Der Horber Frühling 2025 gelingt. Statt fester Bühnen und Programm gibt es diesmal Spontan-Auftritte. Warum das wohl auch der Durchbruch für den Kunsthandwerker-Markt war.
Der Horber Frühling muss sparen. Nelly Asprion vom „einzigartig“-Kunstkaufhaus in der Gutermannhalle hat sogar Angst, dass es diese Veranstaltung in Zukunft nicht mehr gibt. Von wegen!
Hand in Hand mit seiner Janet spaziert Horbs OB Peter Rosenberger (CDU) in die Gutermannstraße ein. Der Startschuss zum Horber Frühling. Rosenberger: „Wir sind in einer schwierigen finanziellen Zeit unterwegs. Wir überlegen gerade mit dem Gemeinderat, wo wir reduzieren. Auch bei Veranstaltungen. Gut, dass der Gemeinderat entschieden hat: Wenn Horb mal aufhört zu feiern, dann sind wir eine arme Stadt.“
Dann beginnen die Bläserklassen aus Dettingen, Betra, Bittelbronn und Altheim auf dem Asphalt vor der Gutermann-Grundschule „We will rock you“ zu intonieren. Der OB setzt sich neben Stadtmarketing-Chefin Claudia Beuter. Rosenberger in kurzem T-Shirt, Beuter in der Pelzjacke. Trotz Sonne windet es gar heftig. Der OB optimistisch, Beuter wetter-skeptisch.
So kreativ spart Beuter Und weil der Horber Frühling sparen muss, hat Beuter eine clevere Idee: Setzen wir nicht auf feste Bühnen und Programm. Sondern legen den Besuchern – so wie in zwei Wochen – ein Überraschungsosterei ins Nest. Auf dem Marktplatz intoniert Ben von der Musikschule auf dem Saxofon „Halleluja“, vor dem Dolce Vita gegenüber der Polizei bezaubert „Klausine Klücklich“ jung und alt mit Seifenblasen. Die Klausine heißt übrigens Sarex.
Clever: Der Kunsthandwerkermarkt von Michael Lepple ist diesmal auf dem Flößerwasen-Marktplatz Richtung Schillerstraße. Hier rockt Jasmin Geyer mit den Kids und Erwachsenen der Tanzschule am Neckar die Pflastersteine, und Lepple hat ein breites Grinsen im Gesicht: „Die Kaufzurückhaltung beim Kunsthandwerkermarkt in Horb ist vorbei. Ich glaube, das kann man diesmal als Durchbruch bezeichnen. Gut, dass wir uns hier direkt in der Einflugschneise aus Richtung Bahnhof platziert haben.“
Davon profitiert auch die Galerie Moosgrün von Ellen Williams. Nicht nur die Manufaktur ist voll, auch der Tisch mit Kindern, die basteln. Auch in den Geschäften ist jede Menge los, und auf der Gutermannstraße hat Bettina Raible vom DRK was ganz neues: Die DRK-Waffel. Sie sagt gegen 16 Uhr stolz: „Wir können nicht nur Pflaster, sondern auch Waffeln!“
Auch der schwäbisch-elsässische Markt ist gut besucht. Egal, ob im Flohmarkt der Stadtbibliothek stöbern oder eine der leckeren elsässischen Spezialitäten genießen – der Duft von Dinnede und Flammkuchen von Michel Gallmann zieht über den Marktplatz. Martine Motz und Joelle füllen schon den Bio-Glühwein nach – so hoch ist die Nachfrage trotz Sonne. Der Blickfang steht direkt vor dem Hotel Schiff: Anne Paulsen und Jean Pierre Knaubert mit Marmeladen und Sirups. Unter anderem von der Mistel.
Doch so wie Majestix daraus Zaubertrank macht, so hilft Gemeinderätin Silke Wüstholz (CDU) Jean Pierre beim Styling. Eigentlich hatte Anne die Haube für die elsässische Tracht auf dem Zimmer wegen des Windes. Doch während sie das I-Tüpfelchen fürs Foto auf dem Kopf richtig festzieht, richtet Wüstholz das schwarze Schleifle von Jean Pierre. Und kaum hat Anne die Haube auf, lässt sie sie auf und lockt noch mehr Kunden an ihren Stand.
Das Herz der Schokolade gibt es im Kloster Der Theatersaal im Kloster ist fast voll besetzt, als Aldo Daniel Chipana aus Bolivien die Kakaofrucht hochhebt: „Die hat meine Familie vor einer Woche geerntet. Sie ist tiefgefroren, wer will sie mal heben?“ Ganz schön schwer. Handfester Hintergrund zu Fair Trade. Chipana: „Auf dem ungeregelten Markt bekommt meine Familie 200 Euro für 100 Kilo Kakaobohnen. Für Fair-Trade Ware 700 bis 800 Euro.“
Und welche Rolle das Überleben des Stärkeren in der Erziehung spielt, darüber referiert Evangelia Kriegel. Ihr Thema: Evolutionspädagogik.
Das Kunstkaufhaus ist voller Leben Auch im „einzigartig“-Kunstkaufhaus in der Halle der Gutermann-Grundschule ist richtig gute Stimmung, berichtet Nelly Asprion vom Förderverein für deutsch-französisches Kunsthandwerk. Mathieu konzentriert sich auf die Gestaltung seiner Keramik-Figuren, Gaby Kretz posiert lachend mit einer Freundin, und Olga Saison präsentiert ihren Schmuck direkt am Model. Asprion: „Alle Kunsthandwerker sind glücklich und zufrieden – es herrscht eine tolle Stimmung. Dazu die vielen Besucher am Sonntag. Ich hoffe, das war nicht das letzte Mal. Es heißt, der Horber Frühling soll eingespart werden.“
An der Tourist-Info mit dem Kinderkarussel läuft CDU-Fraktionschef Michael Keßler vorbei. Er sagt: „Die Stadt ist voll. Der Horber Frühling läuft. Ich sehe überhaupt keinen Grund, diese Veranstaltung einzusparen.“ Claudia Beuter: „Im Gegenteil. Das Wetter hat gestimmt, die Veranstaltung hat viele Besucher gezogen. Machen wir weiter so!“