Britta Reimer besuchte mit Michael Theurer den Aussiedlerhof der Familie Schäfer in Betra. Foto: Morlok

Landwirt Schäfer berichtet von nicht immer so einfachen Rahmenbedingungen. Papierkrieg mit den Behörden.

Horb-Betra/Kreis Freudenstadt - Britta Reimer, unter anderem FDP-Mitglied im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments, besuchte zusammen mit Michael Theurer den Aussiedlerhof der Familie Schäfer in Betra.

 

Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisbauernverbands Freudenstadt, Stefan Schäfer, war es eine willkommene Gelegenheit, seine Sicht auf die aktuelle Agrarpolitik der EU, die nicht immer parallel mit seiner eigenen Vorstellung läuft, zu erläutern.

Mit der EU-Parlamentarierin Reimers hatte er nämlich eine Frau am Tisch, die sich mit den Sorgen und Nöten der Landwirte auskennt. Sie selbst betreibt mit ihrem Mann eine große Milchviehhaltung. Der Betraer Landwirt kannte sie aus der Zeit der "heißen Milchpreisphase". Er besuchte sie damals zusammen mit anderen Landwirten der Region in Straßburg. Beim Hofrundgang wurden deshalb auch bereits die ersten Themen angerissen, die man dann später in der politischen Diskussion vertiefte.

Beeindruckt zeigte sich die Parlamentarierin über den "freien Kuhverkehr" im großen Stall der Schäfers, in dem derzeit 80 Milchkühe untergebracht sind. Sie führen ein recht gutes Leben, während sich ihr "Chef" über die kleinparzellierte Flächenstruktur rund um seinen Hof so seine Gedanken macht und über die in der EU-Reform geforderten fünf Prozent Greening den Kopf zerbricht.

Gerade das Greening, also die von der EU geforderten Agrarreformen, sind ein heißes Eisen, das den deutschen Landwirten unter den Nägeln brennt. Für die Praktikerin im EU-Parlament steht fest, dass die Reformen zum jetzigen Zeitpunkt durchverhandelt sind und man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen muss. "Wenn wir nochmals so reformieren, dann explodiert das Ding", so ihre Einschätzung.

Der Chef des Freudenstädter Landwirtschaftsamts, Norbert-Jakob Förch, fügte an, dass Baden-Württemberg sowieso schon "naturbegreent" sei. "Die Diversität die wir – sprich die EU – wollen, sind bei uns bereits gegeben, und nicht die deutschen Landwirte sind die Bösen, sondern zum Teil unsere EU-Nachbarn". Britta Reimer sah sich ob dieser herben Kritik am »Greening« doch genötigt, es ein wenig zu verteidigen. "Man kann die EU-Vorgaben nicht über einen Hut scheren – jedoch laufen dazu Gespräche mit Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die für die deutschen Bauern Erleichterungen bringen sollen."

Britta Reimers warnte auch vor der überbordenden Ökologie. Für sie ist es wichtig, dass man sich im Klaren wird, was man von politischer Seite aus für die Zukunft der Landwirtschaft will. Einige wenige Großbetriebe oder weiter den mittelständischen Betrieb, bei dem der Bauer noch an seiner Scholle hängt.

Ein weiteres heikles Thema, die Bürokratie, brachte Michael Theurer in die Diskussion. Er teilte mit, dass künftig die Einsetzung von Bagatellisierungs- und Pauschalisierungsbeträgen den Papierkrieg mit den Behörden vereinfachen. "Unsere Passion ist Ackerbau und Viehzucht – nicht Büroarbeit", stellte Schäfer mit Nachdruck fest. Ein weiteren Aspekt, den er immer wieder in die Gesprächsrunden einbringt, ist die Forderung nach einer steuerfreien Risikorücklageversicherung für die Landwirte. Hagel und Unwetter machen ihnen in diesem Jahr das Leben besonders schwer. Ein Wunsch, der Britta Reimers wohl bekannt ist und auf Bundesebene von ihrer Partei unterstützt werde. "Auf EU-Ebene können wir hier nichts machen, da wir uns nicht in Steuersachen einmischen dürfen", so Theurer.

Für enorm wichtig wurde von allen Seiten eine finanziell gut ausgestattete Junglandwirteförderung – gerade bei Betriebsgründungen – angesehen. "Ohne diese Förderung hätten wir’s nicht gepackt", gab der Landwirt zu. Für ihn hat solch eine Förderung auch einen gesamtgesellschaftlichen Aspekt, da mit ihr Wertschöpfung in eine Region kommt.