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Horb/Freudenstadt Scheitert Coronavirus-Abstrich an Bürokratie?

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Der Abstrich scheiterte wohl an der Kreisgrenze. (Symbolfoto) Foto: dpa

Horb/Freudenstadt - Corona-Infekt nicht ausgeschlossen – und jetzt? Jürgen L. aus Horb hatte am Freitag die Empfehlung seines Hausarztes bekommen, sich auf das Virus hin untersuchen zu lassen, und sich zunächst vergeblich um einen Abstrich-Termin bemüht. Landrat Klaus Michael Rückert regelte die Angelegenheit am frühen Abend.

"Ich bin einigermaßen fassungslos", so der 56-Jährige am Nachmittag resigniert. Sein Problem: L. hatte nach einem Besuch am Rhein, auf deutscher Seite, seit Anfang der Woche Infektbeschwerden und war nach eigenen Angaben auch beim Hausarzt – in Sulz im Kreis Rottweil. Als sich die Beschwerden im Lauf der Woche verschlimmert hätten, habe er sich erneut an den Arzt gewandt. Der schrieb ihn für eine Woche krank und empfahl ihm nach Schilderung der Symptome am Telefon, einen Abstrich nehmen zu lassen.

Mit dieser Aufforderung habe er im Gesundheitsamt Freudenstadt angerufen, sei dort aber abgewiesen worden. Ohne Überweisung gehe gar nichts, im Übrigen sei das Gesundheitsamt in Rottweil für ihn zuständig – weil die Praxis dort ihren Sitz habe. "Dabei wohne ich im Kreis Freudenstadt, solange ich lebe", so Jürgen L. Der Hausarzt habe noch versucht, Kontakt mit den Rottweiler Behörden herzustellen, allerdings sei der Rückruf von dort zunächst ausgeblieben. "Keine Ahnung, was ich jetzt machen soll", so der Horber, "ich hoffe, dass ich das Virus nicht habe."

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Um 18.20 Uhr schaltete sich die Spitze des Landratsamts Freudenstadt in die Sache ein. "In einem solchen Fall sind Zuständigkeiten völlig nachrangig. Dem Mann wird sofort geholfen", so Rückert. Der Arzt Wolfgang von Meißner von den Hausärzten am Spritzenhaus in Baiersbronn – die Praxis nimmt die Abstriche – nahm umgehend Kontakt auf zum Patienten aus Horb.

Mittlerweile hat sich auch geklärt, warum sich L. zunächst vergebens um einen Abstrichtermin bemühte. "Da lief etwas in der Kommunikation schief. Es kam nicht an, dass der Mann aus Horb kommt", so von Meißner. Mittlerweile seien auch die Informationen präzisiert worden. Es würden in Baiersbronn alle Verdachtsfälle untersucht, wenn die Patienten im Landkreis Freudenstadt wohnen oder ihren Hausarzt im Kreis Freudenstadt hätten, auch wenn sie andernorts mit Wohnsitz gemeldet sind. "Wir haben großes Interesse daran, in jedem Fall rasch Klarheit zu bekommen", so von Meißner. So sei auch ein Student untersucht worden, er in Freiburg offiziell gemeldet ist, jedoch aus Baiersbronn stammt.

Der Arzt bittet noch mal eindringlich darum, nicht auf eigenen Antrieb zu einem Abstrichtest zu kommen. "Jeder muss über den Hausarzt bei uns angemeldet werden, sonst bricht das System zusammen." Gehe das Fax des Hausarztes bis 12 Uhr ein, erfolge der Abstrich in aller Regel noch am selben Tag. Bis Freitagabend hatten die Ärzte in Baiersbronn 129 Abstriche genommen. Wer keinen Hausarzt habe, könne sich an die "Ärzte am Reichenbach" in Klosterreichenbach wenden, Telefon 07442/30 22.

Übrigens: Beim dritten bestätigten Coronafall handele es sich um einen Patienten aus Rottweil, der in Baiersbronn untersucht wurde. Laut von Meißner war er in Ischgl in Tirol, wie alle bislang bestätigten Infektionsfälle. Derweil stuft der Arzt die Lage im Landkreis als "besorgniserregend" ein. "Wir danken ausdrücklich den Handwerksbetrieben in Baiersbronn, die uns mit Asbest-Schutzanzügen und Atemschutzmasken versorgt haben", so von Meißner. Weitere Schutzkleidung werde benötigt, bei Anzügen reiche die Kategorie drei.

Gute Nachricht übrigens für Jürgen L. aus Horb: Er sei mittlerweile in Kategorie drei eingestuft, in dem ein Abstrich nach ärztlichem Ermessen erfolgen könne, nicht in Kategorie eins oder zwei mit höchster Dringlichkeit. Darunter fallen Menschen mit Beschwerden, die in Risikogebieten waren oder direkten Kontakt mit einem Infizierten hatten. L. habe sich dennoch freiwillig in Quarantäne begeben und solle am Montag untersucht werden.

Jürgen L. hat außerdem seine ursprünglichen Pläne zurückgenommen und ist doch nicht selbst zum Einkaufen gegangen. "Meine Frau hat das gemacht", so L., "die anderen Menschen können schließlich nichts dafür."

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