Vogelscheuchen-Rüdi kämpft mit Keiler Patrick Graw noch ein bisschen um den Rathausschlüssel, allerdings hielt sich sein Einsatz in Grenzen. Foto: Peter Morlok

Die Bildechinger Narren entmachten den Rathauschef von Blockstreckerhausen – da hilft auch ein wichtiges Telefonat nicht.

Ab dem „Schmotziga“ ist alles anders. Fröhlicher, ungezwungener und bunter. Ab diesem Tag regieren die Narren und die Obrigkeiten werden ihre Ämter los. Das ist schon lange guter Brauch und gilt auch in diesem Jahr landauf, landab. Natürlich auch im Horber Stadtteil Blockstreckerhausen, der früher Bildechingen hieß.

 

Die Narren stürmten das Rathaus, befreiten aber vorher den Nachwuchs aus dem Kindergarten „Tüpfelchen“ und die Grundschüler vom Joch des Leistungsdrucks und nahmen sie gleich mit vor auf den Parkplatz von „Straubs Krone“, der zum Epizentrum ausgelassener Fröhlichkeit befördert wurde.

Keiler führen den den Rathaussturm an

Und dann war High Noon in Blockstreckerhausen. Seit Donnerstag, 12 Uhr, ist der frühere Stadtteil Bildechingen ganz in Narrenhand.

Der Bildechinger Narrensamen ist startklar für eine glückselige Fasnet. Foto: Morlok

Angeführt von den Keilern und mit tatkräftiger Unterstützung der Riedhexen sowie der Blockstrecker wurde Ortsvorsteher Rüdiger Holderried mit ordentlich Nachdruck aus seinem Rathaus herausgeholt.

Ortsvorsteher sperrt sich auf dem Klo ein

Da nutzte es ihm auch nichts, dass er behauptete, mit Friedrich Merz zu telefonieren und diese unbedingt auf dem Klo, in das er sich eingesperrt hatte, tun zu müssen. Die närrische Abordnung packte ihn in einen mit Konfetti gefüllten, fahrbaren Zuber und karrten ihn die paar Meter weiter rüber zum improvisierten Festplatz.

Dort wartete bereits ein großen Narrenschar auf das, was jedes Jahr kommt. Auf den Kampf um den Rathausschlüssel. Wobei der Begriff „Kampf“ nicht ganz richtig gewählt ist. Eher konnte man den Eindruck gewinnen, dass der „Ortsrumsteher“ froh war, das Amt mal für ein paar Tage los zu sein.

Früh übt sich, wer eine echte Riedhex werden will. Foto: Morlok

Vorher versuchte er sein Glück noch in der Flucht, wurde aber, trotz ländlich geprägtem Outfit, das eher an eine Vogelscheuche als an einen Cowboy erinnerte, schnell wieder eingeholt und bei Keiler-Boss Patrick Graw abgeliefert, der ihm dann auch gleich versicherte: „Rüde, isch gar net schwer, geb dr an Ruck, in sechs Dag krigscht die Schlüssele zuruck. Donoch darfst du dir wieder en Kopf mache ond des isch ganz gwies au net zum lacha, Baustella gibt es jo no an Haufa em Ort“.

„Mir brauchet a neuea OB, der Alte, der isch he“

Da musste ihm der EX-OV zustimmen, betonte aber „Desmol braucht aber net der Flegga euer Hilf, sondern Horb, doh machet ihr euch koi Bild. Mir brauchet dringend Zaster und an neua OB, der alte, der isch halba he“, skizzierte Vogelscheuchen-Rüdi die Lage in der Hauptstadt und versprach, trotz Amtsenthebung, bei der Misere kräftig mitzumischen.

„I sammel Vorschläg, des wär schee. Wer will. Wer wois, wem traut mers zu? Kann a Mädle sei oder an Bua, doch apacka sot er kenna, sgeit viel zu tun, mit därfet net weiter penna“.

Bleiben die Narren dauerhaft an der Macht?

Doch egal was ansteht, egal wie ernst die Lage in Horb ist, die Narren regieren jetzt mit Narri-Narro in Blockstreckerhausen und überall, wo sie auftauchen oder waren, siehts man es an den Unmengen von weißem Konfetti, dass die Mädrach-Keiler großzügig verteilen.

Selfie mit Riedhexen Foto: Morlok

Bei einer geselligen Runde im Sitzungssaal des Rathauses, wo nicht nur Tee für die neuen Regierungschefs samt ihrem Gefolge bereitstand, übernahmen die Narren die Herrschaft über den Ort und mal sehen, vielleicht gefällt es ihnen so gut, dass der heimliche Wunsch vom Vogelscheuchen-Rüdi in Erfüllung geht und sie seinen Rathaus-Schlüssel tatsächlich behalten. Wär’ mal ganz was anders.