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Horb Haugenstein: Wie viel Geld wirft Siedlung ab?

Von
Foto: Schülke

Horb - Der Ärger auf dem Haugenstein belastet vor allem die Bewohner. Aber auch Personen, die dort wegen schlechter Erfahrungen schon längst ausgezogen sind, melden sich jetzt zu Wort – zu einem abschreckenden Beispiel, was aus Immobilien des Bundes werden kann.

Ein Blick zurück auf alte Zeitungsberichte: "Wem gehört der Haugenstein? – Investoren streiten um Siedlungshäuser und die Nebenkosten". Oder: "Ein neuer Anlauf zum Haugen­stein-Verkauf? Bundesimmobilien-Anstalt (BImA) verhandelt ›intensiv‹ mit Interessenten".

Geschrieben in den Jahren 2010 und 2011 illustrieren sie Kapitel der Geschichte einer einst bundeseigenen Immobilie, die Geschichte des Haugensteins, wo seit Jahren Hunderte von Bewohnern zwischen Bangen, Hoffen und Frust mitverfolgen, was aus ihrer Wohnsiedlung wird.

Und seit Jahren wird über den Grund des Übels spekuliert: Inkompetenz der Beteiligten? Politisches Versagen auf breiter Front? Staatsbürokratischer Leerlauf? Das beinahe Tragische daran: Schon vor Jahren haben Bewohner des Haugensteins gesehen, in welche Richtung ihre Siedlung driftet. Schon unter dem alten Eigentümer, dem Bund, gab es immer wieder Beschwerden, und es mangelte nicht an politischen Inszenierungen. Und schon damals sind einige Bewohner dort ausgezogen – obwohl sie ganz gerne geblieben wären, weil ihnen der Haugenstein am Herzen lag.

Rückblick: Der heutige Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel musste 2008 eine Schlappe hinnehmen, als der von ihm gemeldete Haugen­stein-Verkauf an die Balthasar-Vermögensgesellschaft platzte. In der Siedlung gab es damals schon Ärger, und schon Jahre vorher war sich die BImA mit der städtischen Baugesellschaft Horb nicht einig geworden. Diese hatte ein Kaufangebot gemacht, mit dem Ziel, die Siedlung zu sanieren.

Immerhin blieb Fuchtel 2008 am Ball und bat den Bundesrechnungshof zu prüfen, ob beim Verkauf alles korrekt gelaufen war. Den Verdacht, die BImA habe einen zu hohen Preis angesetzt, konnten die höchsten Finanzhüter des Bundes damals nicht bestätigen. Sie attestierten der BImA tadelloses Vorgehen.

Dann wurde das Gelände mit seinen Häusern Ende 2010 an die Horb Invest GmbH und Co. KG verkauft, die versprach: "Wir wollen eine schöne Wohnanlage gestalten".

Was politisch als der lang ersehnte Durchbruch verkauft wurde, erwies sich abermals als trügerische Hoffnung. Denn in den Folgemonaten gab es Zoff in der Firma. Andreas Osbelt wurde alleiniger Gesellschafter der Horb Invest GmbH. Sein einstiger Partner Dietmar Demczenko, der privat und mit seiner Deco-Gruppe insgesamt 49 Prozent der Anteile gehalten hatte, war plötzlich aus dem Geschäft.

Anwohner und Öffentlichkeit konnten über die Hintergründe nur spekulieren – es war ja jetzt auch reine Privatsache unter Investoren.

Doch ob BImA oder privat, rein rechtlich hatten die Anwohner bislang immer schlechte Karten. Selbst jetzt hat der Heizkraftwerk-Betreiber Osbelt die Fernwärmeverordnung auf seiner Seite, wenn er den Bewohnern das Warmwasser abstellt (wir berichteten).

Feld für Spekulationen bleibt offen

Der Ärger sitzt tief – und gärt weiter. Denn jetzt melden sich auch ehemalige Anwohner zu Wort, denen beim Lesen der Berichte der Kragen platzt. Zum Beispiel Roland G. (Name geändert). Er schreibt: "Als ehemaliger Haugensteiner habe ich die Wohnsiedlung mit meiner Familie vor fünf Jahren Gott sei Dank zum wohl passenden Zeitpunkt selber verlassen, weil durchaus abzusehen war, wo das Ganze hinführen wird."

Für Roland G. war der Auszug mithin schmerzlich, wohnte er doch seit seiner Kindheit in den frühen 80er-Jahren dort. Und aus ebenso schmerzlicher Erfahrung zweifelt G. auch heute an den Verlautbarungen. Er glaubt nicht, dass Andreas Osbelts Aussage stimmt, dass ihm lediglich das Heizkraftwerk auf dem Haugenstein noch gehört. Der ehemalige Haugen­steiner G. ist im Internet auf eine Inserat der Horb Invest GmbH & Co. KG gestoßen, in dem mindestens eine Haugenstein-Wohnung zum Verkauf angeboten wird.

Das allein klärt zwar noch nicht die Eigentumsfrage, doch ein anderer Fakt legt nahe, dass die Eigentumsverhältnisse zumindest so geregelt sind, dass der Haugen­stein gutes Geld abwirft – nämlich mit den Photovoltaikanlagen auf den Hausdächern. Sie werden laut Eintrag im Internet von der Horb Energie GmbH und Co. KG betrieben (an der Osbelt beteiligt ist).

Auf der Internetseite solarlog.dachkraft.com/HorbEnergie kann man sich sogar die Logs der kompletten Anlage Tag für Tag ansehen und auch gleichzeitig den eingefahrenen Gewinn, insgesamt ein sechsstelliger Betrag.

Roland G. kommt das in Nachhinein noch merkwürdig vor: "Was mir schon bei den damaligen ersten Verkäufen von ›Oberwohnungen‹ zu Ohren gekommen ist, war, dass es wohl irgendeine Auflage/Bedingungen gegeben haben soll, sodass Herr Osbelt wohl immer im Besitz der Dachflächen bleibt, da er ja sonst im Falle eines Falles durchaus Probleme hätte, zu seinen Photovoltaikanlagen vorzudringen. Man sprach in der Anlage immer dann davon, wie es sein kann, eine Wohnung zu erwerben, die quasi kein Dach besitzt." Doch darüber sei bei den Eigentümern nie gesprochen oder sogar öffentlich berichtet worden – was G. ebenfalls seltsam findet.

Zu den Zusammenhängen befragt, unterstreicht Andreas Osbelt, was er bereits in einer Presseerklärung ausgeführt hat: "Die Horb Energie ist lediglich Lieferant der Fernwärme für diese Wohnungseigentümergemeinschaften, mit denen auch die Verträge bestehen. Probleme zwischen Mietern, Eigentümern und Hausverwaltern betreffen nicht die Horb Energie." Die im Zusammenhang mit den Solaranlagen genannte Zahl sei falsch.

Also bleibt das Feld für Spekulationen offen: Lief das Geschäftsmodell Haugenstein von Anfang an auf den Betrieb von Photovoltaikanlagen hinaus? Für die Wohnungseigentümer wäre das eine weitere bittere Erkenntnis

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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