" bald eine Turnhose übergezogen?

Agnes Maier von der Horber Stadtverwaltung kann die Absage der Freudenstädter auch nicht nachvollziehen. Für sie sind die Bilder einfach nur schön, und wenn man den Einträgen ins Ausstellungsbuch der Stadt Horb folgt, dann kann diese Kunst gar nicht so schlecht sein. Eine Schülerin schrieb nämlich über die kürzlich stattgefundene Gemeinschaftsaustellung von Künstlern aus dem Landkreis sinngemäß: "Schöne Ausstellung, besonders die ›Nayana‹." Die "Nayana" ist eines dieser Aktbilder, die in Freudenstadt nicht gezeigt werden dürfen. Wer sie sich trotzdem anschauen möchte, kann sich ab dem 5. Dezember bis zum 14. April im Bürgerkulturhaus Horb immer am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag jeweils von 14 – 17 Uhr an der wunderbaren Fleischeslust der Glenda Kreidler erfreuen.