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Horb a. N. Von Spatzensteuer bis Gemeinde-Farren

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Neues vom Schwabenversteher: Ralf Jandl alias Karl Napf Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder Bote

"Die Leute von Napfheim" heißt das neue Büchlein von Karl Napf, mit dem sich der Autor von Horb verabschiedet. Nächstes Jahr will er nach Gerlingen ziehen. Mag ja sein, dass der Autor namens Ralf Jandl wegzieht – aber Karl Napf bleibt hier!

Horb. Beim Tippfehler in seinem Brief lässt Freud grüßen und einen sofort in vergangene Zeiten stürzen: "Das Büchlein soll (...) nach 50 Jahren ein Abschied von Nordstetten und Horb sein, da wir 1919 nach Gerlingen ziehen werden", schreibt Ralf Jandl, einstiger Ministerialdirigent, wohnhaft in Nordstetten und bekannt als Buchautor Karl Napf.

Klar, er hat natürlich das Jahr 2019 gemeint. Aber als Perlensucher des schwäbischen Humors konnte Jandl immer schon tief tauchen. Gerne auch ins 19. Jahrhundert, in die Zeit der württembergischen Monarchie. 100 Jahre zurückverlegt wäre Jandls Zeit in Horb eine Epochen umspannende gewesen. Sie hätte die Zeit König Wilhelms I., König Karls, die Reichsgründung, die Regentschaft König Wilhelms II., den Ersten Weltkrieg und das Ende nicht nur der württembergischen Monarchie umspannt.

Es wäre frech und unwahr zu behaupten, dass Karl Napfs verschmitzt-schwäbische Weltanschauungen aus dieser Zeit stammen. Trotzdem schafft er es wie auch in seinen anderen Büchern, das Landleben von einst mit seinen Menschen, Tieren und Kuriositäten mit dem schwäbischen "Way of Life" der Gegenwart zu vermischen. Da wird zum Beispiel die Tiroler Poststation im Tiroler Urlaubsort des Bürgermeisters angerufen. "Der Gemeindepfarrer ist verreckt", musste sich die entsetzte Posthalterin anhören. Natürlich, am Ende war es der Gemeinde-Farren, also der Zuchtbulle, der von der Gemeinde zur Besamung der Muttertiere der Bauern gehalten wird. Es gibt diese Tiere noch vereinzelt, aber in den meisten Gemeinden ist die Farrenhaltung ein Relikt der Vergangenheit. Heute kommt ja der "Rucksackbulle", also der Tierarzt mit der künstlichen Besamung. Und die Farrenställe sind längst zu Heimatmuseen geworden.

Auch die Napfheimer in Karl Napfs Buch überlegen sich, ein Heimatmuseum einzurichten. Denn bald steht die 1300-Jahr-Feier des Dorfes an, dessen Honoratioren sich Gedanken über den Ablauf des Festes machen. Dabei kommt Sinniges und Unsinniges heraus, auf Jandls typisch trocken-köstliche Art in Szene gesetzt – oder ins Näpfchen geschmiert...

Es ist genau so, wie man sich’s vorstellt: Napfheim will glänzen, seine finsteren Kapitel gnädig überspringen, Investoren anlocken und für all die Anstrengungen nicht viel bezahlen. Im Gemeinderat wird diskutiert, im "Kreuz" wird getrunken. Die Vergangenheit Napfheims wird kurzerhand auf die Alemannin Bissula zurückgeführt, die im Jahr 368 als junge Frau in römische Kriegsgefangenschaft geriet und in den Besitz des römischen Dichters Ausonius (zirka 310-394) kam.

Ein Schulmeister, ein Finanzbeamter und ein Bürgermeister machen sich hintersinnige Gedanken übers Dorf

An solchen Beispielen zeigt sich, das Karl Napf mehr auf dem Kasten hat als den typisch "knitzen" schwäbischen Humor. Historisch verbürgt ist zum Beispiel auch das am 1789 ausgestellte Dekret von Herzog Karl Eugen von Württemberg, nach dem pro Person jährlich zwölf lebende Spatzen abzuliefern waren, wofür sechs Kreuzer ausbezahlt wurden. Wer die Auflage nicht erfüllte, musste zwölf Kreuzer Spatzensteuer zahlen.

Für seine hintersinnigen Gedanken hat sich Napf einen Schulmeister, einen Finanzbeamten und einen Bürgermeister als Figuren ausgesucht. Es ist köstlich, ihre Gedanken über das Dorf und seine Menschen zu lesen.

Und der Text ist gar nicht mal arg nostalgisch. Er lässt einfach die Zeiten und Erlebnisse, die kleinen und großen Sorgen, das Moderne und das Altmodische miteinander spielen. Fazit: Ralf Jandl hat erneut ein Kompendium der schwäbischen Kultur geschaffen, das sich bestens für den täglichen Gebrauch eignet.

Das Buch: Die Leute von Napfheim – Schwäbische Erlebnisse, Karl Napf, Silberburg-Verlag, 157 Seiten, 15 Euro.

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