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Horb a. N. Zunftmeister Bukenberger tritt nach Eklat nicht mehr zur Wahl an

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Eine geheime Wahl wurde beantragt. (Symbolfoto) Foto: Anspach

Horb - Bei der Hauptversammlung der Narrenzunft Horb wurde wieder einmal unter Beweis gestellt, dass hier in der Kernstadt nichts so ernst ist, wie die Fasnet. Bierernst, um es genau zu sagen. Die Hauptversammlung der Zunft ist in der Regel gut besucht, doch dass sich 66 Personen ins Nebenzimmer des "Steiglehofs" quetschten, das ließ Szeneninsider ahnen, dass etwas ganz Besonders ansteht.

Zu Beginn der Sitzung war noch alles normal. Zunftmeister Eckard Bukenberger stieg mit seinem Rechenschaftsbericht in die Sitzung ein. Er betonte, dass alles, was jetzt komme – ob Lob oder Tadel – auf hohem Niveau geschehe. Wie Recht er damit hatte, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wie sagte doch Roland Plehn im Laufe der Sitzung nicht wirklich bescheiden: "Die Narrenzunft Horb ist der FC Bayern des Närrischen Freudschafts-Ringes. Wenn wir auftreten heißt es ›Bähm – die Horber sind da.‹"

Der Zunftmeister ließ gewohnt routiniert das Vereinsjahr Revue passieren und hob einige Highlights hervor. Der Fasnets-Start mit dem 50-jährigen Bestehen des Ringes, das man in der Rundhalle zwei Tage lang feierte, der Auftakt im Steinhaus, bei dem das Grafenpaar präsentiert wurde und der Eröffnungsball, waren Leuchtturmveranstaltungen. Man habe auch einen neuen Autoanhänger gekauft. Bukenberger freute sich über zwei neue Tanzgruppen und, dass die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung in diesem Jahr besser geklappt habe als bisher. Deshalb konnte man auch, trotz Sturmwarnung am Vormittag und Krisensitzung im Rathaus, das größte Event der Horber Narren, den Rosenmontagsumzug, veranstalten. Einige weitere Infos, unter anderem, dass man sich zur jährlichen internen Generalaussprache, der Motz- und Meckersitzung (MMS) am 29. Juni auf der Schütte trifft, schlossen den Bericht ab.

Viel Frust

Solange wollten jedoch weder Roland Plehn noch Thomas Grassinger warten und auch Stefan Straub, Gruppensprecher der Schantle, legte dann sofort los. Zuviel hatte sich in den vergangenen Jahren an Unmut über das Verhalten von Zunftmeister Eckard Bukenberger bei offiziellen Anlässen bei den Herren angestaut und Straub schimpfte, dass er sich dies kein weiteres Jahr mit ansehen werde. Alkoholbedingte Aussetzer vom Zunftmeister hätten immer wieder zu peinlichen Situationen geführt, so Plehn, bei dem der Auftritt von Bukenberger beim Ringjubiläum das Fass der vornehmen Zurückhaltung zum Überlaufen brachte. Zur späten Stunde und nach einem Trinkwettkampf, den er gegen ein Mitglied der Horber Hexen verloren habe, habe er die Bühne betreten, "dummes Zeug geschwätzt" und das Horber Horrido in den Saal geblökt. "Die Performance eures Zunftmeisters stimmt nicht immer", war noch die wohlformulierteste Anmerkung, die ich mir anhören musste", so Plehn sinngemäß. "Bei mir haben sich Leute über deinen Auftritt beschwert – da haben nicht alle Hurra geschrien." Bukenberger, der das Amt neun Jahre inne hatte, gab zu, den Job nicht immer perfekt zu machen – "aber wer macht das schon", schwächte er ab.

Auch Thomas Grassinger, der Redenschreiber des Zunftmeisters, habe in den vergangenen Jahren immer mehr den Eindruck gehabt, dass der Frontmann ab und an ein paar Bierchen zu viel hatte, wenn er auf die Bühne ging. "Ich schreibe für dich keine Reden mehr", lautete seine deutliche Ablehnung in Richtung Bukenberger.

Im Grunde genommen waren diese Stellungnahmen ein klares Misstrauensvotum in Bezug auf die turnusmäßig anstehenden Wahlen im höchsten Gremium der Zunft, dem Narrenrat.

Heftige Kritik

Neu-Narrenrat Götz Peter sah sich zwar gemüßigt, eine Lanze für seinen Zunftmeister zu brechen, der sich seiner Meinung nach sehr verdient um die Horber Fasnet gemacht habe, doch das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein der Empörung. Sicher hatte der so Gescholtene mit einiger Kritik gerechnet, doch dass sie so massiv, und vor allem öffentlich geäußert, auf ihn niederprasselte, das hat ihn dann offensichtlich doch überrascht. Selbst aus den einzelnen Gruppen gab es teilweise Kritik darüber, dass er als einer der höchsten Repräsentanten der Horber Fasnet sich nicht bei deren offiziellen Anlässen sehen ließ. Ohne sich deshalb groß zu verteidigen, stellte Bukenberger klar, dass er auch noch ein Privatleben – auch während der Fasnetssaison –, einen Arbeitsplatz und vor allem eine kranke Mutter, die in dieser Zeit sieben Operationen über sich habe ergehen lassen müssen, habe: "Da tut es mir leid, dass ich nicht überall gleichzeitig sein kann."

Die Versammlung hörte sich noch schnell die Berichte aus den einzelnen Gruppen an, ließ den fast 20-minütigen Vortrag von Kassierer Gerhard Munding jun. über sich ergehen, doch als dann die turnusmäßigen Narrenratswahlen, darunter auch der Posten des Zunftmeisters, anstanden, verlangte Roland Plehn eine geheime Wahl, bei der jeder Posten nacheinander vergeben wird. Vorher wurden noch Markus Blank und Alexander "Locke" Guth, für den der rote Rock bislang ein rotes Tuch war, jeweils einstimmig in den Narrenrat gewählt.

Doch der Antrag auf geheime Wahl war ein ganz eindeutiges Misstrauensvotum gegen die Person Bukenberger, dem man vorher noch geschlossen das Vertrauen durch einstimmige Entlastung ausgesprochen hatte. Auch als dieser erklärte, auf das Amt zu verzichten und sich nicht mehr zur Wahl aufstellen zu lassen, da man gerade auf diesem Posten immer im Fokus der Kritik stehe, beharrte der Antragsteller auf geheime Wahl. Diese war nach Ansicht einiger Mitglieder gar nicht mehr nötig und verschob die Versammlungsdauer nach hinten.

Über den Vorfall um den Zunftmeister zeigten sich am Sonntag noch einige Mitglieder sehr betroffen. "So was macht man nicht – ich war regelrecht geschockt", so Sabine Peter. Und Christof Straub gab zu, dass er an diesem Abend wieder einmal was fürs Leben gelernt hat. Was, das behielt er für sich.

In ihrem Amt bestätigt wurden in der Reihenfolge: Ja / Nein / Enthaltung der abgegeben Stimmen: Stefan Fröhlich: 42/16/7; Rüdiger Schäfer: 56/0/10; Traugott Wegenast 49/6/11 und Gerhard Munding Jr. 56/1/9.

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Florian Ganswind

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