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Horb/Freudenstadt So trifft das Coronavirus die Region

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Mitarbeiter im chinesischen Xi’an tragen Schutzkleidung bei der Herstellung von Atemschutzmasken. Die Zahl der Infektionen und Todesopfer durch die Lungenkrankheit aus China ist erneut gestiegen. Foto: Liu Xiao/XinHua

Horb/Freudenstadt - China ist weit weg, aber das Coronavirus beschäftigt auch die Region. Vor allem Unternehmen, die in China Standorte haben, müssen sich zwangsläufig mit dem Thema auseinandersetzen.

Das Coronavirus und der Kreis Freudenstadt – der Schwarzwälder Bote zeigt, welche Auswirkungen es bereits bei uns gibt.

KLF: kein Verdachtsfall

Im Helios Krankenhaus in Rottweil gab es den ersten Verdachtsfall (der sich nicht bestätigte), im Freudenstädter Krankenhaus ist die Lage (noch) ruhig. "Bei uns gibt es bisher keine Verdachtsfälle", so Cornelia Schreib von der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF). Doch auch wenn es Fälle geben sollte, sei die KLF sehr gut vorbereitet.

Apotheken: Masken weg

"Am Mittwoch wurde unser gesamter Bestand an Atemschutzmasken aufgekauft", berichtet Monika Rönfeldt-Büttel, Inhaberin der Neckar-Apotheke am Bahnhofsareal in Horb. Der Versuch, Nachschub zu ordern, scheiterte. "Der Großhandel kann derzeit nicht mehr liefern." Die Apothekerin warnt allerdings vor Panikmache. Der Einsatz dieser Masken mache wenig Sinn. Erste Vorsichtsmaßnahme sei regelmäßiges Händewaschen. Auf die aktuelle Situation hat die Apotheke reagiert. Alles zum Thema Desinfektion wird an exponierter Stelle präsentiert. Aber auch in diesem Bereich gebe es erste Lieferengpässe.

Hesse-Kolleg: keine Panik

Das Hesse-Kolleg hat immer wieder auch Sprachschüler aus China zu Gast. Ein paar Dutzend Chinesen sind es auch aktuell, wie Leiter Eden Volohonsky berichtet: "Diese Schüler sind aber bereits seit einigen Monaten hier. Also lange vor dem Ausbruch." Grundsätzlich hat er aber keine Angst vor Ansteckung. Augenzwinkernd sagt Volohonsky: "Wenn mir jemand ein Flugticket nach China hin, fliege ich da ohne Mundschutz hin."

Fischer: Reise-Verzicht

Die Waldachtaler Unternehmensgruppe Fischer hat für ihre rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in China Atemschutzmasken gekauft – und zwar in Deutschland. Das teilt ein Sprecher des Unternehmens mit. Die chinesischen Mitarbeiter von Fischer würden nämlich in China wegen des Coronavirus derzeit keine Atemschutzmasken mehr im eigenen Land erhalten.

Alle Masken seien ausverkauft. Insgesamt habe das Unternehmen 4000 Atemschutzmasken für knapp 20 000 Euro besorgt. 2000 Masken seien per Luftfracht nach China geliefert worden. Die verbleibenden 2000 Masken lagere das Unternehmen zunächst ein, um gegebenenfalls schnell auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können. Firmeninhaber Klaus Fischer sagt: "Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme für unsere Belegschaft in China." Auf Dienstreisen nach China verzichte das Unternehmen bis auf Weiteres.

Fischer ist in China mit seinen Sparten "Befestigungssysteme" und "Automotive" in Taicang bei Schanghai vertreten. Mit dem Bereich "Consulting" sowie einer Einkaufsgesellschaft ist Fischer direkt in Schanghai angesiedelt.

Gläser: Arbeit von daheim

Die Horber Gläser GmbH, Maschinenbauunternehmen mit den Leistungsbereichen Hydraulik und Technische Sauberkeit, hat seit 2015 eine Niederlassung in Nanjing in der chinesischen Provinz Jiangsu. Die Stadt ist circa vier Autostunden von Wuhan, dem Zentrum des Virus-Ausbruchs, entfernt. "Glaeser (Nanjing) Co. Ltd." hat ihren Sitz in einem Gebäudekomplex der Firma Sharehouse, zusammen mit anderen Firmen, viele aus Baden-Württemberg. "Unser Labor ist derzeit geschlossen, weil auch das gesamte Sharehouse geschlossen ist", erklärt eine Sprecherin von Gläser auf Anfrage. "Unsere Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus, soweit das möglich ist." Dabei handelt es sich ausschließlich um chinesische Mitarbeiter. Deutsche Kollegen seien nicht vor Ort.

Dominik Nowak, Unternehmensberater von Sharehouse, berichtet: "Von jeder Stadtregiergung gibt es derzeit eine Anordnung. Die Ferien wurden bis zum 10. Februar verlängert. So lange bleibt unser Sharehouse geschlossen. Wir respektieren diesen Wunsch der Regierung." Derzeit gehe man davon aus, dass es ab dem 10. Februar wieder weitergehen kann. "Aktuell kann das aber niemand sagen." Nowak selbst wollte in zehn Tagen nach China fliegen. Dieser Plan ist aber nun gestrichen. "Es ist ja eh keiner da."

IHK: Folgen für Wirtschaft

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald geht davon aus, dass das Coronavirus Auswirkungen auf die Wirtschaft im Nordschwarzwald haben wird. "Gerade für die Unternehmen in der Region ist China einer der wichtigsten Handelspartner", so Martin Keppler, Hauptgeschäftsführer der IHK. Es sei zu erwarten, dass die Krankheit zunächst den Binnenkonsum in China belaste und in Folge dessen die Wirtschaftsleistung des Landes bereits im ersten Quartal. "Die deutschen Unternehmen vor Ort gehen davon aus, dass auch ihr eigenes Geschäft eingeschränkt sein wird", so Keppler.

Ob und in welchem Maße langfristig aufgebaute Lieferketten betroffen sein werden, sei im Moment noch nicht absehbar. Viele deutsche Firmen in China arbeiten wegen des dortigen Frühlingsfests bereits seit Ende voriger Woche mit reduzierter Besetzung. Jetzt hätten Firmen mit einer Verlängerung der Feiertagsschließung reagiert, teils bis zum 9. Februar.

Dienstreise würden zurückgefahren und durch mehr Telefonkonferenzen ersetzt. Darüber hinaus gebe es Pläne für Schutzvorkehrungen. Firmen überlegen auch, wie sie notfalls mit verkleinerter Mannschaft noch produzieren könnten. "Insgesamt ist eine stark eingeschränkte Reisetätigkeit zu verzeichnen", so Keppler.

Die deutschen Auslandshandelskammern hätten eine Hotline für die Unternehmen eingerichtet. Sie seien "trotz der schwierigen Lage" erreichbar. Auch die IHK Nordschwarzwald informiere ihre Mitgliedsunternehmen.

Reisebüro: entspannte Lage

In der Flugbörse Reisebüro Klumpp in Freudenstadt gehen die Geschäfte derweil ihren gewohnten Gang. "Wir haben sehr viele Reisen nach Asien, sowohl von Privat- als auch Geschäftskunden. Aber nicht speziell nach China", so Geschäftsführer Matthias Klumpp.

Gefragt seien Flüge nach Bali, Thailand, Japan und Indonesien. Einige Veranstalter hätten Rundreisen in China aktuell aus dem Programm genommen. Reisewillige seien im Moment jedenfalls sehr gelassen. "Normalerweise sind sie in solchen Dingen supervorsichtig, so Klumpp.

Ihm sei jedoch auch keine Warnung oder gar ein Verbot von Reisen nach China bekannt.

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