Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Horb a. N. Zugausfälle sorgen bei Fahrgästen für Angst

Von
Bahnsteige, an denen kein Zug abfährt: Zugausfälle und -verspätungen geben Fahrgästen aus Horb Anlass zu Kritik. Das Symbolfoto stammt von einem Streik. Foto: Hopp

Horb - Hoffentlich kommt der Zug. Bitte heute keine Verspätung. Und wenn’s geht auch kein Umsteigen auf einen Bus-Ersatzverkehr... Dass Fahrgäste mit mulmigen Gefühlen am Bahnsteig stehen, kommt derzeit wieder öfter vor. Eine Familie ist sauer - weil einer der Züge gleich mehrfach hintereinander ausgefallen ist.

Es hapert auf dem Schienennetz zwischen Horb, Stuttgart und Tübingen sowie auf der Kulturbahn in Richtung Pforzheim. In einem Brief an Bahnchef Richard Lutz hatte sich Tübingens OB Boris Palmer (Grüne) schon vor einigen Wochen über den nach seiner Darstellung inakzeptablen schlechten Service des Unternehmens beklagt.

Auf der Gäubahn (die Netze Singen-Stuttgart, Freudenstadt-Stuttgart sowie die Murrbahn sind in der Bahnstatistik zusammengefasst) sind in der ersten Dezemberwoche laut einer Aufstellung der Bahn 2,1 Prozent der Züge ausgefallen. In der letzten Novemberwoche waren es 1,6. In den acht Wochen davor bewegte sich der Wert von null bis 1,3.

Angst fährt mit

Die Angst vor Verspätungen und dem Versäumen wichtiger Termine: bei einigen Bahnpassagieren fährt sie ständig mit. Ein Ehepaar aus Horb berichtete vor einigen Tagen: "Heute ist uns der Kragen geplatzt – erneut wegen der Bahn. Meine Ehefrau (...) hatte gestern noch ihre Verbindungen nach Sinzheim im Internet herausgesucht, damit sie zu ihrem Arzttermin um 13 Uhr auch pünktlich dort ist. Heute Morgen schaute sie sicherheitshalber noch einmal im Internet nach und musste erschreckt feststellen, dass der Zug ab Horb um 8.45 Uhr nach Stuttgart ausfällt. Ein Anruf bei der Bahn bestätigte, dass dieser Zug gestrichen wurde - wegen Personalausfall! Nun kam Stress auf." Die Frau musste kurzfristig umplanen und eine Ausweichstrecke über Rastatt und Eppingen nehmen. "Kein Wunder, dass sich niemand mehr auf die Bahn verlassen will."

Richtig sauer ist auch eine Familie, die von einer "katastrophalen Situation" auf der Kulturbahn zwischen Horb und Pforzheim berichtet. In dem Brief heißt es: "Mein Sohn hatte am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in Calw kurz vor 10 Uhr Schul­ende. Er wollte anschließend mit der Bahn 10.07 Uhr ab Calw nach Wildberg fahren. Nach einem Blick in den Bahn-Navigator erfuhr er, dass die Züge 10.07, 11.07 und 12.07 Uhr ausfallen. Der letzte Zug davor fuhr 9.07 Uhr. Das heißt, es gab eine Zeitspanne von vier Stunden, in denen nicht ein einziger Zug von Pforzheim nach Nagold beziehungsweise Horb fuhr. Die Personal-Probleme auf der Strecke sind ja bereits seit längerer Zeit bekannt, über die Ursachen braucht man nicht einmal spekulieren."

Die Presse-Erklärung der DB Regio vom 5. Dezember klingt für die Familie "wie ein Witz": Die DB Regio spricht hier von einer "Stabilisierung des Zugverkehrs" und "gezielten Leistungsreduzierungen", die zur Verringerung kurzfristiger Zugausfälle führen sollen.

David Weltzien, Vorsitzender der Regionalleitung von DB Regio in Baden-Württemberg ergänzt: "Wir können mit den eingeleiteten Maßnahmen leider nicht jeden kurzfristigen Zugausfall ausschließen, wollen die Verlässlichkeit des Fahrplanangebots aber damit deutlich steigern."

In der Realität sieht das so aus: Seit Freitag, 6. Dezember, gibt es auf der Kulturbahn Einschränkungen, die bis einschließlich 6. Januar dauern: Von Montag bis Freitag fahren die Züge hier lediglich im Ein-Stunden-Takt. Am Wochenende und während der Weihnachtsfeiertage gibt es keine Einschränkungen, teilte die Bahn mit.

Die betroffene Familie kann da nur enttäuscht feststellen: "So sieht bei der Bahn also eine Steigerung der Verlässlichkeit aus? Von einem halbstündigen Fahr-Rhythmus auf einen planmäßig einstündigen Fahr-Rhythmus umzustellen, um dann eine vierstündige Fahrtpause mitten am Tag einzulegen."

Warum es bei der Bahn hapert, können sich einige Fahrgäste vorstellen. So auch die Familie: "Der bevorstehende Betreiberwechsel und die damit verbundene ›Motivation‹ des Personals nebst den kommenden Feiertagen lässt wenig Spielraum zur Interpretation, warum es aktuell einen überdurchschnittlichen Krankenstand gibt. Wer eins und eins zusammenzählen kann, dem erschließen sich die Gründe recht schnell."

"Die Bahn kommt im Nena-Style. Irgendwie, irgendwo und irgendwann."

Für die gefrusteten Fahrgäste bleibt das Fazit: "Die Bahn kommt im Nena-Style. Irgendwie, irgendwo und irgendwann. Inkompetenz par excellence. Gott sei Dank werden ja ab Januar die Preise erhöht, bei dem Service und der Zuverlässigkeit ist das auch gerechtfertigt", so die ironische Bemerkung, mit der die Familie eine Entschädigung fordert.

Angesprochen auf die Beschwerden, verweist die Bahn auf ihre Statistik. Außerdem wartet sie zur Problemlösung mit einem "Zehn-Punkte-Programm" auf: Neues Zugmaterial, mehr Personal, Leistungsvergabe an dritte Unternehmen, unbürokratische Entschädigungen für Fahrgäste sowie Ankündigung von absehbaren Engpässen sind die Stichworte.

Der Vertretung der Fahrgäste im Land reicht das aber nicht. Der Fahrgastbeirat Baden-Württemberg fordert: "Zeitkarteninhaber sollen nach dem Vorbild Österreichs bei einem verfehlten Pünktlichkeitsziel automatisch einen Anteil der Zeitkarte erstattet bekommen." Außerdem spricht sich der Beirat für eine Erstattungsregelung bei Verspätungen im Schienenverkehr für Pendler und Gelegenheitsfahrgäste aus. "In den letzten Jahren hat sich die Pünktlichkeit auf der Schiene verschlechtert. Insbesondere in den Ballungszentren werden die Pünktlichkeitsziele häufig nicht erfüllt", beklagt der Beirats-Vorsitzende Matthias Lieb.

Maßnahmen verhindern nur Verschlechterung

Der Fahrgastbeirat Baden-Württemberg, so heißt es in einer Veröffentlichung des Verkehrsministeriums, erkennt zwar die vielfältigen Bemühungen des Landes und der Verkehrsunternehmen zur Verbesserung der Pünktlichkeit an, doch bislang hätten diese Maßnahmen nur ein noch stärkeres Absinken der Pünktlichkeitswerte verhindert, ohne dass die Pünktlichkeit aktuell auf einem akzeptablen Niveau sei.

Mehr noch: Der Fahrgastbeirat sieht die Notwendigkeit eines rund um die Uhr (24 Stunden/sieben Tage) erreichbaren zentralen Ansprechpartners, "der im Störungsfall Vorschläge für die Weiterbeförderung gibt und Ersatzbusse oder Sammeltaxis für gestrandete Fahrgäste organisiert. Außerdem solle zukünftig die Fahrgastpünktlichkeit und nicht die Zugpünktlichkeit gemessen werden."

Wenn es nach dem Fahrgastbeirat geht, wird auch eine Erstattungsregelung für Einzelfahrausweise eingeführt, die automatisch greift. Der Beirat führt dazu ein Beispiel aus Hessen an, wo es eine Zehn-Minuten-Garantie und automatische Erstattungsregelungen beim Fahrkartenkauf per Smartphone/Kreditkarte gibt (wie in Großbritannien).

Bei der Frage von Entschädigungen gibt sich die Bahn allerdings schmallippig. Sie stellt sich einen "Monatsbeitrag" als Rückerstattung vor, allerdings nur als "freiwillige Kulanzleistung". Und wie unbürokratisch das Verfahren ablaufen soll, will die Bahn erst abgeklärt wissen.

Auch Rudolf Barth vom Trägerverein der Horber Schienentage, die im November stattfanden, hat es "erwischt": Seine Heimfahrt nach Bad Endorf dauerte zwei Stunden länger als geplant. Er sieht darin die Folgen einer seit Jahren fehlgeleiteten Bahn-Politik, die nur auf lukrative Langstrecken setzt und im regionalen Schienenverkehr abbaut.

Klingt nach gemischten Aussichten für die Fahrgäste in der Region. Für das gefrustete Horber Ehepaar mit dem Ticket nach Sinzheim ist jedenfalls klar: "Wir werden zukünftig wieder alles mit dem Auto planen."

Artikel bewerten
39
loading

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.