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Das kann teuer werden für den Horber Architekten: Das Rathaus fordert jetzt 1,4 Millionen Euro Schadensersatz für den Baupfusch im Neckarbad. Das bestätigt das Landgericht Rottweil.

Horb - Das Neckarbad erholt sich gerade von der Mega-Schließung. Die Besucherzahlen sind nach der Wiedereröffnung des Familienbades wieder auf Normalkurs – und alle genießen die Plitsch-Platsch-Idylle.

Kamen im ersten Halbjahr 2019 – bevor der Baupfusch entdeckt wurde – 29. 347 Besucher, sind es jetzt bis zum Ende Juni schon 24 .815.

Erfreulich: Denn der beliebte Familienbereich wurde erst am 13. April diesen Jahres wieder eröffnet.

Neue Besucherrekorde

Und in der zweiten Jahreshälfte könnte die Besucherzahl neue Rekorde erreichen. Denn: Im Neckarbad wird es wohl auch in der kalten Jahreszeit weiterhin kuschelig warm bleiben.

Am Freitag war das Wasser im Schwimmerbecken fast 28 Grad, im Nichtschwimmerbecken 32,5 Grad.

Bleibt das so, auch wenn die Gaspreise auf Rekordniveau sind?

Bundesweit drehen schon die ersten Hallenbäder die Wassertemperatur runter. So haben die Stadtwerke München die Badetemperatur von bisher 27 Grad auf etwa 22 Grad heruntergeschraubt.

Keine Wasserabkühlung

In Horb ist das bisher keine Option, so Rathaussprecherin Lia Ruess: "Wir haben langfristig gesicherte Gaspreise bis ins Jahr 2024. Gleichwohl beschäftigen auch wir uns heute schon mit der Thematik, wie gesamtgesellschaftlich mit den hohen Gaspreisen, Lieferengpässen und Energiekosten umzugehen ist. Deshalb eruieren wir gerade, wie wir den höchsten Einsparaspekt mit der geringsten Belastung für unsere Kundinnen und Kunden erzielen können. Durch unsere langfristigen Gaslieferverträge besteht aber derzeit kein Defizit aufgrund der steigenden Energiepreise."

Das heißt: Für die Horber Badegäste bleibt es auch in der kalten Jahreszeit kuschelig warm im Neckarbad.

Der Baupfusch und seine Folgen

Heiß werden könnte es aber dem Horber Architekten Bernhard Eberhard. Er hatte nach Ansicht des Rathauses den Baupfusch im Neckarbad zu verantworten.

Am 11. März 2019 wurden plötzlich die Fliesen im Kinderbereich weggesprengt – durch Baupfusch. Seitdem ist das Bad geschlossen. Experten und Gutachter nahmen den Bau auseinander und stellten fest: Bei der Sanierung im Jahr 2010 wurde heftig gepfuscht.

Das Rathaus verklagt den Architekten deshalb in Rottweil. Torsten Hub, Vizepräsident des Landgerichts: "Die Klägerin hat nach Durchführung großer Teile der Sanierung mit Schriftsatz vom 22. April die Klage um rund 350. 000 Euro auf nunmehr rund 1,4 Millionen Euro erweitert. Die Klageerweiterung wird nun zugestellt!"

Klartext: Die Beseitigung des Baupfuschs ist noch mal 350.000 Euro teurer geworden als geplant. Doch es könnte noch teurer werden.

Rathaussprecherin Ruess: "Wir haben im Gemeinderat im September 2019 mitgeteilt, dass bei der Sanierung mit reinen Baukosten von mindestens 920.000 Euro zu rechnen ist. Im Laufe des Sanierungsverfahren konnten die Mängel nunmehr näher festgestellt werden. Der Streitwert liegt im Moment bei rund 1,4 Millionen Euro Baukosten einschließlich Nebenkosten für Planung und Gutachten. Die Maßnahme ist aber noch nicht abgerechnet!"

Gerichtstermin am 1. Dezember

Bisher hatte der Gemeinderat für die Sanierung 1,1 Millionen Euro im Haushalt bereitgestellt. Und weil der nächste Gerichtstermin in Rottweil am 1. Dezember angesetzt ist, können Rathaus und die Kommunalpolitiker hoffen, dass sie vielleicht pünktlich zu den Haushaltsberatungen zum Jahreswechsel vor Gericht erfolgreich waren.