Katharina Feucht strahlt über beide Backen: Dach auf, Arm raus aus dem Klappfenster, Choke ziehen und das Leben mit ihrer Ente genießen. Foto: Hopp

Ab sofort kann Katharina Feucht ihre Ente wieder fahren. 28-PS-Turbo für die Frühlingsgefühle

Horb-Talheim - Katharina Feucht strahlt über beide Backen: "Endlich! Ab heute kann ich wieder Ente fahren!" Dach auf, Arm raus aus dem Klappfenster, Choke ziehen und das Leben genießen.

 

Denn mit den Sonnenstrahlen des Frühlings startet die Talheimerin ihr ganz persönliches Autoglück. "Meine erste Ente hieß Alfred und war blau. Mit ihr bin ich im Sommer wie im Winter gefahren. Sie hat mich nie im Stich gelassen." Und immer wieder verfiel sie dem Charme des "Deux Cheveaux".

Doch vor zehn Jahren war Schluss. Bis sie dann ihr Mann vor zwei Jahren überrascht hat. Feucht: "Er hat mich gebeten, besonders lange einkaufen zu gehen. Daran hab ich mich nicht gehalten. Als ich nach Hause kam, war mein Mann ganz nervös. Endlich rückte er raus: ›Gleich kommt ein Transporter mit einer Ente, die ich für dich gekauft habe. Wenn sie dir gefällt, behalten wir sie.‹"

Und als Katharina Feucht dann ihre weinrote "Dolly" mit den hellbeigen Kotflügeln sah, war es um sie geschehen: "Ich liebe einfach dieses Auto!"

Warum? Die Ente wurde von Citroën damals als "Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht" gebaut, so die Anweisung von Citroën-Direktor Pierre-Jules Boulanger im Jahr 1934.

Die Ente ist das Gegenteil des SUV-Wahnsinns. Keine wohnzimmergroße Fahrerkabine. Keine sechs Zylinder mit mindestens 200 PS. Die Armablage an der Tür – fehlt. Wenn es zu eng ist, wird einfach das Klappfenster hochgemacht und der Ellenbogen rausgestreckt. Scheint die Sonne, werden zwei Klammern gelöst und das Dach aufgeklappt. Reicht die Kühlung noch nicht, werden mit einem Drehknopf zwei Klappen aufgemacht, die unter der Frontscheibe die Luft durchlassen. Und die Revolverschaltung sorgt mit vier Gängen dafür, dass der Zweizylinder-Boxermotor seine 28 Pferdestärken optimal auf die Straße bringt. Bergab sind maximal 100 km/h drin.

"Es ist ein völlig anderes Lebens- und Fahrgefühl mit einer Ente."

Und dazu noch der typische Entenknick in der Kurve, das typische Schaukeln, welches dem 2CV seinen deutschen Spitzenamen gab. Feucht: "Es ist ein völlig anderes Lebens- und Fahrgefühl mit einer Ente." Zeigt auf die Ausbuchtung hinten am Kofferraum: "Da habe ich mein Bett drin – mit 1,80 Meter Liegefläche. Dann kann ich auf Ententreffen auch übernachten." Oben drauf ist eine Gummiente. "Damit dichte ich den Kofferraum-Drehknopf ab. Sonst kriegst du bei Regen nasse Füße beim Schlafen", erklärt sie lachend. Sie hebt die Kofferraumklappe hoch: "Da fehlt mir noch ein Brett, damit ich einen Kocher drauf stellen kann."

Minimalismus als Lebens- und Fahrgefühl – und das machen Katharina und ihre schmucke Ente auch zum Blickfang, wie sie lachend erzählt: "Im vergangenen Jahr bin ich im tiefsten Schwarzwald in eine Porsche-Rallye geraten. Klar, dass ich da zur Seite gefahren bin. Alle Porsche-Fahrer haben ganz begeistert gehupt und gewunken!"

Klar, dass sie sich jetzt auf die neue Enten-Saison freut. Katharina: "Ich starte mit dem Ententreffen in Karlsruhe an Ostern. Im Sommer ist dann das Ententreffen in Portugal dran." Und sie hat auch schon viele potenzielle Mitfahrer. Die lustige Talheimerin: "Stefan Auditor hatte früher die Polente in grün. Als er gehört hat, dass ich jetzt eine Ente habe, musste ich ihm versprechen, dass er mal mitfahren darf."

Die Ente – ein Stück Lebensgefühl, das gute Laune macht. Und es zeigt, dass schon 28 PS reichen, um den Turbo für die Frühlingsgefühle einzulegen.