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Horb a. N. Stolpersteine als Mahnmal gegen das Vergessen

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Insgesamt 42 500 Steine wurden schon gesetzt. Hier setzt Gunter Demnig einen von sieben weiteren in Rexingen. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Peter Morlok

Horb-Rexingen "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist" – Dieser Satz, den Gunter Demnig einst vom damaligen Kölner Rabbi hörte, war mit eine der Initialzündungen für sein Projekt "Stolpersteine", mit dem er an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern will.

Mit "Stolpersteine" will Gunter Demnig die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig erhalten.

Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen, die einst hier wohnten, wieder greifbar. Auf den Messingtafeln der zehn mal zehn Zentimeter großen Steinen steht geschrieben: "Hier wohnte... ". Der Stein wird so zum stummen Mahnmal des Menschen, der hier ein Teil seines Lebens verbrachte. Ein Leben, das ihm auf so unmenschliche Art genommen wurde. Das Haus, der Platz, verliert so seine Anonymität und gewinnt durch die "Stolpersteine" ein Teil seiner Geschichte zurück.

Mehr als 42 500 dieser Kleindenkmale hat der in Berlin geborene Künstler bereits verlegt. Die meisten davon, die in 15 Ländern Europas und 885 Kommunen Deutschlands zu finden sind, selbst. Es ist immer auch ein symbolischer Kniefall, der mit dieser Arbeit verbunden ist, die im Jahr 1990 in einer ersten Aktion zur Erinnerung an die Deportation von Sinti und Roma aus Köln im Jahr 1940 begann. Er legte damals eine Gedenkspur für 1000 deportierte Sinti und Roma.

Sieben neue Steine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus

Bereits zum dritten Mal besuchte der "Gedenk-Handwerker", der in diesem Jahr zusammen mit dem in Freudenstadt geborenen "Architekten der Versöhnung", Helmut Morlok, den Lothar-Kreyssig-Friedenspreis der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland erhält, nun schon Horb und seine Teilorte.

Am vergangenen Samstag war er wieder da und setzte in Rexingen unter großer Anteilnahme der Horber Bevölkerung und einigen wenigen, noch lebenden Verwandten der Ermordeten, sieben weitere Gedenksteine, an denen Berta-Luise von Lips je eine weiße Rose niederlegte.

An Jeanette und Samuel Levi erinnern nun zwei der Stolpersteine vor deren ehemaligem Wohnhaus oberhalb der katholischen Kirche, das vor einigen Jahren abgerissen wurde. Liliane Gunkel hat die Geschichte dieser beiden Rexinger Mitbürger recherchiert und ihr Sohn Kilian, der auf allen Stationen mit seiner Geige für die dem Anlass entsprechende musikalischen Umrahmung sorgte, trug den Text seiner Mutter vor.

Ein paar Schritte weiter, in der Kirchstraße 25, wohnten Sigmund und Berta Gideon mit ihren drei Kindern Käthe, Hermann und Betty. Käthe und Hermann Gideon schlossen sich der Auswanderergruppe nach Shavei Zion an, Betty emigrierte schon 1935 in die USA. Es war nicht einfach, Deutschland zu verlassen, denn es gab nicht nur große finanzielle Hürden und schier unüberwindbare bürokratische Hindernisse von Seiten des NS-Regimes und der Aufnahmeländer. Viele der älteren jüdischen Bürger weigerten sich, ihre Heimat zu verlassen und verabschiedeten ihre Kinder in der Hoffnung, sie einmal wiederzusehen. Bestimmt wollte Berta Gideon auch ihre hochbetagte Mutter Ernestine Schwarz nicht alleine zurücklassen. So blieb das Ehepaar, musste die Synagogenschändung miterleben und die ersten beiden Rexinger Deportationen, bis sie selbst im August 1942 nach Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet wurden. Seit Samstag erinnern zwei "Stolpersteine" an sie. Menachem Gideon, ein Enkel von Berta und Sigmund Gideon schrieb aus Israel, dass die beiden zwischenzeitlich 22 Ur-Urenkel haben und versprach, dass noch weitere folgen werden. "Die Nazis dachten vor 70 Jahren, sie könnten unser Volk vernichten – es ist ihnen nicht gelungen", sein Trost aus diesem Kindersegen. Die Geschichte dieser Familie haben Katrin Müller (21) und Verena Sayer (22) vor rund vier Jahren als Projektarbeit im Martin-Gerbert-Gymnasium aufgearbeitet und während der Gedenksteinverlegung vorgetragen.

Weitere Steine erinnern seit Samstag an Louis Schwarz und an Kathi und Isak Pressburger, die in der Freudenstädter Straße wohnten. Im kommenden Jahr wird Gunter Demnig, der Mann mit Hut, wieder in Horb sein, wie Barbara Staudacher berichten durfte, die zusammen mit Heinz Högerle für die Projektarbeit des Träger- und Fördervereins Ehemalige Synagoge Rexingen verantwortlich zeichnet.

Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn bereits heute arbeitet sein fünfköpfiges Team an der Stolpersteinaktion für das Jahr 2015, wie Demnig in einer kurzen Ansprache erklärte.

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