Vorwurf nach Wahl von Ralph Zimmermann: "Ergebnis schon zu Jahresanfang verabredet." Mit Kommentar & Video

Horb - Genau 20 Uhr. Gemeinderätin Margarethe Rebholz (FD/FW) zählt den letzten Stimmzettel runter: 16, 17, 18. Damit ist klar: Ralph Zimmermann (FDP) ist der neue Bürgermeister von Horb.

Abgeschlagen: Der parteilose Philipp Rochold - Sozialbürgermeister von Chemnitz - mit vier Stimmen. Und Matthias Kreutzer (SPD) konnte neun Stimmen auf sich vereinigen. Rochold: "Enttäuscht? Ich bin Realist. Ich weiß, wie die politischen Verhältnisse in Horb sind!" Und den durch die Wahl von Zimmermann neuen "Burgfrieden" zwischen CDU und FD/FW – den größten Fraktionen des Gemeinderats – war auch das große Thema.

SPD-Fraktionschef Thomas Mattes: "Das heutige Wahlergebnis dürfte schon Anfang des Jahres verabredet worden sein. Es wurde nur der drittbeste Bewerber gewählt! Die erhoffte Ruhe bei der OB-Wahl sollten Peter Rosenberger und seine CDU nicht erwarten." Überlegt die SPD, einen Gegenkandidaten für OB Rosenberger aufzustellen?

Fakt ist: Schon in der Fragerunde an die drei Kandidaten hatte Mattes Zimmermann angegriffen. Mattes: "Als Beigeordneter brauchen sie im jetzigen Dezernatszuschnitt in Horb Fachkenntnisse in Rechtsgebieten, die nicht Teil Ihrer Ausbildung waren. Baurecht beispielsweise. Woher soll die Führungserfahrung über die vielen Mitarbeiter im Dezernat 2 kommen. Bisher als stellvertretender Abteilungsleiter haben Sie lediglich fünf Personen unter sich. Bei der Aufgabe in Horb geht es nicht um die Führung von Vermessungstechnikern, sondern um die Führung von Menschen, die an der Verwaltungshochschule studiert haben."

Zimmermann ist gelernter Vermessungstechniker. Er nahm den Angriff gelassen. Der Ministerialrat: "Ich glaube nicht, dass ich als Obersachbearbeiter nach Horb komme. Einen Überblick über die Materie habe ich. Natürlich vertraue ich der Stadtverwaltung in Horb."

Alle Möglichkeiten in Betracht gezogen

Gibt es jetzt den Burgfrieden zwischen CDU und FD/FW? CDU-Fraktionschef Michael Keßler weist das Wort "Burgfrieden" zurück: "Weil wir keinen eigenen Kandidaten hatten, sehen wir das Ergebnis emotionslos. Es freut uns aber auch, dass wir durch diese Wahl eine gewisse Annäherung in der Politik erreichen können."

Hat es eine Absprache zwischen FD/FW und CDU gegeben? Hinter den Kulissen heißt es, dass natürlich alle Möglichkeiten in Betracht gezogen wurden. Angeblich soll die FDP einen starken OB-Kandidaten in der Hinderhand gehabt haben, so eine andere Quelle. Insider berichten, dass es zwar Gespräche zwischen CDU und FD/FW gegeben habe. Dass man aber vor der Wahl nicht abschätzen könne, ob der Rahmen auch eingehalten wird.

Hinter den Kulissen wird betont: Zimmermann sei der Kandidat, der von der Anforderungsmatrix am besten auf das Profil eines Bürgermeisters passt, der die Stadt wirklich voranbringt: Als Vermessungsingenieur die notwendigen Kenntnisse auch in Stadtplanung. Durch seine Tätigkeit im Wirtschaftsministerium die Kontakte zu "Unternehmenslenkern, Leitern von Forschungsinstituten und Kammer-Vertretern", wie es Zimmermann in seiner Vorstellung geschildert hatte. Dazu die Ministeriumskontakte. Genau das sei die Schwäche von Jan Zeitler gewesen.

OB Rosenberger war nach der Wahl jedenfalls schon bemüht, mögliche Gräben zur enttäuschten SPD zuzuschütten. Rosenberger: "Ich bin dankbar, dass es im ersten Wahlgang ein deutliches Ergebnis gegeben hat. Ich glaube, dass Ralph Zimmermann und ich es schaffen, dass die Parteipolitik keine Rolle spielt, sondern wir die Gemeinsamkeit über Parteigrenzen hinweg im Gemeinderat zu einer großen Stärke weiterentwickeln werden. Die SPD muss sich keine Sorge machen –­ meine Politik bleibt sozial."

Theurer weist Vorwurf zurück

Michael Theurer, Alt-OB und Landeschef der FDP, weist den "Burgfrieden"-Vorwurf ebenfalls zurück. Er hatte Zimmermann den Tipp für die freie Stelle gegeben. Theurer: "Wer mich kennt, weiß, dass ich mich immer für ein gedeihliches Miteinander im Gemeinderat ausgesprochen haben. Wenn man sich die wirklich entscheidenden Beschlüsse im Gemeinderat anschaut, stellt man fest, dass CDU und FD/FW sie mehrheitlich getragen haben."

Kommentar: Burgfrieden

Von Florian Ganswind

Es ist keine große Überraschung: Ralph Zimmermann ist der neue Bürgermeister von Horb und damit der zweite Mann an der Rathausspitze. Fachlich scheint er alles mitzubringen, um im Rathaus eine wichtige Führungsposition einzunehmen. Auch bei der Kandidatenvorstellung präsentierte er sich sachlich und fachlich auf der Höhe. Ein starkes Signal könnte die Wahl politisch sein. Seit Jahrzehnten gibt es einen tiefen Graben in der liberalen Hochburg Horb: CDU und FD/FW haben viele Kämpfe ausgetragen. Nun hat die CDU den FDP-Mann Zimmermann zumindest in großen Teilen mitgewählt. Ein Burgfrieden zwischen den zerstrittenen Fraktionen. Und auch für die nahende OB-Wahl könnte die Entscheidung gestern Abend eine Bedeutung haben: Die FDP wird wohl keine Ambitionen mehr haben, einen Konkurrenten zu Rosenberger aufzustellen.