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Horb a. N. Wer fährt das bessere "E"-Auto?

Von
Richard Menzel (links) und Jérôme Brunelle machen den Autovergleich zwischen Erdgas und Elektrofahrzeug. Foto: Lück

Horb - Fridays for Future, CO2-Steuer und Klimaschutz. Zwei Horber haben schon Konsequenzen gezogen: Jérôme Brunelle fährt einen Tesla, Richard Menzel ein Erdgas-Auto. Brunelle – selbst Vorkämpfer für Elektro-Autos – sagt: Ein Motor mit Erdgas ist der umweltfreundlichste Verbrenner. Der große Auto-Vergleich.

Treffpunkt ist die Turnierwiese. Die Duellanten wohnen beide in Horb.

Jérôme Brunelle ist Lehrer und SPD-Ortsvereinsvorsitzender. Er fährt seit Jahren Tesla und sorgte beim Stadtfest für das E-Auto-Treffen. Sein Auto: Tesla Model S. 310 PS. Listenpreis: 75 000 Euro. Richard Menzel ist Profi-Fotograf und arbeitet in ganz Deutschland sowie in Europa. Er hat jetzt seinen Renault Kombi (Diesel) durch eine VW Caddy Langversion ersetzt. 110 PS, Listenpreis: 40.000 Euro. Vollausstattung, Automatik (DSG-Getriebe).

Das Aufeinandertreffen

Brunelle schaut auf den goldenen Caddy. Sagt: "Früher habe ich auch Erdgasauto gefahren. Ein VW Touran mit 109 PS. Weil der Erdgasantrieb deutlich umweltfreundlicher ist. Und die Tankkosten sind halb so hoch wie bei Benzin. Allerdings: Die schweren Gasflaschen merkt man schon. Mit den 109 PS bin ich nicht so rasant vorangekommen."

Menzel kontert: "Bei mir merkt man das nicht. Ich bin ohnehin eher der Cruiser – ich mag es, über die Autobahn mit 130 bis 140 km/h zu gleiten. Durch das Automatik-Getriebe passt das Auto zu meiner Fahrweise perfekt. Außerdem habe ich es immer gehasst, wenn mir nach dem Tanken beim Diesel die Hände gestunken haben."

Der Fahrspaß

Brunelle: "Der Tesla bietet maximalen Fahrspaß. Wenn ich mit meinem Erdgas-Touran das Höllental hochgefahren bin, war das nicht lustig. Jetzt mit dem Tesla und seinen 310 PS gibst du ein bisschen Gas, und er fährt den Berg hoch, als ob da keiner ist. Die anderen Autos sind deutlich langsamer."

Brunelle grinst und sagt: "Der Tesla geht richtig ab – wie ein Sportwagen. Das habe ich daran gemerkt, dass ich die Reifen schneller wechseln musste als kalkuliert. Hab mich dann doch zum Gasgeben verführen lassen."

Das Gas-Auto geht es gemütlicher an. Menzel: "Ich genieße das Sparen. Der Caddy wurde gegenüber den Vorgängermodellen noch einmal weiterentwickelt. Er hat sogar einen Freilauf. Du merkst, wenn man bergrunter fährt, dass du rollst. Das Gewicht schiebt dich vorwärts – genial. Das Fahren, die Abstimmung – so gut, leise, komfortabel und bequem bin ich noch nie Auto gefahren."

Auch der Stromer ist inzwischen zum Cruiser geworden und gleitet lieber über die Straße. Brunelle: "Inzwischen cruise ich mit 100 bis 120 über die Autobahn. Leise und entspannt und vor allem mit extrem niedrigen Verbrauch. Das entspricht dann umgerechnet 1,5 Liter Diesel."

Wie viel Platz ist geboten?

Brunelle: "In den Tesla passen locker fünf Personen. Er ist so groß wie eine S-Klasse. Wir sind mit meiner Familie nach Italien gefahren – überhaupt kein Problem. Das Auto ist leise, groß genug und komfortabel."

Menzel erklärt seinen Kauf: "Ich habe ein größeres Auto für meine Ausrüstung gebraucht. Klar passt auch eine fünfköpfige Familie in den Caddy – aber die habe ich nicht. Für mich ist wichtig, dass mein Hund Lea mit reinpasst und es gut hat."

Der Verbrauch

Als Brunelle seinen Tesla gekauft hat, hat er damals noch den Strom für Jahre umsonst bekommen. Diese Strom-Flatrate gibt es laut dem SPD-Mann derzeit wieder bei Tesla – beim Model S und X. "Der Strom kostet im Durchschnitt 29 Cent pro Kilowattstunde (kW). Mein Tesla hat 60 kW und verbraucht 20 kW auf 100 Kilometer. Das heißt: 22 mal 29 Cent sind knapp 6,40 Euro pro 100 Kilometer. Damit liege ich beim Preis knapp unter einem Diesel."

Richard: "Mein Auto verbraucht unter fünf Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometer. Dabei lande ich bei einem Preis von gut fünf Euro. Das ist deutlich günstiger als mein Diesel. Wenn ich noch bedenke, dass ich dafür vier Kubikmeter Laderaum habe und so ein großes Auto bewege, ist der Verbrauch wirklich sehr ökonomisch."

Die Wartungskosten

Brunelle: "Der Tesla hat durch seinen Elektromotor kaum Verschleißteile. Ich habe jetzt bei 80 000 Kilometer die erste Inspektion gemacht – das hat 500 Euro gekostet. Insgesamt habe ich acht Jahre Garantie auf Motor und die Batterien. In meiner Kalkulation beim Kauf habe ich 150 Euro monatlich an Reparaturen eingerechnet. Das habe ich bisher nicht erreicht." Allerdings bemängelt Brunelle beim Duell der E-Autos Risse im Glasdach.

Menzel: "Das habe ich noch nicht kalkuliert. Aber ich denke, das wird so ähnlich wie beim Diesel sein."

Die Reichweite

"Strom"-Jerome: "Ungefähr 300 Kilometer bei normaler Fahrweise. Wenn ich sparsam fahre und gleite, sinkt der Stromverbrauch auf 15 Kilowattstunden. Das reicht dann bei Tempo 100 sogar für 400 Kilometer. Als ich mit dem Tesla nach Italien gefahren bin, habe ich gemerkt, wie präzise die Reichweiten-Anzeige ist. Ich bin mit den vorhergesagten drei Prozent Restakku an der letzten E-Tankstelle angekommen."

Der Fotograf: "Durch die Langversion habe ich größere Gastanks. Deshalb kann ich mindestens 700 Kilometer weit fahren. Und: Es gibt noch einen Benzintank mit gut 15 Liter zur Reserve."

Brunelle: "Damit hast du es gut. Ich hatte bei meinen Frankreich-Touren immer das Problem, dass es zwischen Deutschland und Paris keine Erdgastankstelle gab. Da musste ich immer mit Benzinkanistern hantieren."

Das Tankstellennetz

Brunelle: "Ich kann hier in Horb gut laden. Dazu wird die Infrastruktur der Ladesäulen massiv ausgebaut."

Menzel: "In Horb gibt es keine Erdgas-Tankstelle. Die nächste ist in Sulz. Ich hoffe, dass der Biohof Vees seine Gas-Tankstelle bald wieder in Betrieb nimmt. Derzeit gibt es gut 1000 Erdgas-Tankstellen in Deutschland. VW hat angekündigt, 1000 neue Stationen aufzubauen. Weil große Flottenkunden wie Siemens Erdgasautos verlangen, um den Diesel-Fahrverboten zu entgehen."

Doch stört es die beiden nicht, dass die Tankstelle nicht ums Eck liegt? Brunelle: "Das ist überhaupt nicht nervig. Man muss einfach nur umdenken: Wenn ich nach Stuttgart zum Einkaufen fahre, lade ich meinen Tesla, während ich shoppe. Auf der Rückfahrt kauf ich noch Lebensmittel im Kaufland in Sindelfingen ein – dort kann ich kostenlos laden. Auf Reisen wie nach Italien gehe ich mit meiner Familie immer in die Raststätte, während der Tesla am Supercharger lädt. Dort kommt dann oft per App mitten im Essen die Nachricht, dass ich den Stecker jetzt ziehen muss, sonst muss ich in drei Minuten den Strom bezahlen."

Richard: "Klar, muss man umdenken. Aber bei mindestens 700 Kilometer ist die Reichweite kein Problem. Wenn ich den Tank voll habe, fahre ich locker durch bis Hamburg."

Fazit

Auf die Frage, wer das bessere Auto – oder "E"-Auto fährt, sind sich Brunelle und Menzel einig: "Ich."

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