Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Horb a. N. Werden Haugenstein-Mieter im Stich gelassen?

Von
Wenn Wohnen zur Zumutung wird: Rüdiger Kirchner und Jasmin Ponath stehen vor einer Liste ungelöster Probleme. Foto: Lück

Horb - Das kann man wirklich "Schlimmer Wohnen" nennen: Seit Oktober leiden Jasmin Ponath und Rüdiger Kirchner unter den unmöglichen Zuständen in ihrer Wohnung im Haugenstein.

Jasmin Ponath wohnt seit knapp sechs Jahren in der Roten Siedlung im Haugen­stein. Hausnummer 14, obere Wohnung rechts. Es ist frisch am Tisch, wo wir sitzen. Ihr Lebensgefährte Rüdiger Kirchner schaut auf das Thermometer: "Hier hat es nur 18 Grad. Nachts sind es 17 Grad. Wärmer wird die Heizung nicht! Weil die Wände nicht isoliert sind, sitzt du hier und kauerst dir einen ab!"

Willkommen im "Schlimmer Wohnen!"

Kirchner: "Im Oktober ging der Ärger los! Die Heizung fiel aus. Wir haben eine Firma gerufen, die sagte: Da müssen Zylinder gewechselt werden. Die können aber erst im Mai 2019 geliefert und montiert werden."

Ein paar Tage später regnete es durch – Dach undicht. Schimmel im Kinderzimmer.

Doch es geht noch schlimmer in der Wohnung, die in den kalten Tagen bis heute nicht richtig geheizt wurde: Seit Anfang Februar gibt es auch (fast) keinen Strom mehr in der Wohnung.

Kirchner: "Das mit dem Strom startete am 4. Februar. Ich wollte mich rasieren. Da hat es einen Knall gegeben, und die Steckdose neben dem Waschbecken ist versengt. Weil dort auch die Waschmaschine dran hängt, ist seitdem auch an Waschen natürlich nicht mehr zu denken!"

Am 8. Februar in diesem Jahr hat es Kirchner dann gereicht: Er hat eine Kabeltrommel genommen und hat sie von dem letzten Zimmer, wo überhaupt noch Strom geht, zur Waschmaschine verlegt. Und die Waschmaschine angemacht. Kirchner: "Dann fing der Stecker an zu schmoren und die Sicherung fiel aus!"

Seit diesem Stromschlag geht auch der Kühlschrank nicht mehr. Jasmin Ponath: "Seitdem müssen wir mehr einkaufen, weil wir die Lebensmittel nicht vernünftig lagern können. Wir haben gefühlt 20 Elektriker angerufen –­ doch die haben gesagt: Dort ist Brandgefahr. Wir machen nichts, ehe nicht die gesamte Elektrik in allen Wohnungen saniert wird.."

"Schlimmer wohnen". Vor fünf Monaten fing es an –­ und wurde immer schlimmer. Im Oktober entschließen sich Ponath und Kirchner, ein Kinderzimmer für die insgesamt fünf Kids zu renovieren. Fangen an, den Raum zu streichen. Und malern auch schicke, rote Applikationen an die Wand. Jasmin: "Eines Tages kam ein Kind und sagte: Die Wand ist gefroren." Kirchner: "Das haben wir erst nicht geglaubt. Doch nach ein paar Tagen haben wir festgestellt: Das stimmt." Und inzwischen ist die Wand in der Ecke sogar verschimmelt. Es riecht auch etwas feucht im Zimmer hinten links in der Wohnung. Ponath und Kirchner knien am Heizkörper nieder: "Hier links ist die Heizung warm, rechts ist sie kalt!" Die Heizung –­ seit fünf Monaten geht sie nicht richtig.

Kirchner geht aufs Dach. Zeigt eine vom Kies freigeschaufelte Stelle direkt über dem Zimmer, in dem es schimmelt: "Das sieht so aus, als ob hier die Dachhaut kaputt ist."

Dann gehen wir in den Verteilerraum. Hier sind die frisch isolierten Fernwärmerohre zu sehen. Die Stadtwerke Horb hatten vor gut einem Jahr die Fernwärme des Haugenstein übernommen. Liefern seitdem günstiger die Wärme. Allerdings: Vor den schicken neuen Fernwärmerohren, die die Wärme im Haus verteilen, hat sich deutlich sichtbar eine Wasserpfütze gebildet. Jasmin Ponath: "Im Winter stand das Wasser hier noch viel höher."

Auch Vermieter kann nicht helfen

Schlimmer Wohnen im Haugenstein. Dach undicht, Wände verschimmelt, Heizung wird nicht warm, Elektrik kaputt.

Die Mieter im ersten Stock sind verzweifelt. Ponath: "Wir haben uns an den Hausmeister gewendet. Nichts passiert. An die Hausverwaltung. Auch nichts passiert. An den Vermieter –­ doch der kommt wohl auch nicht weiter."

Ponath zeigt eine Mail, die ihnen der Vermieter hat zukommen lassen. Dort schreibt er mit Datum vom 13. Februar: "Meine Mieterin Frau Ponath hat inzwischen zusätzlich zu allen anderen Themen (Undichtes Dach, Schimmel, defekte Heizungen, etc.) Probleme mit den Steckdosen (Defekte Dose im Bad und Störung der Küchenversorgung). Sowohl ich als auch Frau Ponath haben uns bemüht einen Elektriker zu bekommen, der sich der Sache annimmt, da es sich erst mal um Themen innerhalb der Wohnung handelt, für die ich als Eigentümer verantwortlich bin.

Leider scheint es, als gebe es im Großraum Horb keinen Elektriker mehr, der bereit ist im Haugenstein zu arbeiten, weil dort alles "brandgefährlich" sei (Zitat Firma Leitenberger Elektrotechnik). Laut Leitenberger seien die Stromzähler an sich schon die falschen und die Küchenherde seien gefährlich falsch angeschlossen, weil es mit diesen Stromzählern nicht anders geht."

Lassen die Elektriker den Haugenstein wirklich im Stich? Walter Leitenberger von der gleichnamigen Elektrofirma: "Das stimmt so nicht. Fakt ist: Die Wohnung scheint wohl eine der zu sein, in der die Elektrik noch nicht saniert wurde. Das könnten wir grundsätzlich machen –­ allerdings erfordert das Arbeiten, die grundsätzlich in einer leeren Wohnung ohne Bewohner am einfachsten durchzuführen sind. Dazu sind alle Elektriker in der Raumschaft Horb auf Monate hinaus mit Terminen randvoll."

Auch der Mieterbund wurde inzwischen eingeschaltet. Rechtsanwältin Rosetta Venturino Weschenmoser fordert den Vermieter mit Schreiben vom 17. Januar auf, die Mängel bis zum 15. Februar abzustellen. Die Rechtsanwältin zählt darin folgende "Schlimmer Wohnen"-Punkte auf: "Bereits im Oktober 2018 wurde mitgeteilt, dass die Heizung insgesamt ausgefallen war. Aufgrund einer Reparatur, die im November war, sind dann drei Heizkörper teilweise zu nutzen. Zwischenzeitlich wurde von (einer) Firma ein Gerät eingebaut, welches die Heizungen steuern sollte. Seitdem dieses Gerät eingebaut ist, ist die Wärmezufuhr der drei nutzbaren Heizkörper so gering geworden, dass unser Mitglied auf den Einsatz von Radiatoren angewiesen ist." Dann wird noch der Schimmel aufgeführt. Die Rechtsanwältin bemerkt noch: "Sollte eine Instandhaltung bis zum 15. Februar erfolgt sein, müsste unserem Mitglied zu einer Mietminderung geraten werden. Eine Mietminderung wird sicherlich deutlich ausfallen müssen, nachdem unsere Mitglieder derzeit wegen der mangelhaften Heizbarkeit der Wohnung zu Siebt in zwei Zimmern leben müssen."

Und? Hat sich der Vermieter zum Fristende gemeldet? Irgendwas vom "Schlimmer Wohnen" abgestellt? Ponath gestern: "Bei uns in der Wohnung ist bis heute nichts passiert."

Der Vermieter sagt zum Schwarzwälder Boten: "Gemeinsam mit der Hausverwaltung bin ich dran, die Mängel zu beheben. Aus verschiedenen Gründen geht es aber nicht so schnell, wie auch ich mir das gewünscht hätte. Den Dachdeckerauftrag habe ich im Dezember rausgegeben. Der Handwerker hat mir gesagt, dass er das nicht machen kann, solange der Schnee liegt. Jetzt habe ich die Bestätigung, dass das noch diese Woche erledigt wird. Bei der Heizung hat mir die Hausverwaltung gesagt, dass sie sich um einen Monteur bemüht. Es ist schwierig, im Moment einen Elektriker zu bekommen."

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.