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Horb a. N. Zirkus Knie: Tierquälerei oder Tierschutz?

Von
Tiertrainer Alexander Lacey schmust mit seinem Löwen Massai. Foto: Hopp

Horb - Heute hat der Zirkus Knie in Horb seine Premiere. Die Tierschutzallianz will um 15 Uhr vor dem Eingang eine Mahnwache halten. Protest gegen die "Sklavenhaltung der Tiere". Kann ich guten Gewissens in diesen Zirkus gehen?

Der Festplatz gestern. Dromedare, Zebras und Strauße weiden auf dem Gras hinter dem Festplatz. Dompteur Alexander Lacey schmust mit seinem Löwen Massai. Der "König der Tiere" will nicht in die Linse schauen, also pustet Lacey ihm ans Ohr. Daneben liegen drei bengalische Tiger in der Sonne. Sieht alles idyllisch und entspannt aus.

Sieht auf den ersten Blick nicht aus wie "Sklavenhaltung". Ist es auch nicht, argumentiert Tiertrainer Lacey: "Meine Familie züchtet seit 60 Jahren diese Wildkatzen. Das sind definitiv keine Wildtiere, die wir mit dem Lasso irgendwo in Afrika einfangen. Das dürften wir auch gar nicht. All diese Raubkatzen sind Menschen gewöhnt und wie Haustiere."

Aber einige Städte wie Stuttgart haben ein "Wildtierverbot" für Zirkusaufführungen ausgesprochen. Da muss doch was dran sein.

Sebastian Melnjak ist seit 2007 Besitzer des Zirkus Knie. Er sagt: "Wir haben gegen fünf Städte geklagt, die solch ein Verbot ausgesprochen haben. Und immer vor den jeweils höchsten Instanzen gewonnen. Stuttgart macht es inzwischen so, dass sie unsere Auftrittsanfragen ablehnen. Dabei wird sich aber nicht auf das Wildtierverbot bezogen, sondern das kein Termin auf dem Festplatz der Cannstatter Wasen frei sei."

Das tut dem geborenen Stuttgarter Melnjak natürlich weh: "Ich bin mit sechs Jahren mit meinen Eltern und Großeltern in den Zirkus in Cannstatt gegangen. Das hat mich bis heute infiziert."

Geschäftlich sorgt das "Wildtierverbot" aber nicht für Einbruch. Im Gegenteil: Gerade die woanders unerwünschten Tiere bringen dem Zirkus Knie extra Gäste. Melnjak: "Wir merken das jedes Mal, wenn wir in Böblingen sind. Dann kommen sehr viele Stuttgarter in die Vorstellungen, weil das in ihrer Heimatstadt nicht erwünscht ist."

Die Diskussion um den Tierschutz –­ sie hat im Zirkus schon einiges verändert. Melnjak: "Vor Jahren wurde gemeinsam –­ auch mit Tierschutzorganisationen –­ Richtlinien für den Umgang mit Zirkustieren erlassen. Aufgrund dieser Richtlinien müssen wir für unsere einen "Tierführerschein" nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes nachweisen. Wir haben einen Tierschutzbeauftragten angestellt. Man merkt natürlich schon, dass das Publikum bei allen Nummern mit Tieren ganz genau hinschaut. Unser Anspruch als Zirkus Knie ist es, die Mindestnormen dieser Richtlinie deutlich zu übertreffen. "

Gibt es dafür ein Beispiel? Tiertrainer Alexander zeigt auf den Raubkatzenkäfig hinter uns. Er sagt: "Normalerweise schreibt die Richtlinie für fünf Raubkatzen 50 Quadratmeter vor. Wir haben hier 140 Quadratmeter."

Die ständigen Vorwürfe der Tierschützer –­ führt das zum Einbruch der Zuschauerzahlen?

Melnjak meint: "Nein. Es sind fünf oder sechs Tierschützer, die demonstrieren. Ins Zelt passen etwas über 1400 Zuschauer. Die Situation ist stabil – das liegt daran, dass die Zirkusfans offenbar unser Konzept schätzen, dass aus drei Elementen besteht: Artistik, Clownerie und Tieren. Die größte Herausforderung bleibt für uns: Die Zuschauer in den Zirkus zu bewegen. Und das Programm so abwechselungsreich zu gestalten, dass auch die Generation Internet mit der verkürzten Aufmerksamkeitsspanne gefesselt ist."

Der Zirkus Knie hat sogar einen Wissenschaftler beauftragt, um zu prüfen, ob Zirkustiere beim Transport wirklich Stress haben.

Tiertrainer Alexander Lacey sagt: "Wir haben den Tierverhaltensforscher Immanuel Birmelin aus Freiburg beauftragt, das nachzuprüfen. Er hat den Spiegel des Stresshormons Cortisol vor, während und nach dem Transport unserer Raubkatzen von Monte Carlo nach München gemessen. Das sind immerhin knapp 800 Kilometer Transport. Das Ergebnis: Zu keinem Zeitpunkt war der Wert des Stresshormons erhöht."

Haben es Tiere im Zirkus schlechter als in freier Wildbahn?

Tiertrainer Lacey berichtet: "Im Gegenteil. Leider ist die Umweltzerstörung auf diesem Planeten so weit gediehen, dass es Tiere in freier Wildbahn ohne menschliches Management nicht mehr gibt. Meine Familie hat vor 60 Jahre mit der Raubkatzenzucht angefangen –­ in einem Zoo. Dort haben meine Eltern festgestellt, dass sich die Tiere langweilen, wenn sie nicht beschäftigt werden. Deshalb haben sie angefangen, mit den Tieren Zirkusnummern anzufangen. Wichtige Erkenntnis: Die Tiere dürfen sich nicht langweilen. Das Training von Aufgaben und das Ausführen tut ihnen gut. Auch das Reisen und der Wechsel von Ort zu Ort. Jedes Mal gibt es neue Eindrücke. Neue Gerüche, Asphalt, Gras, Umgebung – das regt die Tiere an. Und: Während Raubkatzen in freier Wildbahn im Durchschnitt zwölf Jahre alt werden, werden unsere Tiere doppelt so alt!"

Dompteur, Dressur. Hört sich doch ein bisschen nach Sklaverei an, oder?

Lacey meint dazu: "Wir trainieren unsere Raubkatzen so ähnlich, wie Menschen Hunde dressieren. Ein Stock mit Fleisch, um sie zu locken. Ein Stock, um sie anzufassen. Konkret: Wenn ein Hund Platz lernen soll, hält man ihm mit einer Hand das Fleisch hin, mit der anderen drückt man ihm aufs Hinterteil. So funktioniert es vom Prinzip her auch bei den Tieren."

Kann man guten Gewissens in den Zirkus Knie gehe?

Melnjak ist sich sicher: "Definitiv. Ich würde mir wünschen, dass auch die Tierschützer unser Angebot annehmen, mal hinter die Kulissen zu schauen und sich wirklich danach zu erkundigen, wie gut wir unsere Tiere halten. Das ist bisher leider noch nie vorgekommen!"

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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