Horbs Sonnenterrasse auf dem Rauschbart war am Wahlsonntag die erste Wahl für Ausflügler. Foto: Hopp

Wahlbeteiligung bei Europawahl sinkt um fünf Prozent. Jungwähler-Ansturm hält sich in Grenzen.

Horb - Der Rauschbart ist voll, in den Wahllokalen ist es leer. Schon gegen 16 Uhr zeichnete sich am Sonntag eine niedrige Wahlbeteiligung ab. Doch die Last-Minute-Wähler haben kurz vor Schließung der Wahllokale noch einmal Kreuz gegeben.

Rauschbart-Wirt Christoph Steiglechner: "Das ist unser bester Tag heute. Die Wahl bringt die Leute in Bewegung." Während sein Kompagnon meint, dass die Bürger erst wählen gehen und dann entspannen, ist die Stimmung in den Wahllokalen gegen 16 Uhr gedrückt.

In Bildechingen melden die Wahlhelfer um 15.40 Uhr: "262 waren bisher da von 977 Wahlberechtigten."

In der Gutermannschule zehn Minuten später: 276 haben den Wahlzettel abgegeben von 1022 Wahlberechtigten (Kommunalwahl). Und die Jungwähler, die jetzt ab 16 wählen dürfen?

Zumindest bis Mittag sind sie nicht aus dem Bett gekommen. Joachim Patig meldet an der historischen Urne aus den 50er Jahren in der Gutermannschule um 12 Uhr: "Bisher hat nur ein Wähler zwischen 16 und 18 seine Stimme abgegeben."

Horbs SPD-Chefin Viviana Weschenmoser kommt gegen 16.30 Uhr vorm Schwabo vorbei: "Ich geh jetzt wählen. Ich denke, die Horber gehen auch noch um diese Zeit, weil die Sonne langsam weg ist." Das sieht zu diesem Zeitpunkt gar nicht gut aus: Bei der letzten Europawahl im Jahr 2009 gab es eine Wahlbeteiligung von 53 Prozent. Diesmal dürften es fünf Prozent weniger sein, denn bei der Europawahl haben lediglich 46,6 Prozent mitgemacht.

OB Peter Rosenberger (CDU) hat dafür seine Erklärung: "Ich glaube, dass die Menschen eher nicht zur Wahl gehen, wenn es ihnen gut geht. Das sieht man auch im Bund." Rosenberger selbst ist ganz früh wählen gegangen, weil er danach noch auf den Tennisplatz musste: Punktspiel für die Herren 30 des TC Bildechingen. Da gab es eine äußert knappe und bittere Niederlage. "Dafür war das Wahlergebnis ziemlich eindeutig", sagt er später im Wahllokal schmunzelnd und freut sich über das CDU-Ergebnis in Horb.
Alex aus Nagold sitzt mit einer Freundin im Rauschbart und bringt es auf den Punkt: "Ich habe lieber einen Ausflug gemacht, das ist wichtiger. An der Wahl bin ich nicht so interessiert." Selbst die Kommunalpolitik vor Ort hat er "nicht so mitverfolgt."

Vier Tische weiter sitzen David Böhl (22) aus Horb und Florian Teufel (22) aus Rottenburg. Die Politik-Interessierten. David sagt: "Ich wähle schon das dritte Mal. Meine Stimme zählt – schließlich haben unsere Vorfahren dafür hart gekämpft." Er hat sich bei der Kommunalwahl vor allem für die Kandidaten entschieden, die er persönlich kennt. David: "Die kenn ich von der Schulzeit. Ich habe mir im Internet durchgelesen, was die für Horb zu bieten haben."

Sein Freund Florian ist sogar ganz vom "Wahl-Virus" infiziert: "Ich habe mich für die FDP für den Ortschaftsrat, Kreistag und Gemeinderat aufstellen lassen. Ich will den schwarzen Sumpf mal aufmischen." Die Wahlverweigerer kann er nicht verstehen: "Zwischen Gleis Süd und Rauschbart kann man doch locker einen Zwischenstopp am Wahllokal machen."
Ein Last-Minute-Wähler entspannt sich noch schnell, ehe es zur Urne geht: Alex Raible, Schreinermeister gebürtig in Horb: "Ich habe noch eine Mountain-Bike Tour gemacht. Doch nachher geht es zur Urne", sagt er gegen 16 Uhr.

Ganz schön ins Schwitzen kamen gegen 20 Uhr Wolfgang Kronenbitter im Wahlstudio. Alle 25 Wahlbezirke waren schon ausgezählt, nur Mühringen fehlte noch (gut 650 Wahlberechtigte). Weil der Wahlvorstand nicht zu erreichen war, wurde in der Not Mühringens Ortsvorsteherin Monika Fuhl angerufen. Die fuhr hoch und gab sozusagen das Handy weiter. Kronenbitter sagt: "Ein Fehler. Die prüfen noch, was los ist." Um 20.31 kam dann endlich der erlösende Anruf aus Mühringen ...

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