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Horb a. N. Wie die Leiharbeit mit der Altersarmut zusammenhängt

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"Leiharbeit darf keine Personalstrategie werden", so Wolfgang Hermann beim "Kreuzweg der Arbeit". Foto: Baiker Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Jürgen Baiker

Horb. Tragen die Gewerkschaften durch Tarifverträge dazu bei, dass Leiharbeiter schlechter bezahlt werden? Rolf Weber meint dies. Zum schon traditionellen Kreuzweg der Arbeit luden die Kolpingsfamilie Horb, der Dekanatsausschuss "Kirche, Familie und Arbeitswelt" und die KAB AG im Dekanat Freudenstadt mit KAB Grünmettstetten, Nordstetten und Talheim ins katholische Gemeindezentrum Hohenberg ein.

Zunächst feierte man zusammen mit Pfarrer Wolfgang Herrmann den Gottesdienst, der ganz im Zeichen des Themas "Nur geborgt? – Leiharbeit und andere prekäre Arbeitsverhältnisse" stand. Anschließend gab es viel Zeit zum Gedankenaustausch mit Pfarrer Wolfgang Herrmann, Leiter des Fachbereiches Kirche und Arbeitswelt der Betriebsseelsorge in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Gerade die Leiharbeit stand im Zentrum seiner Ausführungen.

Herrmann sagte, der Mensch habe ein Recht auf eine würdige Arbeit und ein entsprechendes Einkommen. Löhne und Gehälter werden überall abgebaut, auch in der Kirche. 2,7 Prozent der Arbeiter in der Bundesrepublik seien Leiharbeiter. Waren es im April vergangenen Jahres 668 000 Leiharbeiter, so eine Untersuchung der IG Metall, werden es nächstes Jahr 2,5 Millionen sein. Leiharbeit war ursprünglich gedacht, um Produktionsspitzen abzufedern. Heute wird Leiharbeit dazu benutzt, um die Personalkosten erheblich zu reduzieren. Eine kleine Umfrage bei den Anwesenden zeigte schnell auf, dass die Leiharbeitsfirmen bis zu 50 Prozent weniger bezahlen als die Betriebe für ihre Stammmitarbeiter.

"Leiharbeit darf keine Personalstrategie werden", so Herrmann. Belegschaften würden gegeneinander ausgespielt. "Lohn- und Sozialstandards werden unterlaufen. Die Stammbelegschaft wird zu Zugeständnissen erpresst. Stammbelegschaften werden immer mehr abgebaut zugunsten der Leiharbeit."

In der Diskussion wurde auch festgehalten, dass 48 Prozent der Leiharbeiter als nicht qualifiziert gelten. Beim Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg seien vor allem die Leiharbeit und die Mini-Jobs massiv gewachsen. Zudem müssen die Arbeiter immer mehr persönliche Risiken tragen, zum Beispiel mehr Zuzahlungen im Gesundheitswesen.

Rolf Weber, Vorsitzender des Dekanatsausschuss Kirche, Familie und Arbeitswelt und Betriebsrat, sagte, dass die Gewerkschaften mit dafür verantwortlich seien, dass die Leiharbeiter schlechter bezahlt würden. Der Staat verlange für gleiche Arbeit gleichen Lohn und habe dies gesetzlich verankert. Aber es gebe eine Ausnahme: Tarifverträge. Gäbe es diese Tarifverträge nicht, so müssten gleiche Löhne bezahlt werden.

Die Altersarmut werde zunehmen, da mit dieser Art von Jobs keine Rücklagen für das Alter möglich sind. In den letzten zehn Jahren gab es eine erhebliche Erosion der guten Jobs. Pfarrer Wolfgang Herrmann zusammenfassend: "Unternehmen, Betriebsräte, Gesetzgeber sind gefragt, wie sie mit dem Thema Leiharbeit umgehen." Die Veränderungen der Arbeitswelt müssten wahrgenommen werden.

Daher wolle die Kirche dort sein, wo sich das Leben abspiele, so Herrmann.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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