Links steht ein Haus zum Verkauf, rechts ist eine Baulücke: Ein Bild aus der Nagolder Straße in Talheim, das aber in ähnlicher Weise in vielen Teilorten existiert. Foto: Lück

"Horber Modell": Kauft die Stadt jetzt Baulücken auf? Expansive Ausweisung von Neubaugebieten verhindern.

Horb - Wie ist das Veröden der Stadtteile zu verhindern? Das Rathaus will jetzt mit einem neuen "Horber Modell" dafür sorgen, dass die Baulücken in den Orts- oder Stadtkernen gefüllt werden.

OB Peter Rosenberger: "Angesichts des prognostizierten Bevölkerungsrückgangs sollten wir das bestehende Modell überarbeiten." Damit soll die expansive Ausweisung von Neubaugebieten gestoppt werden und geschaut werden, ob man auch kleine Baugebiete in den Ortsteilen arrondieren kann. Dazu soll es Impulse geben, um Brachen im Dorfkern zu schließen.

Laut Stadtplaner Peter Klein ist die Zahl der Baulücken zwischen 2006 und 2013 um gut elf Bauplätze gestiegen. Insgesamt gab es in dieser Zeit 151 neue Plätze – überwiegend in Ortschaften. Damit Brachen im Orts- oder Stadtkern gefüllt werden, überlegt das Rathaus, ob es selbst diese Bauplätze aufkauft, entwickelt und verkauft. Dazu müssten aber Haushaltsmittel bereitgestellt werden. Altheims Ortsvorsteher Andreas Bronner kann dem zustimmen: "Wir haben zwei Bauplätze in unserer Hand. Die sind schlecht vermarktbar – auch nicht über den Preis. Im Ortskern haben wir Besitzer von Baulücken angesprochen. Doch die Leute sagen: Das Geld wird immer weniger wert. Der Wert meines Grundstücks steigt aber – warum soll ich verkaufen?"

In Isenburg bietet sich ein anderes Bild. Ortsvorsteher Jürgen Grassinger: "Wir haben kein Neubaugebiet. Bei uns füllten sich die Baulücken langsam. Was leer ist, wird relativ schnell verkauft."

Dettensees Ortsvorsteherin Ute Albers: "Uns wurde seit Jahren ein Neubaugebiet versprochen. Passiert ist nichts. Der Frust hat seinen Ventil gefunden in der Hauptversammlung des SSV, weil die Bevölkerung sieht, dass nichts passiert. Ich bin seit zwei Jahren mit Besitzern von Baulücken im Dorfkern im Gespräch. Doch keiner verkauft, solange Enkel oder Sohn noch da sind."

Laut Stadtplaner Peter Klein soll im neuen Horber Modell geprüft werden, wie wirtschaftlich die Ausweisung eines Neubaugebietes wirklich ist. Und dass es sinnvoller sein kann, bereits erschlossene Grundstücke, selbst wenn es nur ein oder zwei sind, nutzbar zu machen.

OB Peter Rosenberger sieht sich bei der verstärkten Konzentration auf die Innenentwicklung der Ortschaften mit Haus und Grund im Gleichklang: "Sobald wir Neubaugebiete ausweisen, sind Baulücken im Kern noch schwieriger zu vermarkten."

Gegenüber den Grundstücksbesitzern, die ihre Baulücken für später aufheben, will er neu argumentieren. Rosenberger: "Wir müssen die sehr, sehr schwierige Wahrheit der Bevölkerung nahe bringen. Dass sie angesichts der Mobilität der Jungen nicht davon ausgehen können, dass der freie Bauplatz später von den Kindern oder den Enkeln bebaut wird."

Doch ob das Horber Modell helfen kann? Fakt ist, so Stadtplaner Peter Klein, dass es im ländlichen Raum kein Trend zu Gebraucht-Immobilien gibt. Wenn die Menschen hier kaufen, dann wollen sie einen Neubau."

Bei der Vorstellung der Zielrichtung des neuen Horber Modells wurde auch mit Ortsvorstehern diskutiert. Dort wurden auch Ideen wie eine Grundsteuer C, ein Bauzwang nach dem Grundstückskauf oder das Verbot von Vorratskäufen entwickelt. FD/FW-Fraktionschef Alfred Seifriz warnt deshalb vor "einer Keule. Bauzwang oder Grundsteuer-Erhöhung wirken eher abschreckend."

Laut Rosenberger würde man mit dem neuen Horber Modell "keine Keulen schwingen. Den Bauzwang haben wir erst vor kurzem aufgelöst." Eine Grundsteuer C, so Joachim Patig, Fachbereichsleiter Zentraler Steuerungsdienst, darf man nach derzeitiger Rechtslage gar nicht erheben.

Jetzt will das Rathaus anhand von fünf Baugebieten mal exerzieren, was das alte und das neue Horber Modell bedeuten würde. Betroffen: Nordstetten/Schulstraße, Betra/Beim Kindergarten, Altheim, Dettensee/Großäcker und Grünmettstetten/Beim Friedhof. Das wurde einstimmig beschlossen.

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