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Horb/Dornstetten Betrogene Betrügerin bleibt auf Ware sitzen

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Mit zwei Betrugsfällen hat sich das Amtsgericht in Horb befasst. Foto: Hopp

Horb/Dornstetten - Gute EDV-Kenntnisse, eine ordentliche Portion jugendliche Dummheit, gepaart mit etwas krimineller Energie führten zwei junge Leute aus einem Nachbarkreis vor das Horber Amtsgericht.

Die Staatsanwaltschaft warf insbesondere der Frau, die früher im Kreis Freudenstadt wohnte und arbeitete, vor, dass sie bei einer bekannten Handelsplattform im Internet mehrere "Fake"-Profile mit falschen Angaben zu ihrer Person angelegt hatte, um dadurch die Möglichkeit zu bekommen, in betrügerischer Absicht gutgläubige Plattform-Nutzer übers Ohr zu hauen. Zudem gelang es ihr, das Bezahlsystem "Paypal" zu hacken, um so scheinbar nachweisen zu können, dass sie ihre "Einkäufe" auch tatsächlich bezahlt habe.

Eine Kombination, die es ihr in zwei Fällen ermöglichte, Waren in Höhe von 1800 Euro und 1500 Euro in ihren Besitz zu bringen. Die Ware – einmal war es ein Diamantring und einmal eine hochwertige Digitalkamera – wollte sie später verkaufen, um dadurch aus ihrer prekären finanziellen Situation zu kommen. Ihr Freund fuhr sie jeweils zum Übergabeort der Ware.

Anfangs klappte es mit dieser "Verdienstmöglichkeit" ganz gut, doch schnell erstatteten die Geschädigten Strafanzeige, und die polizeiliche Ermittlungsarbeit nahm ihren Lauf.

Bei einer Hausdurchsuchung bei der Frau in Dornstetten am 21. März 2016 fanden die Beamten neben der Digitalkamera noch eine Haschmühle samt sieben Gramm Marihuana. Aus diesem Grund warf ihr der Anklagevertreter Betrug in Tateinheit mit unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln und ihrem Partner Beihilfe zum Betrug sowie ebenfalls unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln vor.

Obwohl sich die heute 21-jährige Hauptangeklagte bei ihrer polizeilichen Vernehmung recht auskunftsfreudig gezeigt hatte, wollte sie vor Gericht anfangs von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. "Nein, ich werde nicht aussagen" erklärte sie zum Erstaunen aller Verfahrensbeteiligten, und auch der Freund litt am Anfang der Verhandlung an Gedächtnismangel. "Durch den immensen Stress, den die Verhandlung bei mir hervorruft, kann ich mich an fast nichts mehr erinnern" gab er zu Protokoll.

Amtsgerichtsdirektor Albrecht Trick ließ sich davon jedoch nicht beeinflussen und half sowohl dem jungen Mann als auch seiner Partnerin durch gezielte Fragen und den Hinweis, dass sich der Prozess dadurch in die Länge ziehen würde, dass er aufgrund ihrer Aussageverweigerung die Geschädigten aus Nürnberg und Karlsruhe als Zeugen laden müsse, auf die Sprünge.

Die junge Frau, die aus gutem Hause stammt und gerade dabei ist, sich in der Erwachsenenwelt zu etablieren, wie es die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe formulierte, gab dann doch die beiden Betrugsfälle unumwunden zu. "Ich habe im Internet gesucht, wie man schnell zu Geld kommt, und stieß auf die Betrugsmasche", erklärte sie.

Durch zwei von ihr verschuldete Verkehrsunfälle sei sie in finanzielle Schieflage geraten und habe gehofft, mit dieser Betrugsmasche ihr Konto sanieren zu können. Das nötige EDV-technische Know-how habe ihr jedoch nicht ihr mitangeklagter Partner, der sich derzeit passenderweise in der IT-Branche selbstständig macht, vermittelt, sondern sie habe sich die notwendigen Programmier- und Arbeitsschritte aus dem Internet heruntergeladen.

Ihr Freund betonte auf Nachfrage des Richters, dass man durch gezielte Fragestellungen bei einer bekannten Suchmaschine an alle Infos – auch an die aus dem "Dark-net" – komme. Dass dies stimmt, bewies eine ausgedruckte Anweisung zum Anonymisieren von Personendaten, die die Polizei bei der Hausdurchsuchung bei der Angeklagten direkt neben dem Computer fand.

Dass aber nicht alle Angaben, die man im Netz findet, auch tatsächlich stimmen, bewies schon die Tatsache, dass der Diamantring, den sich die Angeklagte erschwindelte, von einem Juwelier, an den sie ihn verkaufen wollte, auf lediglich 60 Euro Wert taxiert wurde. Eine betrogene Betrügerin sitzt auf unverkäuflicher Ware und zahlt nun über 2000 Euro in Raten à 250 Euro an die Verkäuferin des Rings zurück. Der Kamerabesitzer kann seinen Besitz wieder abholen. Da die Kamera jedoch fast ein Jahr bei der Polizei in der Asservatenkammer lag, kann mit einem ordentlichen Wertverlust gerechnet werden, auf dem der Geschädigte sitzen bleibt.

Die Vertreterin der Tübinger Jugendgerichtshilfe empfahl dem Gericht, für die beiden Betrugsfälle noch Jugendrecht anzuwenden, da die Beschuldigte zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsende war und man ihr jugendtypische Defizite nicht absprechen könne. "Sie hat nach einer Art Vogel-Strauß-Taktik gehandelt und tatsächlich verdrängt, dass bei ihrem Vorgehen irgendjemand geschädigt wird." Sie empfahl dem Gericht, der jungen Frau dafür eine Verwarnung auszusprechen und ihr aufzuerlegen, dass sie jeweils mindestens ein Gespräch mit der Schuldnerberatung sowie der Suchtberatung zu führen habe.

Staatsanwaltschaft und Gericht folgten dieser Empfehlung. Ihr Freund wurde wegen Drogenbesitzes zu 200 Euro Geldstrafe verurteilt. Vom Vorwurf der Beihilfe zum Betrug wurde er freigesprochen. Noch im Gerichtssaal nahmen die beiden das Urteil an, die Staatsanwaltschaft verzichtete ebenfalls auf ihre Einspruchsmöglichkeit, sodass das Urteil rechtskräftig ist.

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Florian Ganswind

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