Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Horb a. N. Wie prekär sind Wohnverhältnisse in Rexinger "Sonne"?

Von
Wie prekär sind die Wohnverhältnisse in der ehemaligen Rexinger "Sonne"? Foto: Wagner

Horb - Eigentlich sollte die Rexinger "Sonne" wieder als Gasthaus reaktiviert werden. Doch der neue Eigentümer nutzt mittlerweile das Gebäude für Wohnungen. Unter prekären Umständen? Das war Thema eines Gerichtsprozesses in Horb. Im Mittelpunkt die in der Stadt nicht unbekannte Karin Dreher.

Karin Dreher machte im Juni 2018 Schlagzeilen. Der Grund: Wegen ihres Rehpinschers Max durfte sie nicht ins Obdachlosenheim von Horb einziehen.

"Überall Abfall, Bauschutt und lose Kabel"

Bis sie dann eine Wohnung fand: In der Rexinger Sonne. Dreher: "Die Wohnung bestand im Grunde genommen aus einem großen Raum. Die Küche oben war völlig verschimmelt, der Boden bestand aus uraltem Estrich und Bretterboden. Überall Abfall, Bauschutt und lose Kabel. Ich habe innerlich zehn Augen zugedrückt, denn Max und ich hatten kein Dach über dem Kopf."

Am 5. Juli 2018 machte sie alles klar, unterschrieb den Mietvertrag. Bis heute wohnt sie dort. Inzwischen sind insgesamt 4230 Euro Miete offen. Monatlich 310 Euro Kaltmiete, inklusive Nebenkosten 470 Euro.

Wegen Baufälligkeit keine Miete überwiesen

Deshalb hat der Vermieter Räumungsklage beim Amtsgericht Horb eingereicht. Jetzt war Verhandlung.

Dreher – wie man sie kennt. Geschminkt, weißes Oberteil, knallrote Schuhe mit hohen Absätzen, schwarzer Mantel. Sie gibt zu: "Im Dezember 2018 habe ich keine Miete überwiesen wegen der Baufälligkeit."

Der Vermieter lächelt: "Es gab keine Vereinbarung. Sie suchte einfach Gründe, nicht zu zahlen. Seit elf Monaten hat sie keine Miete mehr bezahlt!"

Richterin Lisa Schulz will von ihm wissen, in welchem Zustand die Wohnung war, als Dreher sie übernommen hatte.

Der Vermieter: "Sie war noch im Ausbau. Die Decke war verkleidet mit Rigipsplatten. Von anderen Bewohnern des Hauses sollte die Wohnung fertig saniert werden."

Dazu hatte das Bauamt einen Baustopp verhängt, erzählt der Vermieter: "Es wurde aber geduldet, dass Frau Dreher dort wohnt, ehe alles geklärt wurde."

"Sie tat uns leid, weil sie von der Straße kam"

Drehers Anwalt Kai-Uwe Gräschus verweist darauf, dass laut Mietvertrag eine Küchenzeile in der Wohnung sein sollte. Der Vermieter: "Ich hatte eine gebrauchte Küche in der Garage. Die wollte ich ihr zur Verfügung stellen, doch die wollte sie nicht. Deshalb habe ich ihr angeboten, die kleine Küche oben in der nächsten Etage zu nutzen. Und meine private Waschmaschine. Sie tat uns leid, weil sie von der Straße kam."

Dreher schildert die Zustände ganz anders: "Die Nachbarn, welche die Wohnung fertig machen wollen, haben das nicht auf die Reihe bekommen. Ich selbst habe irgendwann gemerkt, dass der alte Teppichboden voller Wanzen und Speckkäfer war. Ich hatte überall Beulen an den Beinen! Den Teppichboden habe ich komplett im Insektiziden besprüht und die ehemalige Räucherkammer, aus der wohl auch das Ungeziefer kam, abisoliert mit Klebeband. Im Herbst habe ich dem Vermieter dann gesagt, dass ich den Tapeziertisch raus aus der Wohnung haben will."

Wohnwert laut Jobcenter Null

Laut Dreher gibt es zwei Heizkörper in der Wohnung. Einen uralten im Schlafraum, der aber kaum geht. Und im vorderen Bereich steht ein nagelneuer an der Wand. Die Mieterin: "Den montiert er aber nicht. Seit 20 Monaten habe ich einen Elektroradiator. Den brauche ich auch – denn im Fenster ist ein großes Loch. Das ist nur mit Klebeband zugeklebt."

Richterin Schulz will wissen, ob die Mieterin angesichts der Mängel mal mit dem Vermieter über die Miethöhe gesprochen hat. Und ob sie Abhilfe verlangt hat. Dreher: "Nein. Er hat das Geld vom Jobcenter bekommen. Als das Jobcenter dann die Fotos der Wohnung gesehen hat, hat es gesagt: Der Wohnwert ist Null."

Im Frühjahr 2019 habe Dreher mit dem Vermieter doch über die Mängel gesprochen. Er habe ihr damals gesagt, so die Mieterin im Gericht: "Mit ein bisschen Geduld haben sie hier ein Apartment auf Lebenszeit!"

Heizung und Strom abgestellt

Rechtsanwalt Gräschus erwähnt, dass die Wohnung von Karin Dreher seit Oktober 2019 eiskalt sei.

Die Mieterin: "Dann wurde auch noch der Strom abgestellt. Ich saß mit Kerzen in der Wohnung und kam mir vor wie eine Bettelprinzessin. Mein Handy habe ich in der Stadt geladen. Dann hat der Vermieter verlangt, dass ich den Strom auf meinen Namen anmelde. Genau wie ich auf meinen Namen Heizöl bestellen sollte. Dabei habe ich nicht mal Warmwasser. Das mache ich mir im Wasserkocher warm."

Ihr Rechtsanwalt erwähnt, dass seine Klientin laut Mietvertrag 57,90 Euro Abschlag für die Heizung bezahlen sollte. Ich möchte wissen, was sie für eine Heizung stellen?"

Gab es auch noch eine Rattenplage?

Der Vermieter: "Der Heizkörper im Schlafzimmer funktioniert. Die Mieterin hatte mit einem Nachbarn die Heizung in Betrieb gesetzt. Dann wurde das ganze Haus und die Gaststätte mit 200 Quadratmeter geheizt. Das Öl war nach zwei bis drei Wochen weg. Weil auch die verbleibenden zwei Mieter nichts bezahlt haben, habe ich mich geweigert, den Tank auf meine Kosten vollzutanken. Damit gibt es auch kein warmes Wasser mehr!"

Außerdem habe es noch eine Rattenplage gegeben, so Dreher. Der Vermieter sagt dazu: "Wir waren mehrmals mit 20 Leuten da. Wir haben keine Ratten gesehen. Man hat uns beim Gesundheitsamt angezeigt. In der Scheune war Müll von den Bewohnern. Den haben wir wegräumen lassen. Frau Dreher hat außerdem Katzenfutter auf dem Flur aufgestellt. Wir haben sie aufgefordert, das zu lassen."

Dreher zieht aus, aber nicht vor Jahresende

Hin und Her um das "Prekär-Wohnen". Doch was ist mit der nicht gezahlten Miete? Der Räumung? Kurz vor 18 Uhr sagt Dreher dann: "Ich bin bereit, auszuziehen, wenn es für mich kräftemäßig geht."

Richterin Schulz unterbricht. Draußen kommen Vermieter, Karin Dreher und ihr Anwalt ins Gespräch. Um 18.13 Uhr geht es dann weiter. Rechtsanwalt Gräschus sagt, dass ein Auszug bis zum 31. Dezember das Minimum an Zeit ist, was seine Klientin braucht.

Karin Dreher besteht auf dem 15. Januar 2021: "Da sind die Feiertage um Weihnachten herum. Da bekommt man schlecht eine Spedition."

"Ich kann keine Miete zahlen"

Und was ist mit der Rückzahlung der ausstehenden Miete? Dreher: "Ich habe nichts. Ich kann keine Miete zahlen. Das Jobcenter hat den Wohnwert auf Null Euro gesetzt."

Die Richterin gibt dann zu Protokoll, dass sie daran erhebliche Zweifel habe. Eine konkrete Miethöhe könne man gerichtlich feststellen, oder durch das Jobcenter die Räumlichkeiten begutachten lassen.

Dann einigen sich Karin Dreher und der Vermieter auf den Teilvergleich – Auszug bis spätestens 15. Januar 2020.

Der Vermieter bietet noch an, die Mietschulden zu erlassen, wenn Dreher eher geht: "Mir wäre es am liebsten, wenn sie schnell draußen wäre." Das lehnt die Vermieterin ab.

Um 18.45 Uhr wird der Teilvergleich dann besiegelt. Richterin Schulz: "Sie setzen sich dann zusammen und versuchen, dass mit den Mietschulden zu regeln. Wenn mir gleichlautende Vergleichsvorschläge von beiden Seiten kommen, kann das Verfahren beendet werden!"

Artikel bewerten
32
loading

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

Flirts & Singles

 
 

Top 5

3

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.