Als Pionier der Grenzstein-Erforschung wird er in die Geschichte Baden-Württembergs eingehen: Heinz Schmid, der auch beim Kultur- und Museumsverein ist. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder-Bote

Horber Heimatforscher Heinz Schmid erhält für sein ehrenamtliches Engagement Landes-Ehrennadel in Silber

Von Peter Morlok

 

Horb. Eigentlich logisch, denken Viele, wenn sie das Hobby und den beruflichen Werdegang von Heinz Schmid im Zusammenhang betrachten. Grenzsteine aufstöbern, in alten Karten forschen, sich am Gefundenen orientieren, ganze Grenzlinien rekonstruieren und steinerne Zeitzeugen aus dem Erdreich befreien, das ist genau der passende Zeitvertreib für einen Vermessungs-Ingenieur im Ruhestand.

Aber weit gefehlt – die Wirklichkeit sah ganz anders aus, denn Schmid fand erst über viele Umwege zu seiner Berufung. Geboren wurde er am 4. April 1932 in Metzingen. Er erlebte die schwere Zeit vor und während des zweiten Weltkriegs bei seinen Omas in Trossingen und Freudenstadt. 1938 zog er mit seiner Mutter und seiner Schwester ganz nach Freudenstadt, wo er auch die ersten Schuljahre – erst in der Volksschule für Knaben und später im Keppler-Gymnasium – verbrachte. Er erinnert sich heute noch an die Erstürmung der Stadt durch die Franzosen, die auch das Haus, in dem seine Familie lebte, niederbrannten.

Mit dem vollgepackten Leiterwagen zur Oma nach Horb geflüchtet

Mehr oder weniger obdachlos, erfuhren sie durch Zufall, dass die Horber Oma gestorben sei. Die Familie entschloss sich spontan, nach Horb zu ziehen. Mit einem Leiterwagen, auf dem sie das Wenige, was sie noch hatten, transportierten, liefen sie die gefahrvollen 24 Kilometer nach Horb, um im Haus der Oma ihre Bleibe zu finden. So verschlug es Heinz Schmid nach Horb, und noch heute wohnt er im gleichen Haus wie damals.

Er ging hier bis zur mittleren Reife zur Schule, lernte drei Jahre auf dem Katasteramt den Beruf des Vermessungstechnikers und baute seinen "Ingenieur FH" an der Stuttgarter Staatsbauschule. Sein Berufsweg führte ihn schnurgerade wieder ins Katasteramt, wo er 38 Jahre, zuletzt als Oberamtmann, tätig war.

In der knappen Freizeit, die ihm blieb, sammelte er Briefmarken. Er war lange Jahre Vorstand der Briefmarkenfreunde Horb und wurde nach deren Gründung automatisch Mitglied im Bund Deutscher Philatelisten. Dort ist der Vereinsmensch Schmid nun schon seit 50 Jahren aktiv.

Wie jeder ernsthafte Markensammler wollte der Horber sich auf ein Motiv konzentrieren und überlegte deshalb Anfang der 70er-Jahre, was er wohl wählen könnte. Die Entscheidung war einfach – es sollte etwas mit Vermessung zu tun haben, da dies der Themenbereich war, mit dem er sich auskannte. Er suchte nach der passenden Literatur hierfür und wurde auf die Hefte von Rainer H. Schmeisser "Grenzsteine auf Briefmarken" aufmerksam. Hieraus resultierte wenig später auch die "Steinkreuzforschung", und ergänzend hierzu nahm sich Schmid auch den Kleindenkmalen an. Er veröffentlichte in den Sammler-Broschüren hin und wieder eigenen Artikel, die von den Karlsruher Kleindenkmalfreunden aufmerksam gelesenen wurden.

Aus diesem Kontakt entstand 1985 die "Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg", kurz GEEK genannt, deren Vorsitz Heinz Schmid am 9. Oktober 2010 übernahm. Mit Heinrich Raible brachte er gleich einen kompetenten Stellvertreter mit und rettete den Verein, der heute seinen Sitz in Horb hat, vor der Auflösung.

Pionierarbeit bei der Rettung von kleinen Denkmalen geleistet

Die GEEK leistete in den 25 Jahren ihres Bestehens Pionierarbeit bei der Rettung und Erfassung von Kleindenkmalen, und selbst die Landesbehörde für Denkmalschutz arbeitet heute mit den Erfassungsbögen der GEEK. Ein weiterer Meilenstein – pardon Grenzstein – im Forscherleben von Heinz Schmid war die Erfassung der historischen Grenzsteine der Gemarkung Horb. Mit fünf weiteren Heimatforschern machte er sich an diese Sisyphosarbeit, die sie im letzten Jahr, nach 23 Jahren der intensiven Forschung, abschließen konnten.

Als Lohn für diese Mühen um den Erhalt historischer Substanz hat Ministerpräsident Stefan Mappus Heinz Schmid für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit bei der Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg (GEEK) die Ehrennadel in Silber des Landes Baden-Württemberg verliehen.

Weitere Informationen: Der Empfang zur Auszeichnung findet am Dienstag, 1. Februar, ab 11 Uhr im Zimmer 211 des Horber Rathauses statt.