Die Veranstalter freuten sich über einen erfolgreicher Filmabend (von links): Elmar Geiger, Christina Nuss, Christof Müller (alle Ahldorfer BI), Filmemacherin Sabine Winkler, Michael Kaupp (BI), Lambert Straub (Naturschutzbund Horb), Alt-Kniebisförster Walter Trefz und Melanie Korherr (BI). Foto: Schwarzwälder Bote

Gewerbegebiet: Bürgerinitiative Hau und Holzwiese zeigt Film "Kein schöner Land" / Ahldorfer sehen sich bestärkt

Horb-Dettingen. "Das Erstaunen war groß, wie viel bebaut wird in Reutlingen und Tübingen", beschrieb Christina Nuss, Sprecherin der Bürgerinitiative Hau und Holzwiese Ahldorf die Stimmung beim Filmabend.

Die BI hatte zu einem Filmabend in den Dettinger Adlersaal eingeladen. Mit dabei war die Autorin und Regisseurin Sabine Winkler aus Pfullingen, die sich in ihrem Film "Kein schöner Land" intensiv und einfühlsam mit den Problemen, die im Zusammenhang mit dem Flächenfraß entstanden sind und noch immer entstehen, auseinandersetzt hat. In Ergenzingen durfte dieser Film jüngst in der Mensa, einem städtischen Gebäude, nicht gezeigt werden (wir berichteten).

Viele Interessierte hatte es an diesem Freitagabend in den "Adlersaal" gezogen. Sprecherin Christina Nuss freute sich auch ganz besonders über den Besuch von Förster-Legende Walter Trefz vom Freudenstädter Stadtteil Kniebis. Trefz ist auch Ahldorfer BI-Mitglied und unterstützt diese im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Der Titel "Kein schöner Land..." ist natürlich bewusst gewählt und Sabine Winkler zeigt – optisch sehr gut aufbereitet – die fatale Entwicklung in Sachen Flächenfraß rund um die Großregion Reutlingen auf. Winkler lässt in ihrem Film vor allem die Bilder sprechen, aber es kommen auch Bürger und vom Flächenfraß unmittelbar Betroffene zu Wort und schildern vielfach in einfachen, aber eindringlichen Worten, wie sie diese fatale Entwicklung sehen.

Drastisch führt Winkler dem Zuschauer vor Augen, wie einzelne Dörfer immer mehr zugunsten von großflächigen Arealen drum herum verkümmerten und wie enorm der Flächenverbrauch etwa für neue Wohngebiete oder Industrie- und Gewerbeparks ist.

Die Autorin deckt schonungslos auf, wie die Menschheit über ihre Verhältnisse lebt und dass der Wachstumsbegriff in dieser Form schon längst einer radikalen Zäsur bedürfe. Der hätte in den vergangenen Jahrzehnten fast schon eine "religiöse Dimension" angenommen. Doch immer mehr Menschen würden erkennen, dass es unwiederbringlich sei, was da geschehe. Die stete Bodenzerstörung, das Artensterben, die Vermüllung und Zubetonierung der Landschaft und der Klimawandel würden auch rund um Reutlingen sichtbar werden und den Menschen deutlich machen, in welchem fatalen Kreislauf sich diese Form der wirtschaftlichen Entwicklung bereits befinde.

Christina Nuss wies bereits in ihrer Einführung auf den Filmabend darauf hin, dass täglich bundesweit 70 Hektar an Fläche versiegelt werden und Winkler mit ihrem Film "aus sehr eigenwilliger Sicht" dieses große Problem beleuchte. Die These „Wachstum um jeden Preis" habe langfristig nicht nur ausgedient, sondern sei in dieser Form auch nicht mehr haltbar. Mit Blick auf die BI Hau und Holzwiese hob sie hervor, "dass die Natur 2000 Jahre braucht, um zehn Zentimeter Boden herzustellen". Eine Aussage, die für sich steht.

Nach dem Film wurde dieser in einer Fragerunde noch eingehend erörtert und diskutiert und nicht nur Christina Nuss, sondern auch Walter Trefz und Lambert Straub vom Horber Naturschutzbund, zeigten sich überaus beeindruckt und betroffen zugleich von dem, was sie soeben im Film gesehen hatten. Und die Ahldorfer und ihre Unterstützer durften sich bestätigt sehen für ihre im Film drastisch vor Augen geführten Sorgen um ihr Gewann "Hau und Holzwiese".

Nuss zog ein positives Fazit zum Filmabend: "Man muss sich wirklich überlegen, ob es nicht auch Sinn macht, dass man ein Naherholungsgebiet bleibt und beispielsweise für den Raum Tübingen und Reutlingen ein interessante Ort ist." Darüber hinaus hat der Film auch gezeigt, dass neue Umgehungsstraßen automatisch noch mehr Verkehr anziehen. Man sollte für das Geld lieber in den Öffentlichen Nahverkehr investieren.